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Wertpapiergeschäfte : Kopper bestreitet Verstoß gegen Insider-Regeln

  • Aktualisiert am

Kopper beteuert seine Unschuld Bild: AP

Hat Hilmar Kopper geldwerte Vorteile aus seiner Rolle als gut informierter Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef gezogen, als Jürgen Schrempp von der Konzernspitze zurücktrat? Der Staatsanwalt ermittelt, Kopper streitet ab.

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          Der Aufsichtsratschef der Daimler-Chrysler AG, Hilmar Kopper, ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. „Wir haben den Verdacht, daß ein Verstoß gegen Insidervorschriften vorliegen könnte“, bestätigte Tomke Beddies, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. „Deswegen haben wir ein Ermittlungsverfahren gegen Hilmar Kopper eingeleitet.“ Auf welchen konkreten Vorwürfen die Ermittlungen beruhen, wollte die Staatsanwältin nicht sagen.

          Nach einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ soll Kopper im vergangenen Sommer seine Kenntnisse über den bevorstehenden Rücktritt von Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp weitergegeben haben, und zwar an den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Ein Verstoß gegen Insidervorschriften könnte allerdings auch dann vorliegen, wenn Kopper die Informationen nicht weitergegeben, sondern zum eigenen Vorteil für Wertpapiergeschäfte genutzt hätte.

          Kopper bestreitet Regel-Verstoß

          Er habe sich keinen Gesetzesverstoß vorzuwerfen, sagte Hilmar Kopper dieser Zeitung. Die Vorwürfe kenne er nur aus der Presse, die Staatsanwaltschaft habe bisher keinen Kontakt zu ihm aufgenommen. Das könnte möglicherweise in Kürze die Staatsanwaltschaft Frankfurt tun, denn dorthin haben die Stuttgarter Ermittler den Fall weitergereicht. „Wir halten Frankfurt für zuständig“, sagte Beddies. Es gebe aber keinerlei Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Deutschen Bank, betonte Beddies, also auch nicht gegen Ackermann. Die Deutsche Bank wollte die Ermittlungen nicht kommentieren.

          Spekulationen über mögliche Insidergeschäfte im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Schrempp waren sofort aufgekeimt, weil der Kurs am 28. Juli, dem Tag der Ankündigung, um rund 10 Prozent nach oben schnellte - und weil die Deutsche Bank diesen Kursanstieg nutzte, um ein Aktienpaket von rund 3,5 Prozent zu verkaufen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nahm Untersuchungen auf, die bis heute noch nicht abgeschlossen sind. „Das Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft beruht jedoch nicht auf einer Anzeige von uns“, betonte Bafin-Sprecherin Anja Neukötter. „Wir haben auch keine Informationen geliefert.“ Im Zusammenhang mit dem Schrempp-Rücktritt habe die Bafin noch keine einzige Anzeige erstattet.

          „Eine Frage des Preises“

          Die Deutsche Bank, traditionsreicher Hauptaktionär des Stuttgarter Autoherstellers, hatte bereits seit langem angekündigt, die Beteiligung abzubauen, wenn der Kurs nur hoch genug steige. Noch am Morgen des 28. Juli hatte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Clemens Börsig, in einer Telefonkonferenz auf routinemäßige Fragen von Analysten bestätigt: „Daimler-Chrysler ist primär eine Frage des Preises.“

          Gegen Mittag, einige Zeit nachdem Daimler-Chrysler den Rücktritt von Schrempp in einer Ad-hoc-Meldung angekündigt hatte und der Kurs entsprechend gestiegen war, verbreitete die Deutsche Bank eine Ergänzung zu den Aussagen ihres Finanzvorstands vom Vormittag. „Die Deutsche Bank hat zur Kenntnis genommen, daß sich der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie verändert hat“, heißt es dort. „Zur Klarstellung bekräftigt die Deutsche Bank ihre bereits früher angekündigte Absicht, bei entsprechendem Markt und wirtschaftlichem Umfeld mit einer Veräußerung von Daimler-Chrysler-Aktien fortzufahren.“ Bis 16 Uhr verkaufte die Bank 35 Millionen Daimler-Chrysler-Aktien und reduzierte den eigenen Anteil an dem Autohersteller von 10,4 Prozent auf 6,9 Prozent. Solch große Transaktionen innerhalb kurzer Zeit abzuschließen sei heutzutage kein Problem, sagt Kopper - eine Einschätzung, die von Marktteilnehmern geteilt wird.

          Den Kritikern des Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschefs geben die Ermittlungen neuen Auftrieb. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre rief Kopper zum Rücktritt auf. „Wir fordern ja schon seit Jahren die Ablösung des Duos Kopper/Schrempp, das für abenteuerliche Entscheidungen verantwortlich ist“, sagte der Sprecher des Dachverbands, Holger Rothbauer.

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