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West-LB-Chef im Interview : „Der Arbeitsplatzabbau wird weitergehen“

  • Aktualisiert am

Bei einer Fusion mit der Bayern LB werden weitere Stellen wegfallen Bild: dpa

Zwei große, schwache Banken zusammenzufügen halten viele für unvorstellbar. West-LB-Chef Dietrich Voigtländer hingegen glaubt, es könnte eine gute Idee sein, mit der Bayern LB zu fusionieren. Klar ist schon: Falls das geschieht, werden Stellen wegfallen.

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          Herr Voigtländer, warum halten Sie es für eine gute Idee, was andere schlicht für unvorstellbar halten: mit Bayern LB und West LB zwei große, schwache Banken zusammenzufügen?

          Es stimmt: In der Vergangenheit ist es oft schon an äußeren Widerständen gescheitert, in der Landesbankenlandschaft Änderungen herbeizuführen. In unserem Fall aber ist vieles anders gelaufen. Aus meiner Berufserfahrung weiß ich, dass es zum Erfolg von Fusionen vor allem eines bedarf: der Entschlossenheit von Menschen, die sich aufeinander verlassen können. Der Bayern-LB-Chef Gerd Häusler und ich sind uns einig: Eine Neuordnung der Landesbanken ist schlicht unausweichlich.

          Deshalb lädt der Bundesfinanzminister nun für den 28. September zum Nachsitzen für den Landesbankensektor ein. Ist der Plan von Bayern LB und West LB nicht für diesen Termin gemacht und verläuft danach im Sande?

          Nein. Die Initiative ging von uns beiden Vorstandsvorsitzenden aus. Das ist eindeutig ein betriebswirtschaftliches Projekt, das ergebnisoffen angegangen und von den Landesregierungen unterstützt wird. Deren frühes Einverständnis einzuholen war uns wichtig. Mich stimmt zuversichtlich, dass die Vertraulichkeit der Gespräche so lange gewahrt werden konnte. Es wird nicht mehr wie in der Vergangenheit nach Gründen gesucht, warum es nicht klappen könnte, sondern nach solchen, warum eine Fusion erfolgreich sein könnte. Gerd Häusler und ich haben uns Gedanken gemacht über Chancen und Risiken eines Zusammengehens von Bayern LB und West LB. Wir sind überzeugt, dass die Chancen überwiegen und die Risiken beherrschbar sind. Wenn wir aber irgendwann zum Ergebnis gelangen sollten, dass die Risiken unkalkulierbar sind oder überwiegen, dann werden wir das Projekt stoppen.

          Dietrich Voigtländer
          Dietrich Voigtländer : Bild: dpa

          Die Bayern LB hat gerade im zweiten Quartal wegen ihres Osteuropa-Geschäfts wieder Verlust gemacht. Schrecken Sie diese Risiken nicht?

          Wir haben den öffentlich zugänglichen Finanzbericht analysiert. Aber wir werden uns natürlich jetzt genauer gegenseitig in die Bücher schauen. Dabei wird zentral sein: Wie und von wem werden alte Risiken abgeschirmt? Die West LB ist hier weiter als alle anderen Landesbanken, weil wir fristgerecht zum 30. April 2010 rund 77 Milliarden Euro in die erste Abwicklungsanstalt ausgelagert haben. Aber auch die Bayern LB hat intern eine Einheit geschaffen, in der Risiken etwa aus strukturierten Wertpapieren abgearbeitet werden. Ich rechne nicht damit, bei der Bayern LB auf große Risiken zu stoßen.

          Aber anders als bei der West LB, die auf Druck der Europäischen Union früher mit der Sanierung beginnen musste, steht das Beihilfeverfahren und damit die Auflagen der EU für die Bayern LB noch aus.

          Ja, und das will ich auch nicht klein reden. Das ist ein zentraler Punkt. Uns muss gemeinsam gelingen, die EU zu überzeugen, dass wir eine Bank bilden, die nachhaltig ohne Staatshilfen navigieren kann.

          Wie sollen zwei große Brocken ohne Staatshilfe auf dem Kapitalmarkt ihren Refinanzierungsbedarf decken können?

          Beide Banken sind schon geschrumpft, und sie werden weiter schrumpfen müssen. Es geht kein Weg daran vorbei, wenn man schlagkräftig sein will und die knappen Ressourcen Kapital und Liquidität bestmöglich nutzen will.

          Ist das die Logik der Fusion: schrumpfen und Kosten senken?

          Kosten senken bei einer Bankenfusion ist eine Selbstverständlichkeit. Für mich steht auch außer Frage, dass die Kostensynergien gegenüber Ertragssynergien im Vordergrund stehen. Meine bisherige Erfahrung aus vielen Fusionen zeigt, und das wird durch andere Bankenfusionen in Europa bestätigt: 25 Prozent der gemeinsamen Kosten von zwei Fusionspartnern lassen sich in 24 Monaten einsparen. Daran werden wir uns messen lassen.

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