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Werbung : Jung von Matt schafft die Kampagnen ab

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„Wir lieben Ideen.“ „Wir glauben an die Kraft von Kommunikation.“ „Wir bleiben unzufrieden.“ Die Agenturgrundsätze, weiß auf grün an der Wand im Konferenzraum auf der Vorstandsetage verewigt, kann Figge schon auswendig, obwohl er das Gebäude in der Glashüttenstraße vor zwei Wochen zum ersten Mal betreten hat. Alle Gespräche mit den beiden Gründern fanden an neutralen Orten statt. Der Neue ergänzt das Credo um den Abschied vom alten Kampagnendenken. „Früher war es so: Man hatte ein Ziel, hat einige Monate eine Kampagne gemacht und dann geschaut, ob das Ziel erreicht wurde. Das funktioniert so nicht mehr“, sagt Figge. Sein „Wir“-Bekenntnis lautet so: „Wir müssen 365 Tage im Jahr kreative Inhalte produzieren.“

Das traditionelle Trio aus Berater, Grafiker und Texter hat ausgedient

Das macht die Arbeit in den verschiedenen Abteilungen komplizierter. Das traditionelle Trio aus Berater, Grafiker und Texter hat ausgedient, heißt es allerorten. Auch Peter Figge vertritt diese Ansicht: „Die Teams werden größer werden“, sagt er. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist ein Freund von Kooperationen: Er sieht seine Mitarbeiter als Multi-Projekt-Manager, die ein Netzwerk von Spezialisten steuern. Freie Mitarbeiter, zum Beispiel Experten für das Marketing über Mobiltelefone, sollen je nach Bedarf zu den Teams aus Festangestellten stoßen. Und Jung von Matt soll mit anderen Agenturen kooperieren. Ein weiteres „Wir“-Bekenntnis aus Figges Mund: „Wir können nicht die Besten in jedem Gebiet sein, deshalb müssen wir mit anderen kooperieren.“ Bislang sind Kooperationen in der Branche jedoch eine Seltenheit.

Sorgen, die Mannschaft könnte ihm auf seinem Digitalkurs die Gefolgschaft verweigern, macht Figge sich nach eigener Darstellung nicht. „Mir ist klar, dass ich aus einem Fünfzigjährigen keinen Flash-Programmierer machen kann“, sagt er. Die Erfahrungen der älteren Werber, die mit Spots und Anzeigen groß geworden sind, die sich Konzepte und Geschichten ausdenken, seien wichtig. Die Internetexpertise komme durch den Nachwuchs automatisch. „Ein Fünfundzwanzigjähriger kann sich ein Leben ohne Facebook gar nicht mehr vorstellen.“

Übernahmen? Eher nein

So aufgeschlossen Figge für Kooperationen ist - was Übernahmen angeht, zeigt er sich zurückhaltend. „Sag niemals nie. Aber im Moment sehe ich das eher nicht.“ Die Agentur ist stolz darauf, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Auf Kredit finanzierte Zukäufe scheiden damit aus. Das Unternehmen wird in Form einer Aktiengesellschaft geführt. Es ist nicht an der Börse notiert, die Anteile sind in den Händen der Führungsriege. Wie viel Prozent er hält, dazu schweigt der neue Chef. Es gehe nicht darum, um jeden Preis Umsatz und Gewinn zu steigern. „Es gibt keinen Wachstumszwang“, sagt er. Entscheidend sei, inhaltlich gute Arbeit zu leisten, dann stelle sich Wachstum automatisch ein. Gleichwohl will Figge die Agentur internationaler machen. Das bestehende Engagement in Osteuropa soll ausgebaut werden. Zudem soll Jung von Matt in Asien präsent werden, wo das Unternehmen bislang noch nicht vertreten ist.

Die Frage, die sich viele seiner Kollegen stellen: Wie klappt die Zusammenarbeit mit den beiden Gründern? Holger Jung und Jean-Remy von Matt sind auch nach Figges Amtsantritt weiter sehr präsent. Der 56 Jahre alte Holger Jung ist zwar vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt. Er will aber weiter ausgewählte Kunden beraten. Dem 57 Jahre alten Jean-Remy von Matt fällt die Trennung noch schwerer: Der älteste Mitarbeiter der Agentur ist weiter im fünfköpfigen Vorstand vertreten, auch wenn er die Verantwortung für die kreative Arbeit Armin Jochum übertragen hat. Einige Jahre werde Jean-Remy von Matt wohl noch dabeibleiben, schätzt Figge. Er sieht das gelassen. Meinungsverschiedenheiten über die künftige Strategie gebe es keine. Und auch sonst würden sie sich blendend verstehen, schließlich hätten sie lange Zeit im selben Land gelebt. „Wir unterhalten uns auf Schwyzerdütsch.“

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