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West LB : Zurück zu den Wurzeln

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Die Zukunft der West LB ist ungewiss Bild: dpa

Keine Atempause für die West LB: Nach der Vorlage der Sanierungskonzepte für die Krisenbank liegt das Schicksal der angeschlagenen Landesbank nun in den Händen der Europäischen Kommission. Nur als Verbundbank der Sparkassen hat die West LB eine Überlebenschance. Eine Analyse von Werner Sturbeck.

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          Das Schicksal der West LB liegt nun in den Händen der Europäischen Kommission. In letzter Minute verständigten sich Vertreter der Eigentümer der angeschlagenen Landesbank – Sparkassenorganisation und Land Nordrhein-Westfalen – mit dem Bund auf drei Varianten für die Neuausrichtung der West LB. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia soll nun die Option aussuchen, die er für angemessen hält, um die Vorteile einer unzulässigen staatlichen Beihilfe von 3,4 Milliarden Euro zu kompensieren.

          Bis das Ergebnis des mehrtägigen Ringens fristgerecht in Brüssel vorgelegt wurde, hatte es tagelang so ausgesehen, als stünde die West LB kurz vor der Liquidierung. Nun dürfte das hektische Lavieren und Streiten erst einmal beendet sein. Die Zukunft der Landesbank ist heute freilich so ungewiss wie gestern. Der gordische Knoten ist noch nicht durchschlagen. Es gibt zwar nun unter den Varianten auch den wohl aussichtsreichsten Vorschlag, das Geschäftsmodell auf die klassischen Aufgaben eines Finanzdienstleisters für die Sparkassen zu reduzieren, also zu den Wurzeln der Bank zurückzukehren. Aber zur Aufteilung der Kosten ist keine belastbare Absprache bekannt.

          Drei Möglichkeiten stehen zur Wahl: Verkauf, Verkleinerung und Zerschlagung

          Mithin wird also der Kommission die Entscheidung über das künftige Format der West LB überlassen und der Streit über die Lastenaufteilung nur vertagt. Die Brüsseler Wettbewerbsaufsicht hat nun ein halbes Jahr Zeit zum Sichten und Werten der Unterlagen. Doch um der Sorgen der noch 4700 Beschäftigten willen wäre es gut, wenn Almunia bald zumindest einen Anhaltspunkt für die zu erwartende Entscheidung gibt.

          In Brüssel stehen drei Möglichkeiten zur Wahl: Verkauf, Verkleinerung und Zerschlagung. Dass der Verkauf der West LB als Ganzes wohl die unwahrscheinlichste Lösung ist, dürfte der Kommission klar sein. Denn die West LB konnte bisher noch nicht einmal die Auflage zum Verkauf der mit Ertrag arbeitenden Immobilien-Tochtergesellschaft erfüllen. Waren doch die bisher von Finanzinvestoren gebotenen oder besser: geforderten Konditionen „teurer“ als eine Abwicklung der West-Immo. Beim West LB-Konzern mit wesentlich kritischeren Risiken dürfte das nicht leichter sein.

          Das zweite Modell, die drastische Verkleinerung der Bank um ein Drittel über die von der Kommission geforderte Halbierung der Bilanzsumme auf 140 Milliarden Euro hinaus, setzte das seit Jahren anhaltende Siechtum der West LB lediglich fort. Die Bank hat in den Krisen des vergangenen Jahrzehnts viel Vertrauen verspielt und Ertragsquellen verloren. Zwar enthält dieser Restrukturierungsvorschlag auch das Angebot, das verbleibende Geschäft in vier Teilbetriebe aufzuspalten. Aber wenn man dieses Konzept weiter denkt, läuft die Teilung letztlich auf die dritte Variante hinaus: die Schaffung einer Sparkassen-Verbundbank.

          Die Protagonisten sehen in der Minimallösung einer Verbundbank ein Sicherheitsnetz für den Fall, dass die EU-Kommission mit den beiden anderen Modellen nicht einverstanden ist. Für die Kommission ist dies eine Steilvorlage. In der überbesetzten Landesbankenszene hat sich die Düsseldorfer Bank schon in den neunziger Jahren selbst überflüssig gemacht. Nach dem gescheiterten Versuch, die zentrale deutsche Landesbank zu werden, wollte sie damals im Einvernehmen mit der Landesregierung die Dresdner Bank von Platz zwei in der Kreditwirtschaft verdrängen. In diesem enormen Wachstums- und Internationalisierungsprozess vernachlässigte sie sträflich ihren Auftrag als Finanzdienstleister für die Eigentümer Land und Sparkassen. Damit verwirkte die West LB auch die Berechtigung günstiger Refinanzierungskonditionen durch die Rückendeckung der öffentlichen Hand. Zu Recht erstritt Brüssel die Abschaffung der damit verbundenen Wettbewerbsvorteile. Danach ging es mit der West LB steil bergab.

          Warten wäre keine Lösung

          Die Eigentümer scheuen die mit der Liquidierung verbundenen Kosten für den Personalabbau, die Beteiligungsabschreibungen und die mit der Abwicklung anfallenden Belastung. Nach Verrechnung mit den am Ende sicher auch anfallenden Abwicklungsgewinnen dürfte vor allem auf das Land Nordrhein-Westfalen als Miteigentümer ein hoher einstelliger Milliarden Euro-Betrag zukommen. Aber weiteres Zuwarten wäre keine Lösung. Die schwache Ertragskraft der Bank lässt nicht erwarten, dass eine verzögerte Abwicklung günstiger käme.

          Die Verantwortlichen haben in der neuerlichen Krise einmal mehr den radikalen Schritt gescheut und die Entscheidung der Kommission überlassen. Sie sollte nun zügig das Verbundbank-Modell aufgreifen. Hier würde die gesamte Sparkassenorganisation einen kleineren Beitrag zum erforderlichen Eigenkapital der neuen Verbundbank beisteuern. Zwar hat die West LB nach langer Irrfahrt noch Bedarf, dieses Dienstleistungsgeschäft für die Sparkassen und ihre Kunden zu perfektionieren. Aber auf lange Sicht ist dies wohl der einzige erfolgversprechende Ansatz, um den vollständigen Untergang abzuwehren.

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