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Werk in Rumänien macht zu : Nokia schließt jetzt auch das Ersatz-Werk für Bochum

2008 wurde ein neues Werk in Cluj gebaut, nun wird es wieder geschlossen Bild: F.A.Z. Henning Bode

Nur drei Jahre nachdem Nokia die Handyproduktion aus dem Werk in Bochum nach Rumänien verlagert hat, wird das Werk geschlossen. 2200 Stellen fallen weg.

          Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia schließt sein Werk für Mobiltelefone im rumänischen Cluj, das erst vor gut drei Jahren gebaut worden war, um die Nokia-Fertigung in Bochum zu ersetzen. Der Umzug hatte in Deutschland damals für erheblichen Unmut gesorgt, auch weil in das Bochumer Werk einst erhebliche Subventionen geflossen waren. Nun läuft die Produktion auch in Rumänien bis zum Jahresende aus. Damit verlieren dort 2200 Mitarbeiter ihre Stelle.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die Nokia-Fabrik war erst 2008 eingeweiht worden. Vorausgegangen war eine Investition von 60 Millionen Euro. In Cluj wurden Handys aus importierten Fertigteilen zusammengesetzt. Nach damaligen Angaben von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte die EU seinerzeit keine Zuschüsse für die Verlagerung des Nokia-Werks aus Bochum zur Verfügung gestellt. Wohl aber wurden die ehemaligen Mitarbeiter in Bochum mit 5,5 Millionen Euro unterstützt.

          Nokia muss sparen, weil das Unternehmen unter einem erheblichem Wettbewerbsdruck durch die iPhone-Telefone von Apple und von Herstellern steht, die das Betriebssystem Android von Google nutzen. Der Nokia Vorstandsvorsitzende Stephen Elop setzt deshalb ein Sanierungsprogramm um, mit dem die Kosten um rund eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen. Schon im April hatte Elop angekündigt, sich von rund 7000 Mitarbeitern und damit von mehr als einem Zehntel der Belegschaft trennen zu wollen. Der neue Stellenabbau, der insgesamt 3500 Mitarbeiter betrifft, kommt zu diesen Streichungen noch hinzu. Von den jüngsten Ankündigungen sind außer in Rumänien auch Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten und in Bonn betroffen. Wie viele deutsche Arbeitsplätze insgesamt wegfallen, blieb aber zunächst offen. Denn das Unternehmen hält nach eigenen Angaben daran fest, dass Berlin neben Boston und Chicago ein zentraler Standort für die Dienstleistungssparte Location & Commerce ist. Deshalb gehe der Konzern davon aus, dass die Mitarbeiterzahl in Deutschland auf längere Sicht steigen werde, sagte ein Sprecher.

          Die Schließung des Bochumer Werks hatte in Deutschland für Empörung gesorgt - und zu erregten Diskussionen über die Vor- und Nachteile der Globalisierung geführt. Der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte dem Nokia-Management „Karawanen-Kapitalismus“ vorgeworfen. Rund 2300 Bochumer Beschäftigte verloren ihre Stelle. Der Standort sei nicht mehr wettbewerbsfähig, begründete der Konzern damals den Einschnitt. Die Arbeitskosten in Bochum seien fast zehnmal so hoch wie in Rumänien. Heute gehen die Schwierigkeiten von Nokia tiefer, denn es sind die Produkte auf dem lukrativen Markt für hochpreisige Smartphones, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Deshalb verabschieden sich die Finnen von ihrem Betriebssystem Symbian und setzen auf das Betriebssystem „Windows Phone“. Bisher ist allerdings auch das Microsoft-Betriebssystem ein Ladenhüter.

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