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Werbung : Jung von Matt schafft die Kampagnen ab

  • -Aktualisiert am

Peter Figge Bild: Florian Sonntag / F.A.Z.

Deutschlands Vorzeige- Werbeagentur Jung von Matt stellt ihren Kurs auf den Kopf. Die Gründer ziehen sich zurück. Der neue Chef Peter Figge hält nichts von klassischen Kampagnen. Statt dessen will er die Kreativschmiede stärker auf Digitales trimmen.

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          Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte Peter Figge nicht. Seit Donnerstag ist er Vorstandssprecher der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, und sein Kalender ist jetzt schon prall gefüllt: Fünf Gespräche mit den Geschäftsführern einzelner Agenturen aus dem Jung-von-Matt-Netzwerk hat Figge schon hinter sich, drei Gespräche mit Kunden und eine Präsentation im Ringen um einen neuen Etat. Von seinem neuen Arbeitgeber spricht er schon fließend in der „Wir“-Form. Nur wenn er seine Sekretärin anrufen will, wird offensichtlich, dass Peter Figge neu hier ist: Ihre Nummer hat er noch nicht verinnerlicht, ebenso wenig wie die Feinheiten der Telefonanlage in der Zentrale der Agentur im Hamburger Karoviertel. „Es ist ja erst mein dritter Arbeitstag“, entschuldigt er sich.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Auf dem Vierundvierzigjährigen ruhen große Hoffnungen. Als im November die Inhaber von Jung von Matt, Holger Jung und Jean-Remy von Matt, den Generationswechsel ankündigten, ging ein Raunen durch die Branche. Das 1991 gegründete Unternehmen gilt als die Kreativschmiede unter den deutschen Werbeagenturen. Zu den Vorzeigekunden zählen Mercedes und Sixt. Die Cabrios des Mietwagenverleihers priesen die Werber einmal mit einer Anzeige an, in der sie Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Sturmfrisur verpassten. Bei Wettbewerben wie dem Art Directors Club (ADC) in Deutschland oder den „Cannes Lions“, einer Art Werbeweltmeisterschaft, landet die Agentur im Medaillenspiegel stets weit vorne, so auch in diesem Jahr. 830 Mitarbeiter beschäftigt Jung von Matt derzeit, im vergangenen Jahr haben sie 88,3 Millionen Euro Honorarumsatz erwirtschaftet.

          Doch bei aller Anerkennung blieb immer auch ein Manko: Jung von Matt genießt den Ruf, sich tolle Fernsehspots und Anzeigen ausdenken zu können. In der digitalen Kommunikation gilt die Agentur dagegen im Vergleich zu Wettbewerbern als schwach - und damit ausgerechnet in jenem Bereich, in den die Unternehmen mehr und mehr ihres Werbebudgets investieren. Die wachsende Verbreitung des Internets verändert die Werbewelt. Mit ein paar Spots und Anzeigen ist es nicht mehr getan, diese dienen den Unternehmen vielfach nur noch als Mittel, um die Verbraucher auf ihre Internetseiten aufmerksam zu machen.

          Eine Vielzahl von Medienkanälen soll ins Spiel kommen

          Peter Figge soll Jung von Matt nun auf Digitalkurs bringen. Die Gründer haben ihn ausgewählt, weil er zuletzt die Agentur Tribal DDB geführt hat, deren Fokus auf digitaler Kommunikation liegt. Dort hat sich Figge einen Namen mit Werbeaktionen gemacht, die mit einer Vielzahl von Medienkanälen spielen, etwa im Fall des Volkswagen-Gesichts Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling. Die Gegensätze zwischen den beiden Agenturen seien gar nicht so groß, wie viele Beobachter behaupteten, sagt Figge im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es ist ein Vorurteil, dass Jung von Matt eine klassische Werbeagentur ist. Es gibt schon heute verschiedene Disziplinen unter diesem Dach.“ In den Werbeagenturen wie Jung von Matt/Alster arbeiteten längst überall Onlinefachleute mit. Daneben verfügt die Gruppe mit dem Ableger Jung von Matt/next über einen Spezialisten für Digitales. An der Zweiteilung - generalistisch geprägte Werbeagenturen auf der einen Seite und Spezialisten auf der anderen Seite - will Figge nichts ändern. „Das System hat sich bewährt. Aber die Zusammenarbeit muss besser werden.“

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