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Familienunternehmen : Westdeutscher Einfluss auf Betriebe im Osten schrumpft

  • Aktualisiert am

Produktionsarbeiter stehen in einem Betrieb in Dresden an einer Abwickelanlage für Solarfolien. Bild: ZB

Als die Treuhand nach der Deutschen Einheit die staatlichen Betriebe privatisierte, kamen häufig westdeutsche Unternehmer zum Zug. Wie sieht die Lage 30 Jahre später aus?

          Der Einfluss westdeutscher Eigentümer auf ostdeutsche Familienunternehmen ist einer Studie zufolge deutlich zurückgegangen. Zuletzt hatten noch bei einer von zehn solcher Firmen mit mindestens 250 Beschäftigten ausschließlich westdeutsche Unternehmer das Sagen, wie aus Berechnungen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervorgeht. Im Zuge der Privatisierungswelle durch die Treuhand waren es im Jahr 1993 in dieser Kategorie demnach noch 40 Prozent, im Jahr 2001 lag der Anteil noch bei einem Drittel.

          Bei kleineren Betrieben, die den Großteil aller Familienunternehmen im Osten ausmachen, war der Anteil westdeutscher Eigentümer von Beginn an viel geringer. Die Studie untersuchte mit Blick auf den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution die Entwicklung von Familienunternehmen im Osten, klammerte Berlin allerdings aus.

          Studienmacher wie Auftraggeber definieren Familienunternehmen so, dass eine kleine Gruppe Menschen, die nicht zwingend verwandt sein müssen, einen Betrieb kontrolliert. Aber auch klassische Einzelunternehmen fallen in die Kategorie. Nach dieser Definition ist der Anteil von Betrieben, in denen Familien das Sagen haben, nirgendwo in Deutschland so hoch wie in Thüringen (93 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 92 Prozent). Zum Vergleich: In Berlin sind demnach 85 Prozent der Betriebe in Familienhand, in Hamburg 81 Prozent. Am geringsten ist der Anteil mit 79 Prozent in Bremen.

          Unternehmensnachfolge schwierig

          Das liege auch an der DDR-Vergangenheit, schreiben die Autoren des ZEW. Im Osten seien die meisten Unternehmen erst nach 1990 gegründet worden und deshalb vergleichsweise jung. „Sie hatten weitgehend noch nicht die Zeit zu wachsen.“ Gerade Klein- und Mittelständler seien jedoch im besonderen Maße in Familienhand.

          Einige Unternehmen wuchsen aber doch: Der Anteil der Familienbetriebe im Osten mit mehr als 500 Beschäftigten sei zwischen 1993 und 2017 von 7 auf 18 Prozent gestiegen. Das sei der gleiche Anteil wie im Westen Deutschlands. Allerdings sind die Top-Player nach wie vor auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik zu finden, wie eine Sprecherin der Stiftung Familienunternehmen einräumte. In einem Ranking der 500 größten Familienunternehmen ist Brandenburg überhaupt nicht vertreten; Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern jeweils einmal und Sachsen zweimal.

          Die Studie nennt das „verbliebene Strukturunterschiede“. Ihr Fazit lautet: „Im Zeitverlauf der nunmehr drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall nähert sich die Zusammensetzung der Gesamtheit der Familienunternehmen in den neuen Bundesländern mehr und mehr der Situation im ehemaligen Westdeutschland an.“

          Allerdings zeigen die Autoren in ihrer Analyse auch ein deutliches Auseinanderdriften auf, wenn es um die Gesamtzahl aller Unternehmen geht: Seit der Wirtschaftskrise 2008 geht sie in Ostdeutschland deutlich stärker zurück als im Westen; nur in Berlin geht es stetig aufwärts. Ob dieser Trend verhindert, dass die Strukturunterschiede von Familienbetrieben in Ost und West auch in Zukunft weiter schwinden, ließ die Studie ebenso offen wie die Stiftung selbst.

          Denn gerade Familienunternehmen leben davon, dass ihre Chefs einen Nachfolger finden – im besten Fall aus dem direkten Umfeld. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerungszahl in den ostdeutschen Flächenländern beklagen viele Wirtschaftsvertreter, dass die Unternehmensnachfolge in vielen Fällen nicht gelingt.

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