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WestLB : Die LBBW positioniert sich für die Übernahme

  • -Aktualisiert am

Die Vorbereitungen für die Fusion mit der WestLB laufen: LBBW in Stuttgart Bild: picture-alliance/ dpa

Das hätte vor einigen Jahren kaum jemand gedacht: Um die LBBW herum könnten sich die Landesbanken sammeln. Schon fürchten die Standorte Mannheim, Mainz und Karlsruhe Nachteile, wenn die LBBW mit der WestLB fusioniert.

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          Während auf der großen Bühne noch um die Fusion der WestLB mit der LBBW gerungen wird, geht es auf örtlicher Ebene bereits um die Sicherung von Einfluss, Standorten und Arbeitsplätzen. In Mannheim und Karlsruhe sowie in Mainz hegt man Befürchtungen, ins Hintertreffen zu geraten, wenn es zur Fusion der beiden Landesbanken kommt.

          In Mannheim und Karlsruhe hat die LBBW aus der Historie der 1999 entstandenen Landesbank heraus noch einen Konzernsitz und jeweils rund 500 Beschäftigte. In Mainz ist der Sitz der 1500 Mitarbeiter starken Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), die wiederum eine Tochtergesellschaft der LBBW ist. „Man kann sich leicht ausmalen, dass nach einer Fusion nur noch Stuttgart und Düsseldorf Konzernsitze sein werden, aber nicht mehr Mannheim und Karlsruhe - und übrigens auch nicht mehr der zweite West-LB-Sitz Münster“, urteilt ein LBBW-Manager.

          Mannheim fürchtet die Zweitklassigkeit

          In Mannheim ist die Nervosität besonders groß. Viele Mannheimer sind ohnehin schon sauer, wenn sie an Stuttgart denken, denn der Autokonzern Daimler-Chrysler ignoriert seine Wurzeln. In Mannheim wurde das Auto erfunden, geben die Lokalpatrioten im Gedenken an Carl Benz zu bedenken und verübeln Konzernchef Dieter Zetsche, dass er den Aktionären „Daimler AG“ als neuen Namen vorschlagen will, statt zu Daimler-Benz zurückzukehren.

          Mannheim fürchtet die Zweitklassigkeit: das Schloss, heute Sitz der Universität

          Wenn nun am Konzernsitz der LBBW in Mannheim gerüttelt wird, verstärkt das noch den Unmut. LBBW-Chef Siegfried Jaschinski hat bereits Post aus dem Mannheimer Rathaus bekommen, genauso wie der LBBW-Verwaltungsratsvorsitzende Peter Schneider und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU).

          Die Stadt will das internationale Geschäft behalten

          Die Funktionsträger werden gebeten, „in den Fusionsverhandlungen dafür einzutreten, dass auch bei einem fusionierten Institut ein Vorstandsmitglied seinen Sitz in Mannheim hat und die hiesigen Arbeitsplätze gesichert werden“. Mannheim gehe davon aus, dass eine Fusion mit der WestLB eine regionale Schwerpunktbildung eher noch verstärken werde, heißt es in einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt.

          Derzeit hat die LBBW das internationale Geschäft in Mannheim konzentriert, mit Peter Kaemmerer als zuständigem Vorstand. Kaemmerer kümmert sich auch um die wichtigsten Kunden der LBBW, die mittelständischen Unternehmen - was ihm in der Region viel Anerkennung einbringt.

          Karlsruhe macht schon Lobbying

          In Karlsruhe, wo die LBBW historisch bedingt ebenfalls einen Sitz hat, gab es ebenfalls schon erste Kontakte zwischen Stadt, LBBW und Politik. Über Inhalte ist nichts bekannt, doch die Befürchtungen dürften die gleichen wie in Mannheim sein: Wo keine politisch unterlegte Verpflichtung zur Aufrechterhaltung von Konzernfunktionen mehr existiert, ist die Präsenz der Bank ausschließlich mit dem Kontakt zur örtlichen Wirtschaft zu begründen.

          Weil die Wirtschaft rund um Karlsruhe aber brummt, ist die Sorge vor einem Arbeitsplatzabbau nicht so groß. Außerdem verweist man im Rathaus auf einen repräsentativen Neubau der LBBW, in dem künftig alle LBBW-Abteilungen, die derzeit noch in Büros in der Stadt verteilt sind, zusammengefasst werden.

          Stuttgart will die Wogen glätten

          Bei der LBBW ist man derweil bemüht, Ängste gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dazu wird die Tochtergesellschaft LRP als Musterbeispiel angeführt. Nach der Übernahme im Jahr 2005 wurden zwar 200 Arbeitsplätze im sogenannten Back-Office gestrichen, dort, wo die Kunden es nicht merken. Doch dieser Stellenabbau wurde durch die Stärkung des Vertriebs ausgeglichen.

          Die Abgrenzung der Aktivitäten zwischen LBBW und LRP ist recht detailliert geregelt, sagt ein Sprecher der LRP. So kümmert sich Mainz beispielsweise um die Vermögensberatung institutioneller Investoren, das Privatkundengeschäft in Luxemburg und das Immobiliengeschäft in Frankreich. Die LRP positioniert sich denn auch als „die westeuropäische Regionalbank“. Konflikte mit Abteilungen der WestLB sind hier jedoch schon absehbar.

          Mainz fühlt sich gut behandelt

          „Per saldo wurden wir ganz gut behandelt von der LBBW“, heißt es in Mainz, Genau diesen Eindruck versucht die LBBW zu erwecken, um weitere potentielle Partner nicht abzuschrecken, etwa die Sachsen LB, die dringend bei einer anderen Bank Unterschlupf suchen muss. Über Synergieeffekte, die eine Fusion mit der WestLB und möglicherweise die Übernahme weiterer Banken bringen könnten, wird in Stuttgart offiziell nichts gesagt.

          Lautlos kopfnickend bestätigt werden Berechnungen über einen möglichen Stellenabbau, kommentiert wird das Thema nicht. Spätestens wenn die typischen Konzernfunktionen zusammengeführt werden, könnten Tausende Arbeitsplätze abgebaut werden, hat man in Stuttgart ausgerechnet. Die Zahl birgt Sprengstoff, das ist Politikern ebenso wie Betriebs- und Personalräten bewusst: „In Düsseldorf und Münster allein wird man die Stellen nicht abbauen.“

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