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Kurz vor Börsengang : Wework-Mitgründer tritt zurück

Bis vor ein paar Wochen galt seine Macht in dem Unternehmen als sicher: Wework-Mitgründer Adam Neumann Bild: Reuters

Der Bürovermittler entmachtet seinen Mitgründer Adam Neumann. Jetzt könnte er vor tiefen Einschnitten stehen. Und der Börsengang ist ungewiss.

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          Es ist ein schneller und tiefer Fall: Adam Neumann wird mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des von ihm mitgegründeten Bürovermittlers Wework niederlegen. Das Unternehmen zieht damit Konsequenzen aus den seit Wochen andauernden Negativschlagzeilen um sich und Neumann, die schon dazu geführt haben, dass es seinen geplanten Börsengang vorerst gestoppt hat. Neumann sagte in einer Mitteilung, die Turbulenzen um seine Person seien zu einer „erheblichen Ablenkung“ geworden, deshalb habe er entschieden, dass es im besten Interesse des Unternehmens sei, wenn er zurücktrete.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Neumann wird nicht nur den Vorstandsvorsitz abgeben. Er wird auch die mehrheitliche Kontrolle über das Unternehmen verlieren. Er hält privilegierte Aktien, die noch bis vor wenigen Wochen jeweils 20 Stimmrechte hatten. Als Zugeständnis hatte Wework schon vor etwas mehr als einer Woche angekündigt, dies auf zehn Stimmrechte zu reduzieren, womit Neumann aber noch immer eine Mehrheit gehabt hätte. Nun sollen seine Aktien nur noch drei Stimmrechte haben, womit er künftig lediglich eine Minderheit kontrollieren würde. Die Aktien, die Wework beim Börsengang ausgeben wollte, hätten jeweils ein Stimmrecht gehabt.

          Bis vor wenigen Wochen saß Neumann sicher im Sessel

          Auf dem Vorstandsvorsitz soll Neumann zumindest vorerst von einer Doppelspitze ersetzt werden. Die Aufgabe sollen sich der bisherige Finanzvorstand Artie Minson und der bisherige Vize-Chairman Sebastian Gunningham teilen. Wie die „New York Times“ schreibt, ist das womöglich nur eine Übergangskonstruktion, und das Unternehmen will nach einem permanenten Vorstandschef suchen. Wework denkt dem Bericht zufolge darüber nach, sich von 4000 bis 5000 seiner zuletzt mehr als 12.500 Mitarbeiter zu trennen. Die beiden neuen Vorstandschefs stellten in einer E-Mail an die Belegschaft „schwierige Entscheidungen“ in Aussicht.

          Neumann wird sich nicht ganz aus dem Unternehmen zurückziehen. Neben seiner Rolle als Großaktionär soll er auch die Aufgabe als Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman) behalten, aber anders als bisher nicht mehr in geschäftsführender Funktion.

          Noch bis vor wenigen Wochen schien Neumanns Machtfülle unantastbar, und der Börsengang seines Unternehmens wurde mit großer Spannung erwartet. Als der Bürovermittler dann aber im August seinen Börsenprospekt vorlegte, war die Resonanz verheerend. Zum Einen warfen die darin veröffentlichten Geschäftsergebnisse Fragen auf, wie es das Unternehmen schaffen will, profitabel zu werden. Zum Anderen gab es Kritik an der aus dem Börsenprospekt hervorgehenden Unternehmensstruktur, die Neumanns großen Einfluss sicherte. Es wurde auch bekannt, dass Wework sich auf eine Reihe fragwürdiger Transaktionen mit Neumann eingelassen hat, die den Eindruck von Interessenkonflikten erweckten. Beispielsweise ist Wework Mieter in Gebäuden, zu deren Eignern Neumann zählt.

          Börsengang könnte sich verzögern

          Nach der Veröffentlichung des Börsenprospekts zeichnete sich schnell ab, dass Wework beim Börsengang nicht annähernd an die Bewertung von 47 Milliarden Dollar herankommen würde, die noch im Januar in einer außerbörslichen Finanzierungsrunde erzielt wurde. Zunächst hieß es, Wework erwäge einen Ausgabepreis, der das Unternehmen mit 20 Milliarden bis 30 Milliarden Dollar bewerten würde, dann war von deutlich weniger als 20 Milliarden Dollar die Rede. Schließlich wurden die Börsenpläne vorerst auf Eis gelegt. Wework hatte zunächst einen Börsengang noch im September angepeilt, nun hieß es, das Debüt solle bis Jahresende stattfinden. Ob es dazu kommt, muss sich noch zeigen. Die beiden neuen Vorstandschefs sagten in einer Mitteilung nur vage, sie wollten den „optimalen Zeitpunkt“ für einen Börsengang ausloten.

          Neumanns Ablösung ist nicht die erste spektakuläre Entmachtung eines Mitgründers vor dem Börsengang eines Unternehmens. 2017 musste Travis Kalanick nach einer Serie von Skandalen als Vorstandsvorsitzender des Fahrdienstes Uber zurücktreten. Unter seinem Nachfolger Dara Khosrowshahi kam Uber in diesem Jahr an die Börse.

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