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Whistleblowing-Report 2021 : „Viele Unternehmen sind nicht ausreichend vorbereitet“

Wertvoller Hinweisgeber oder Unruhestifter? In Deutschland haftet dem Whistleblower häufig ein negatives Image an. Bild: dpa

Meldungen von anonymen Hinweisgebern in Unternehmen zu fördern, gilt als neue Wunderwaffe gegen Korruption und illegales Verhalten. Doch bis dafür überall die Bedingungen geschaffen werden, ist es noch ein weiter Weg.

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          Die Enthüllungen der früheren Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen sind ein globales Ereignis. Im Fernsehen und per Livestream sind die Ausführungen der Whistleblowerin über Missstände und unethisches Verhalten beim amerikanischen Tech-Konzern für jeden verfügbar. Gleiches gilt für die „Pandora Papers“, ein riesiges Datenleck, das die Geschäfte von Politikern und wirtschaftlichen Eliten in Steueroasen offenlegt. Seit Sonntag versorgen Investigativjournalisten die Öffentlichkeit mit immer mehr Informationen – die es ohne einen Hinweisgeber so nicht gegeben hätte.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Realität für Hinweisgeber ist selten so glamourös. Ihnen haftet das Image des Unruhestifters und Petzers an. Deckt ein Mitarbeiter Missstände oder Straftaten im eigenem Unternehmen gegenüber Behörden oder der Öffentlichkeit auf, darf er nicht automatisch mit Lob und Anerkennung rechnen. Wegen des im Raum stehenden Verrats von Geschäftsgeheimnissen droht manchem Whistleblower die Kündigung, Schadenersatzklagen oder gar ein Strafverfahren. In vielen EU-Mitgliedsstaaten ist der Schutz für Hinweisgeber nicht gesetzlich geregelt, in Deutschland ist ein Gesetz in diesem Sommer gescheitert.

          Meldung in jedem dritten Betrieb

          Welche Mammutaufgabe auf den Gesetzgeber und Unternehmen wartet, zeigt der am Mittwoch in München präsentierte Whisteblowing Report 2021. Eine repräsentative Umfrage der Fachhochschule Graubünden unter mehr als 1200 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz legt die große Verunsicherung in der Wirtschaft offen. Der „Whistleblowing-Report“ liegt der F.A.Z. vorab vor.

          Jedes dritte Unternehmen meldete für das vergangene Jahr ein illegales oder ein unethisches Verhalten, also einen Verstoß gegen seine eigenen internen Verhaltensregeln, den eigenen „Code of Conduct“. In Deutschland haben 63,2 Prozent der befragten Unternehmen eine Meldestelle eingerichtet. Damit liegt man hinter Großbritannien, wo das in drei Viertel aller Unternehmen der Fall ist. 

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          Dabei zeigt die Tendenz, dass Großkonzerne und international tätige Unternehmen häufiger von Missständen betroffen sind. Deutlich seltener ist das laut Bericht bei Schweizer Konzernen der Fall. Kommt es hier aber zu einem Verstoß oder einer Straftat, liegt der finanzielle Schaden deutlich höher als in den anderen Ländern.

          Hoher Aufwand für 50.000 Unternehmen

          Im Gegensatz zu den früheren Studien haben die Forscher auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie einbezogen und sich auf Auswirkungen der EU-Whistleblowing-Richtlinie konzentriert. Denn für 50.000 Unternehmen in der EU, davon alleine 17.000 in Deutschland, dürften interne Meldestellen bald eine Notwendigkeit werden.

          Darauf weist Achim Weick, Gründer und EQS-Chef, in seiner Eröffnungsrede auf dem Europäischen Kongress für Compliance und Ethik (ECEC) hin, in dessen Rahmen der Bericht vorgestellt wird. Der Informationsdienstleister aus München bietet Unternehmen Kapitalmarkt- und Investorinformationen an und unterstützt Unternehmen auch in der Umsetzung interner Hinweisgebersysteme.

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