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Wettbewerb (3) : Milliardeninvestitionen in kluge Köpfe

Bild: F.A.Z.

Erfreuliche Nachrichten täuschen über die wahre Lage des Forschungs- und Produktionsstandorts Deutschland im internationalen Vergleich hinweg. Teil 3 der F.A.Z.-Serie über „Deutschland im Wettbewerb“.

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          Für 225 Millionen Euro hat der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riß Europas größte Zellkulturanlage gebaut. Dafür waren bis zu 700 Handwerker täglich im Einsatz. Für Boehringer Ingelheim ist es die bisher größte Einzelinvestition im Unternehmensverband; am Mittwoch ist die Anlage offiziell eingeweiht worden.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Am selben Tag hat das deutsch-französische Pharmaunternehmen Aventis die Einweihung der größten Insulinproduktionsanlage der Welt gefeiert. In den Standort Frankfurt-Höchst hat Aventis seit dem Jahr 2000 mehr als 800 Millionen Euro investiert. Die beiden erfreulichen Nachrichten täuschen aber über die wahre Lage des Forschungs- und wohl auch des Produktionsstandortes Deutschland im internationalen Vergleich hinweg. Dafür ist gerade die Pharmaindustrie ein gutes Beispiel.

          „In der Automobilbranche sind wir absolute Spitze. Wir sind auch im Maschinenbau, in der Elektrotechnik in der Weltspitze. Wir sind nicht mehr gar so gut in der Chemie. Wir sind leider zurückgefallen in der pharmazeutischen Industrie und müssen einiges tun, um neue Impulse zu geben", räumt auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ein. Geht es nach der Industrie, verschlechtert der Staat mit ständigen dirigistischen Eingriffen zur Kostensenkung besonders im Gesundheitswesen die Standortbedingungen in Deutschland aber immer mehr.

          Investieren trotz der Politik

          Das gilt auch für Boehringer Ingelheim am Forschungs- und Produktionsstandort Biberach: „Wir investieren hier trotz der Gesundheitspolitik, entscheidend ist die gute Qualifikation der Arbeitskräfte", sagt Wolfram Carius, der bei als Geschäftsführer bei der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG für die Biopharmazeutika zuständig ist. In anderen Ländern und nicht nur in den Vereinigten Staaten wird deshalb mehr in Forschung und Entwicklung investiert, sowohl von der öffentlichen Hand als auch von Privatinvestoren, auch wenn die Pharmaindustrie ihre Forschungsausgaben in den vergangenen Jahren sogar geringfügig gesteigert hat.

          Das gilt zum Beispiel im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt für Schweden, wo auch Universitäten und Forschungsstätten anerkanntermaßen intensiver zusammenarbeiten als in Deutschland. Die Vereinigten Staaten wiederum betreiben mit viel Geld Industriepolitik. Die "National Institutes of Health" sind in Amerika für die bundesstaatliche Forschungsförderung der Medizin zuständig und hatten 2002 ein Budget von 23 Milliarden Dollar. Der Haushalt des Bundesministeriums für Forschung und Bildung beträgt hingegen insgesamt 8 Milliarden Euro, wovon weniger als 1 Milliarde Euro der Medizin zugute kommen.

          Lob fürs Ländle

          Doch hat Carius für den deutschen Staat nicht nur Kritik übrig. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg sei ausgezeichnet und habe gemeinsam mit dem Wissen der Techniker von Boehringer Ingelheim dazu beigetragen, die Planungs- und Bauzeit für die neue Anlage auf weniger als drei Jahre zu begrenzen. „Und was nützt die tollste Abschreibungsmöglichkeit, wenn man in einem anderen Land fünf Jahre für einen solchen Bau benötigt?" sagt Carius. Hinzu kommt, daß das Land einen neuen Studiengang "pharmazeutische Biotechnologie" an der Fachhochschule Biberach einrichtet, um für Boehringer und andere Unternehmen den Nachschub an gut ausgebildeten Biotechnologie-Fachleuten zu sichern. Der Konzern revanchiert sich indirekt mit zur Zeit 600 Ausbildungsplätzen. Zudem ist die Zahl der Mitarbeiter in der Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika nach den Worten von Carius seit 1998 von rund 300 auf nun 1500 gestiegen. Die neue Anlage schafft allein mehr als 400 neue Arbeitsplätze.

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