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Neue Details : Wie Carlos Ghosn aus Japan floh

Carlos Ghosn (Archivbild aus dem Jahr 2016) Bild: dpa

In einer schwarzen Kiste soll der frühere Auto-Manager Carlos Ghosn in den Libanon geflohen sein. Dabei hatte er offenbar Hilfe von zwei amerikanischen Sicherheitskräften.

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          Im Januar vor einem Jahr bot der in Untersuchungshaft einsitzende Automagnat Carlos Ghosn dem Bezirksgericht in Tokio an, dass er im Fall einer Freilassung auf Kaution bereit sei, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Das hätte den Aufenthaltsort des wohlhabenden Managers, dem eine hohe Fluchtgefahr zugeschrieben wurde, jederzeit offenbaren können. Doch als Ghosn im April auf Kaution freigelassen wurde, wurde ihm eine solche Auflage nicht gesetzt. Damals hieß es, Japan habe eine solches System nicht.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Offen bleibt an der Flucht des früheren Chefs der Autohersteller Renault und Nissan Motor ferner, warum eine schwarze Kiste in Übergröße, die sonst für den Transport von Audiogeräten für Konzerte verwendet wird, am speziellen Terminal für Privatflugzeuge am Flughafen Kansai nicht kontrolliert wurde. Nach Medienberichten wurde Ghosn in der Kiste auf Rollen am Sonntag, dem 29. Dezember aus Japan geschmuggelt. Der 65 Jahre alte Ghosn hatte für die Flucht Hilfe von zwei amerikanischen privaten Sicherheitskräften.

          An Bord des Flugzeugs der türkischen Gesellschaft MNG Jet Havacilik befanden sich als gemeldete Passagiere Michael Taylor und George Zayek. Taylor war früher Mitglied einer amerikanischen Einheit von Spezialkräften. Er hat unter anderen Entführte aus dem Ausland gerettet und saß wegen Bestechung im Gefängnis. Taylor und Zayek haben enge persönliche Bindungen in den Libanon. Ghosn ist in Japan unter anderem wegen vermuteter Veruntreuung angeklagt.

          Nur Aufnahmen von der Ankunft im Hotel

          Seit November 2018 lebt er in Untersuchungshaft oder unter Kautionsauflagen in begrenzter Freiheit. Er bestreitet die Vorwürfe. Mehr als eine Woche nach der Flucht ergeben Medienberichte ein Bild, wie Ghosn aus Japan floh. Überwachungskameras zeigen, dass er am 29. Dezember gegen 14.30 Uhr ohne Begleitung sein Haus in Tokio verließ. Nissan hatte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auf Druck der Verteidiger Detektive abgezogen, die Ghosn überwachten.

          Eine Kontrolle durch die Staatsanwaltschaft gab es offenbar nicht. 800 Meter entfernt traf Ghosn sich an einem Luxushotel mit zwei Personen. Gemeinsam bestiegen sie einen Shinkansen-Zug und fuhren drei Stunden lang nach Osaka. Nach den Kautionsbedingungen durfte Ghosn bis zu drei Tage ohne Genehmigung in Japan reisen. Wenig später erreichten die drei ein Hotel in der Nähe des Kansai International Airport.

          Zwei Stunden später verließen die beiden Männer das Hotel und hatten zwei große schwarze Boxen dabei. Von Ghosn gebe es nur Aufnahmen von der Ankunft in dem Hotel, berichtet der Sender NHK. Die beiden Männer checkten am Kansai-Flughafen ein. Gegen 23 Uhr verließ das Privatflugzeug Japan Richtung Türkei. Stunden später am Flughafen in Ankara wechselte Ghosn in ein anderes Privatflugzeug der Fluggesellschaft MNG Richtung Beirut, ohne dass in der Türkei eine Ein- und Ausreise registriert wurde.

          Die Kontrollen sollen verschärft werden

          Die Gesellschaft geht gegen einen Angestellten vor, der bei der Verschleierung geholfen haben soll. Die Begleiter Ghosns reisten offiziell in die Türkei ein und flogen mit einem anderen Flugzeug nach Beirut. Ghosn soll am Montag am Flughafen von Beirut von einem libanesischen Regierungsvertreter empfangen worden sein, berichten Medien. Danach hätten Teile der Regierung von seiner Ankunft gewusst. Die Regierung in Beirut bestreitet aber, in die Flucht verwickelt zu sein.

          Auch bestritten werden Berichte, wonach Ghosn sich nach der Ankunft mit dem libanesischen Präsidenten getroffen haben soll. Ghosns Flucht wurde laut „Wall Street Journal“ von einem Team von zehn und 15 Mitarbeitern vorbereitet und soll Millionen Dollar gekostet haben. Japans Justizministerin Masako Mori kündigte an, die Sicherheitskontrollen an Flughäfen zu verschärfen. Erwogen würden auch elektronische Fußfesseln für auf Kaution Freigelassene.

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