https://www.faz.net/-gqe-aie60

Deutsche-Bank-Chefaufseher : Erstmal eine Zigarre

Der Niederländer Alex Wynaendts, 61, soll im Mai Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank werden. Bild: dpa

Alex Wynaendts soll der Deutschen Bank Orientierung geben. Der Ingenieur kommt aus einer alten niederländischen Familie und spricht sechs Sprachen. Sein Vater war Diplomat und wäre in den Neunzigern auf dem Balkan fast erschossen worden.

          4 Min.

          Wer sich das vergangene Jahrzehnt der Deutschen Bank ansieht, könnte sich durchaus fragen, wer sich den Job als oberster Aufseher in der skandalgebeutelten Bank überhaupt noch antun will. Aber Alexander „Alex“ Wynaendts ist kein Mann, der zu überhasteten Entscheidungen neigt. Als die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 auch den Versicherungskonzern Aegon erfasste und der Druck auf die Führungsriege enorm wurde, fuhren der damals frisch gekürte Vorstandsvorsitzende Wynaendts und Finanzvorstand Jos Streppel gemeinsam in den Wald, rauchten eine Zigarre und gingen so lange spazieren, bis sie eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen hatten. „Alex ist niemand, der sich wie ein Diktator aufführt. Er wägt alle Optionen ab, bevor er eine Entscheidung trifft. Und er funktioniert unter Druck genauso gut wie ohne“, erinnert sich Streppel.

          Alexander Wulfers
          Redakteur in der Wirtschaftsredaktion.

          Ob Wynaendts nächster Schritt die richtige Entscheidung für die Deutsche Bank ist, muss sich noch zeigen. Der Bank ist mit seiner Nominierung zum Aufsichtsratsvorsitzenden jedenfalls eine Überraschung geglückt. Der 61 Jahre alte Niederländer soll im Mai 2022 Paul Achleitner ablösen. Damit hat sich der in der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Manager gegen eine Reihe prominenterer Kandidaten durchgesetzt, deren Namen zuletzt kursierten, darunter der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer,und Bayer-Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann. Für die deutsche Versicherungsbranche ist Wynaendts derweil keineswegs ein Unbekannter: Allianz-Aufsichtsratschef Michael Diekmann kennt ihn gut aus gemeinsamer Arbeit in internationalen Gremien, er hat die Nominierung ausdrücklich begrüßt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Umrüsten: Auch Berlin-Schöneberg braucht bald mehr Wärmepumpen.

          Quasi-Pflicht : Der teure Wärmepumpen-Hype

          Mit den neuen Heizungen soll alles besser werden – effizienter und grüner in jedem Fall. Doch viele Gebäude sind dafür überhaupt nicht geeignet. Was die Kosten des Heizens betrifft, warnen Fachleute vor einer bösen Überraschung.
          Viele Menschen fühlen sich isoliert und einsam. Die Pandemie schränkt das Leben zu stark ein.

          Allensbach-Umfrage zu Corona : Das Gefühl, in einer Endlosschleife festzuhängen

          Eine Mehrheit in Deutschland meint, Corona habe die Gesellschaft zum Schlechteren verändert. Lediglich jeder Vierte geht davon aus, dass sich 2022 das Leben wieder normalisiert. Der Anteil derjenigen, die bereit wären, gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren, wächst.