https://www.faz.net/-gqe-afwi0

Nach Drohungen : Ströer stoppt Wahlwerbung

  • Aktualisiert am

Eine Reklametafel der Firma Ströer an der Mainzer Landstraße in Frankfurt Bild: Michael Hauri

Nach Drohungen will der Werbeflächenanbieter künftig keine parteipolitische Werbung mehr zeigen. Das Unternehmen weist jedoch die Verantwortung für Inhalte von sich.

          2 Min.

          Deutschlands größter Anbieter von Außenwerbung Ströer hat angekündigt, keine Aufträge für parteipolitische Werbung mehr anzunehmen. Das Unternehmen begründete den Schritt am Mittwoch in einer Mitteilung mit persönlichen Anfeindungen und Drohungen gegen seine Mitarbeiter, Boykottaufrufen und Sachbeschädigungen von Firmeneigentum aus verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Meinungsrichtungen.

          Der Anbieter von rund 300.000 Werbeflächen sieht sich durch aktuelle Medienanfragen eines Rechercheverbunds „willkürlich und unzutreffend politisch in die Nähe der AfD“ gedrängt. Die „Grenze des Hinnehmbaren“ sei damit endgültig überschritten. Hinter dem von Ströer nicht näher benannten Rechercheverbund steht Correctiv, das seine Anfrage über Twitter veröffentlichte.

          Im August hatte eine Kampagne gegen die Grünen, für die auch Werbeflächen von Ströer gebucht worden waren, hohe Wellen geschlagen. Grüne Plakate mit Sonnenblumen suggerierten auf den ersten Blick, dass es sich um Werbung der Partei handelte. Doch neben den Sonnenblumen war etwa „Klimasozialismus“, „Ökoterror“ oder „Totalitär“ zu lesen. Die Grünen zeigten sich empört. Auch SPD und CDU kritisierten die Kampagne mit dem Namen „Grüner Mist“. In Auftrag gegeben wurde sie vom Hamburger Unternehmer und AfD-Sympathisanten David Bendels. Eine direkte Verbindung der Kampagne zur AfD konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.

          Ströer sei weder berechtigt noch organisatorisch in der Lage, sich den Finanzierungsweg der Auftragnehmer für Aufträge vorlegen zu lassen und diese zu überprüfen, teilte das Unternehmen mit. Außerdem sei das Unternehmen als Vermarkter von Plakatflächen nicht für die jeweiligen Inhalte und Gestaltung der Werbung verantwortlich: „Als neutraler Dienstleister wurden bislang alle Aufträge auch im Bereich der parteipolitischen Werbung ausgeführt, soweit keine rechtswidrigen Inhalte vorliegen – auch dann, wenn sie nicht mit den politischen Auffassungen der Entscheidungsträger von Ströer übereinstimmen.“

          Ströer habe es bislang als seine „gesellschaftliche Verpflichtung angesehen, zur funktionierenden freiheitlich demokratischen Grundordnung durch die Ermöglichung einer parteipolitischen Kommunikation im öffentlichen Raum beizutragen“. Jedoch sei ein solches Dienstleistungsangebot nur auf der Grundlage eines „gesellschaftlichen Konsenses“ möglich. Diesen sieht das Unternehmen derzeit nicht gegeben.

          Dass es auch in Zukunft keine Wahlwerbung auf den Flächen des Unternehmens gibt, will Ströer allerdings nicht ausschließen. Voraussetzung dafür sei ein politischer Konsens, der beim von Ströer initiierten Runden Tisch mit den politischen Parteien des Deutschen Bundestages erzielt werden könne.

          Weitere Themen

          Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich Video-Seite öffnen

          Anstieg von nur 2,4 Prozent : Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich

          Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal deutlich abgesenkt. In ihrem Herbstgutachten gehen die Expertinnen und Experten nun von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent in diesem Jahr aus – nach prognostizierten 3,7 Prozent im Frühjahr.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.