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Flut in der Eifel : Bitburger-Hopfen unter Wasser

Viel zu nasse Füße: Die Anbaufläche aus der Luft Bild: Andreas Dick

Der einzige Hopfenbauer in Rheinland-Pfalz will nach der Flut neu anfangen – und mehr freie Flächen lassen. Bitburger unterstütze ihn. Kein Wunder: Die Brauerei braucht seinen Hopfen.

          3 Min.

          Der Hopfen mag eigentlich nasse Füße und einen warmen Kopf“, sagt Andreas Dick. Auf so viel Wasser aber hätte der Hopfenbauer gerne verzichtet. Die Jahrhundertflut in der Eifel hat den Großteil seiner Felder und Anlagen zerstört. Nur vier von zweiundzwanzig Hektar seien ohne Schäden davongekommen, sagt er. „In manchen Feldern gibt es Löcher, da können Sie ein Auto reinwerfen.“

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Dick ist der einzige Hopfenanbauer in Rheinland-Pfalz, und seine gesamte Ernte liefert er an die benachbarte Brauerei Bitburger. Das sei schon seit den Siebzigerjahren so, sagt er. Aber seit Bitburger, der größte Fassbierlieferant Deutschlands, die Werbung umgestellt hat – weg vom Fußball hin zu Heimat und Regionalität –, kommt Dick eine besondere Rolle zu. „Mit Bitburger Siegelhopfen verfeinert“ lautet nämlich seither das Versprechen. In jedem Glas Bitburger sollte also ein Teil des Hopfens von Dicks Feldern stammen.

          „Über Nacht war das Lebenswerk meines Vaters dahin“

          Der Großteil des Bitburger-Hopfens stammt aus der Hallertau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt zwischen Ingolstadt und München. Um die zehn Prozent des Hopfenbedarfes aber steuere er aus der Eifel bei, schätzt Dick. Die Brauerei kaufe den Hopfen meist für zwei, drei Jahre im Voraus ein und lagere ihn dann getrocknet in Form von gepressten Pellets. Ein Engpass beim Bier sei deshalb nicht zu erwarten.

          Vom „Familienunternehmen Bitburger“ habe er in der Krise viel Hilfe und Zuspruch erfahren. Bei der Brauerei hat er einst selbst Brauer gelernt, bevor er den elterlichen Betrieb in Holsthum übernommen hat. Bitburger habe ihm nach der Flut geholfen und Lehrlinge geschickt, der benachbarte Winzer und Bitburger-Erbe Roman Niewodniczanski habe ebenfalls Helfer organisiert. Zudem hätten Hopfenbauerkollegen aus der Hallertau, aus Tettnang und aus Elbe-Saale mitgeholfen, die Anlagen zu sichern. Die Solidarität in der Krise sei groß gewesen, sagt er. „Keiner hat nach Geld oder meiner Kontonummer gefragt.“

          Lebenswerk dahin: überschwemmtes Hopfenfeld
          Lebenswerk dahin: überschwemmtes Hopfenfeld : Bild: Andreas Dick

          Die ersten Tage nach der Flut hat er sich ohnehin noch nicht um die Anlagen kümmern können. Er und seine Maschinen seien im Ort selbst gebraucht worden, sagt er. Dick hatte Glück: Sein Haus und das Betriebsgelände wurden nicht von der Prüm überflutet, nur die landwirtschaftliche Fläche. Dennoch: „Über Nacht war das Lebenswerk meines Vaters dahin.“ Mit Hochwasser könne man in der Südeifel eigentlich umgehen, sagt er. Aber die Wucht dieser Flut habe niemand vorhergesehen. „Masten, die eine Tonne wiegen, mit drei Meter tiefen Ankern sind einfach weggespült worden.“

          Wenn die versprochenen Hilfen des Landes tatsächlich fließen, will er deshalb etwas verändern, die Felder „anders anschneiden“, wie er sagt. Konkret also weniger Hopfen anbauen, stattdessen Überflutungsflächen freigeben. „Wir haben direkt nach den Hochwasser Luftaufnahmen gemacht, dort konnte man den Strömungsverlauf deutlich erkennen.“ Ein Wiederaufbau wie bisher sei nach dem Betrachten der Bilder unverantwortlich.

          Erstattung von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten

          Vor allem in Flusskurven müsse man Pufferzonen für das Wasser frei lassen, um die Fließgeschwindigkeit rauszunehmen. Das Hauptproblem seien nicht die Wasserfluten gewesen, sondern die rasende Geschwindigkeit und der viele mitgerissene Müll und Schutt. Die eigentlich gegen die Überschwemmung gesetzten großen Weiden hätten das Problem noch verschärft. Sie seien umgekippt und „wie ein D-Zug durch den Ort gerast“, hätten so mit ihren breiten Wurzeln ganze Straßen und Brücken blockiert.

          Die Brauerei habe seine Idee erst zurückhaltend aufgenommen, stehe jetzt aber dahinter, auch wenn dadurch weniger Hopfen angebaut werden könne. Dem Fluss Fläche zurückzugeben sei schließlich auch nachhaltig, sagt er. Noch ist nach Dicks Worten keine Hilfe vom Land geflossen. Aber die Politik sei bemüht. 65.000 Menschen sind nach Angaben der Landesregierung in Rheinland-Pfalz betroffen. Für Hilfen und den Wiederaufbau stehen dem Land 15 Milliarden Euro aus dem nationalen Aufbaufonds zur Verfügung.

          Die betroffenen Landwirte und Unternehmer können von Montag an ihre Hilfsanträge stellen. Übernommen werden nach Angaben der Landesregierung „Schäden an Flächen einschließlich Aufwuchs und Schadensbeseitigung“. Dazu Schäden an Betriebsgebäuden, Maschinen, an Vorräten und im Zweifel auch an Tieren. Ausgeglichen werden sollen die Kosten für Reparatur und Wiederherstellung oder der Verlust des Marktwertes.

          Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten würden erstattet, verspricht die Landesregierung, „in Härtefällen bis zu 100 Prozent“. Dick hält 80 Prozent für „absolut in Ordnung“. Sein Problem sei der angeführte Marktwert, sagt er. Wie viele betroffene Winzer habe auch er etliche Maschinen und Anlagen bereits abgeschrieben, der Marktwert sei also theoretisch gleich null. Gebrauchte Maschinen seien aber so gut wie nicht zu bekommen. Auch zwanzig Jahre alte Gerüstanlagen für den bis zu acht Meter hohen Hopfen stehen nach seinen Worten „mit einem Buchwert von einem Euro da, kosten neu aber 35.000 Euro je Hektar“.

          Der Landwirt hat jetzt wie vom Land gefordert einen Gutachter beauftragt, der die Schäden protokolliert. Wenn er nochmals eine Million Euro investieren müsse nur mit Fremdkapital, dann werde der Wiederaufbau schwer, sagt er. Gegen Hagel und Sturm seien die Anlagen versichert, eine Hochwasserversicherung werde aber schon lange nicht mehr angeboten, sagt er. Deshalb sei jetzt die Einführung einer Pflichtversicherung dringend nötig. Nach dem Wiederaufbau dauert es nach Dicks Worten drei Jahre bis zur ersten Ernte. Die Landesregierung hat versprochen, schnell und unbürokratisch zu helfen.

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