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WHO-Fachmann : „Die Tabakindustrie verführt die Kinder“

Ein Werbeplakat für die E-Zigarettenmarke My Blu Bild: Picture-Alliance

Der Bundestag berät über ein fast vollständiges Tabakwerbeverbot. Rüdiger Krech, WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, findet das überfällig. Und er erklärt, warum Alkoholwerbung nicht verboten werden müsse.

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          Deutschland will Tabakwerbung fast vollständig verbieten. Finden Sie das richtig?

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ja, das wird ein guter Tag, wenn Deutschland das verabschiedet. Das Werbeverbot ist Teil der Tabakkonvention, die Deutschland ratifiziert hat. Das ist gut und richtig, dass Deutschland das tut, wenn auch etwas verspätet.

          Wie lang ist denn die Verspätung?

          Die Tabakkonvention ist 15 Jahre alt. Deutschland war von Anfang an dabei.

          Bringt das Werbeverbot denn überhaupt etwas?

          Ja, absolut, das ist ein wichtiger Bestandteil der Tabakkontrolle, die aus verschiedenen Instrumenten zusammengesetzt ist. Dazu gehört, dass man rauchfreie Umgebungen schafft, wie das Rauchverbot in Restaurants und Kneipen. Oder dass man die Tabakwerbung insgesamt verbietet. Es soll keine Unterstützung und kein Sponsoring etwa von Sportvereinen durch Tabakunternehmen geben. Dazu gehört auch, dass man die Steuern erhöht und Warnungen auf die Packungen druckt. Das ist ein Gesamtpaket.

          Es soll also niemand mehr rauchen?

          Ja, das ist das Ziel. 75 Prozent aller nicht übertragbaren Erkrankungen könnten vorgebeugt werden. Ein Viertel aller Krebstoten sind auf Tabakkonsum zurückzuführen. Das ist nicht hinnehmbar, wenn sie sich anschauen, welche Kosten das im Gesundheitssystem verursacht. Das schadet der Volkswirtschaft auch durch größere Fehlzeiten. Es gibt einen großen wirtschaftlichen Vorteil, wenn man die Zahl der Raucher auf null bringt.

          Aber ist das nicht die freie Entscheidung der Menschen, ob sie nun rauchen wollen oder nicht?

          Die Menschen müssen gut informiert sein. Die gesunden Entscheidungen sollen die leichteren sein. Es ist Aufgabe von Regierungen, dass man Strukturen so gestaltet, dass sie gesundheitsfördernd sind. Wir nennen das Health Literacy. Es geht um das Wissen.

          Raucher sind also dumm?

          Das will ich nicht sagen. Sie treffen eine ungesunde Entscheidung, die tödlich sein kann. Aber die Strukturen müssen so gestaltet sein, dass sie ein solch riskantes Verhalten nicht fördern, sondern erschweren.

          Werbefachleute sagen, davon profitieren vor allem die Konzerne, weil kleine Anbieter keine Chancen mehr haben. Schützt die WHO damit die Marktführer?

          Nein. Jeder Tabak schadet. Tabak ist eine toxische Substanz. Das Werbeverbot betrifft alle Industriezweige. Wir sind gegen Tabak insgesamt. Da wird niemand gefördert oder geschützt.

          Auch E-Zigaretten sind betroffen. Finden Sie das gut?

          Ja, auf jeden Fall. Das ist eine gute Sache, dass die dann ab 2023 auch nicht mehr werben dürfen. Denn was passiert? Schauen sie sich die Geräte an, die für die E-Zigaretten verwendet werden. 98 Prozent aller Geräte sind manipulierbar. Nur 2 Prozent sind wirklich geschlossene Systeme. Sie können jederzeit manipulieren, was sie da reintun, wie viel Nikotin etwa. Und die Tabakindustrie hat eine breite Palette an Geschmacksrichtungen entwickelt. Die Tabakindustrie zielt auf unsere Kinder und Jugendlichen ab. Wir sehen einen Anstieg von E-Zigaretten in Amerika um das Zehnfache. In Polen rauchen 23 Prozent der Jugendlichen E-Zigaretten. Das ist ein neuer Markt mit immer neuen Geschmacksrichtungen, der Markt wird überschwemmt. Das ist ganz klar nicht ein Mittel, um dem Rauchen abzuschwören, sondern um neue Raucher anzuwerben. Das ist wirklich besorgniserregend.

          Die Hersteller der E-Zigaretten sagen, ihre Produkte seien weniger schädlich. Stimmt das?

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