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Werbefestival Cannes : Internetkonzerne drängen in die Werbebranche

  • -Aktualisiert am

Auf dem Werbefestival in Cannes buhlen die Internetkonzerne Facebook und Microsoft um die Gunst der Werbekunden. Um außergewöhnliche Kampagnen geht es nur noch am Rande. Fernsehen und Internet erhöhen ihre Marktanteile, Marktforschung gewinnt an Bedeutung.

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          Im südfranzösischen Cannes macht es noch Spaß, ein Werber zu sein. Stellenabbau, sinkende Honorare, steigende Arbeitsbelastung – an der Côte d’Azur sind die Widrigkeiten des Alltags weit weg. Wasserski am Morgen, Poolparty am Abend, zwischendrin ein Glas Champagner auf der Terrasse eines der leicht in die Jahre gekommenen Grandhotels: Beim jährlichen Branchentreffen in Südfrankreich, das am Sonntag zu Ende ging, konnten sich die Kreativen noch einmal in jenem Glanz sonnen, der ihre Zunft seit Jahrzehnten umgibt. Doch die gute Stimmung – vielerorts beflügelt von einem leichten Umsatzwachstum im ersten Quartal – täuscht nicht darüber hinweg, dass sich die „Cannes Lions“, das wichtigste Werbefestival der Welt, verändert haben. Weg vom urlaubsähnlichen Klassentreffen der Kreativen, bei dem die Luft nicht nach Arbeit, sondern nach Meer und Sonnenmilch riecht, hin zu einem durchgetakteten Geschäftstreffen. Mit neuen Hauptdarstellern: Am Strand, wo sich früher die Zelte der Werbeagenturen aneinanderreihten, flattern heute die Fahnen von Microsoft und Yahoo im Wind. Im Kongresszentrum preist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sein soziales Netzwerk als Werbeplattform an. Fast wirkt es, als seien die Texter und Grafiker aus den Agenturen in die Zuschauerrolle abgedrängt worden. Außergewöhnliche Kampagnen? Darum geht es nur noch am Rande.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Früher haben die Agenturen auf Augenhöhe mit den Kunden gesprochen, jetzt sind sie Befehlsempfänger“, sagt Amir Kassaei, Kreativchef der Agenturgruppe DDB, eine der größten in Deutschland. „Aber wir sind ja selbst dran schuld.“ Zu lange hätten sich Werbeagenturen auf Spielereien konzentriert, statt die existentiellen Probleme der Unternehmen zu lösen. Seit Jahren predigt Kassaei, dass sich Agenturen neu erfinden müssten, um nicht arbeitslos zu werden. Kreative Unternehmensberater, das sollten sie sein. Seine Agentur hat zu diesem Zweck den Ableger „Hubble“ gegründet, der Unternehmen wie Reebok im Entwickeln von Produktinnovationen berät.

          Andere Agenturen suchen nach anderen Auswegen. Martin Sorrell, Vorstandsvorsitzender des größten Werbekonzerns der Welt WPP – dahinter verbergen sich namhafte Agenturen wie Ogilvy, Grey und Young & Rubicam – setzt auf Marktforschung. 2008 übernahm er den Marktforscher TNS. Doch Sorrell geht offenkundig davon aus, dass die ohnehin schon ausgeprägte Begeisterung der Unternehmen für Marktforschung eher größer als kleiner wird. Der Marktforscher Nielsen, einer der wichtigsten Konkurrenten von TNS, kontert mit einer ungewöhnlichen Kooperation: Mitte Juni gab das Unternehmen bekannt, fortan mit der Unternehmensberatung McKinsey zusammenzuarbeiten. NM Incite heißt das gemeinsame Unternehmen, das Unternehmen sagen soll, wie sie die unzähligen Nutzerbeiträge in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter für ihre Marken nutzen können.

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