https://www.faz.net/-gqe-reeo

Wettbewerb : Millionenstrafe der EU gegen Peugeot

  • Aktualisiert am

Illegales Bonussystem bei Peugeot Bild: AP

PSA Peugeot Citroën muß als erster französischer Automobilhersteller ein EU-Bußgeld von 49,5 Millionen Euro wegen Marktabschottung bezahlen. In den Niederlanden sei der grenzüberschreitende Handel behindert worden.

          1 Min.

          Die EU-Kommission hat gegen den französischen Autohersteller Peugeot eine Geldbuße von fast 50 Millionen Euro verhängt, weil der Konzern aus ihrer Sicht sieben Jahre lang den freien Wettbewerb behindert hat.

          Peugeot habe von Januar 1997 bis September 2003 den Verkauf von Neufahrzeugen in den Niederlanden an Bürger aus anderen EU-Staaten behindert, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel. In den Niederlanden sind die Netto-Preise für Neufahrzeuge deutlich niedriger als etwa in Frankreich oder Deutschland. Die Kommission verhängte eine Geldbuße von insgesamt 49,5 Millionen Euro gegen die französische Muttergesellschaft und ihre niederländische Tochter.
          Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte, die Entscheidung sei „ein Signal für die Entschlossenheit der Kommission, Unternehmen mit Hilfe des EU-Wettbewerbsrechts daran zu hindern, den Verbrauchern die Vorteile des Binnenmarktes vorzuenthalten“.

          Die EU-Wettbewerbskontrolleure waren dem Verdacht nachgegangen, daß Händler in den Niederlande angehalten worden sein sollen, ortsfremden Kunden keine Fahrzeuge zu verkaufen. Peugeot Nederland NV habe “gezielt und systematisch versucht“, Händler davon abzuhalten, Fahrzeuge an Kunden aus anderen EU-Staaten zu verkaufen und damit Exporte zu unterbinden, wie es hieß.

          Zu diesem Zweck ersann Peugeot nach Darstellung der Kommission ein Bonussystem. Händlern würde ihre Prämie verweigert, wenn sie Automobile an Kunden verkauften, die ihren Wohnsitz außerhalb der Region haben. Der Rabatt sei vom endgültigen Bestimmungsort des Fahrzeugs abhängig gemacht worden. So mußten Händler einen Meldungsnachweis des Kunden erbringen. Darüber hinaus habe der Automobilbauer „unmittelbaren Druck“ auf jene Händler ausübt, die besonders viele Fahrzeuge exportiert hätten und ihnen gedroht, die Zahl der gelieferten Fahrzeuge zu reduzieren, hieß es weiter.

          Der Entscheidung vorangegangen waren Hausdurchsuchungen in Niederlassungen des französischen Herstellers in Deutschland und den Niederlande, wobei die erste im September 1999 stattfand. Auslöser waren Beschwerden von Verbrauchern, die in den Niederlanden Fahrzeuge zu günstigeren Preisen kaufen wollten.
          Im April 2003 durchsuchten die Beamten dann in einer Folgeaktion die Peugeot-Zentrale in Paris sowie nationale Importgesellschaften und Händlerverbände in den beiden Ländern sowie in Dänemark. Ziel der Kommission war es, Beweise zu finden, dass Peugeot gezielt Kunden aus Hochpreisländern wie Deutschland davon abhalten wollte, Neuwagen in Länder mit niedrigeren Autopreisen wie den Niederlanden oder Dänemark zu kaufen und in ihre Heimat zu importieren.

          Weitere Themen

          Der PC lebt wieder auf

          Acer-Europachef : Der PC lebt wieder auf

          Immer wieder wurde der PC totgesagt. In Corona-Zeiten jedoch reicht vielen das Smartphone nicht mehr aus. Ein Gespräch mit Acer-Europachef Emmanuel Fromont.

          Topmeldungen

          In Verl im Kreis Gütersloh wurde ein Wohnblock abgesperrt und Tests durchgeführt.

          Cluster bei Tönnies : Was wurde aus dem Corona-Ausbruch in Gütersloh?

          Gütersloh war der erste Kreis, in dem wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs eine regionale Einschränkung verhängt wurde. Über die Krankheitsverläufe gibt es nun eine Studie. Entwarnung gibt es noch immer nicht.
          In der Kritik: Der neue Awo-Vorstand Steffen Krollmann liegt über Kreuz mit seinem alten Arbeitgeber.

          F.A.Z. exklusiv : Awo-Dienstwagen für den Ehepartner

          Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt aus. Der neue Awo-Chef muss sich derweil gegen Vorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers zur Wehr setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.