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Umfassende Untersuchung : Whistleblower haben es in Deutschland immer noch schwer

Edward Snowden ist einer der berühmtesten Whistleblower. Bild: AFP

Hinweisgeber zur Aufklärung von Missständen können Schaden für Finanzen und Reputation von Unternehmen abwenden. Warum verzichten dann so viele Unternehmen auf entsprechende Meldesysteme?

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          Siemens und MAN haben nach Aufdeckung ihrer Korruptionsfälle Hotlines eingerichtet, um Mitarbeitern einen Weg zu eröffnen, anonym Hinweise auf Missstände im Unternehmen geben zu können. Diese Maßnahmen waren ein wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen Unregelmäßigkeiten. Geradezu zur Ikone der internationalen Whistleblower-Gemeinde ist der einstige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden geworden, der mit seinen Informationen über die Arbeitsweise des amerikanischen Geheimdienstes für Furore sorgte.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Auch Hinweisgeber in der längst nicht abgeschlossenen Diesel-Affäre und oder das Durchstechen von Steuerunterlagen aus Panama lösten Erschütterungen aus. Etabliert haben sich Hinweisgeber-Systeme in Wirtschaft und Unternehmen aber längst nicht – dabei ist deren Wirksamkeit unbestritten.

          Denn in knapp 40 Prozent der Unternehmen treten Missstände jedweder Art auf; dabei geht es entweder um das Fälschen von Finanzzahlen, Korruption, Wirtschaftsspionage, Betrug, Diebstahl, Unterschlagung, Mobbing oder auch sexuelle Belästigung. Nicht selten kommen dabei Schäden von mehr als 100.000 Euro zum Vorschein. Telefon-Hotlines, Internet-Meldeportale, E-Mail, mobile Apps oder – altmodisch – Fax und Brief als Informationskanal nutzen aber nur 59 Prozent kleinerer, mittlerer und großer Unternehmen. Umgekehrt haben also fast die Hälfte immer noch kein System installiert, um ethisches Fehlverhalten zu bekämpfen und Geschäfte wie auch Image sauber zu halten.

          Erkenntnisse der Studie „verallgemeinbar“

          Zu diesen Erkenntnissen ist eine repräsentativen Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft im schweizerischen Chur (HTW) und dem Münchner Informations- und Technologiedienstleister EQS Group gekommen. Es ist die erste Untersuchung in diesem Umfang, die auf einer Umfrage unter 1400 Unternehmen in vier europäischen Ländern mit Daten für das Jahr 2018 basiert.

          Die Befragten kommen aus dem privaten Sektor, sind aber auch öffentliche Stellen wie Krankenhäuser oder Universitäten. Die Unternehmen sind annähernd zu gleichen Teilen an ihren Hauptsitzen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz befragt worden. Ein Drittel sind kleine und mittelständische Firmen mit eine Belegschaft ab 20 Mitarbeitern, zwei Drittel entfällt auf Großunternehmen ab 250 Beschäftigten.

          Der an diesem Mittwoch veröffentlichte „Whistleblowing-Report 2019“ ist für den Projektleiter Christian Hauser von der HTW „verallgemeinbar“, also damit aussagekräftig für die Wirtschaft in den vier Ländern insgesamt. Schon vor zwei Jahren hat es eine Untersuchung gegeben, die sich aber nur auf die Schweiz bezogen hatte. Die aktuellen Ergebnisse, sagt Hauser, würden sich mit denen der früheren Umfrage wie auch mit anderen Studien zum Thema Whistleblowing durchaus decken.

          Deutschland über dem Schnitt

          Danach sind in deutschen Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Anteil von 43 Prozent die meisten Unregelmäßigkeiten aufgetreten; in der Schweiz waren es nur 35 Prozent, Großbritannien (40 Prozent) und Frankreich (38 Prozent) liegen im Ländervergleich im Mittelfeld. Immerhin mussten 17 Prozent aller Betroffenen Schäden von mehr als 100.000 Euro hinnehmen. Wenig überraschend, sind vor allem große Unternehmen, die zudem international aufgestellt sind, von Unregelmäßigkeiten betroffen.

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