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Werbebranche : Honig aus der Agentur

Andere Optik, anderer Geschmack: So verkaufen Werber Honig Bild: Anja Franzke

Anzeigen und Fernsehspots - das war einmal. Heute wollen Werbeagenturen für Unternehmen Produkte entwickeln. Es gilt in der Branche allerdings als offenes Geheimnis, dass viele dabei momentan draufzahlen.

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          Als der Kreativchef der Agentur DDB kürzlich auf dem internationalen Werbegipfel in Cannes über die Zukunft seiner Branche referierte, da sprach er nicht von Fernsehspots, nicht von Anzeigen, nicht von Plakaten und auch nicht von Bannern im Internet - Amir Kassaei sprach von einem Turnschuh. Die Oberfläche dieses Schuhs ist grün, vorausgesetzt, sein Träger geht regelmäßig damit joggen. Stehen die Schuhe zwei Wochen unbenutzt im Flur, verfärben sie sich gelb. Nach vier Wochen ohne Bewegung wechselt die Farbe in Rot. Die Mitarbeiter von DDB Stockholm haben sich das ausgedacht, für den Sportartikelhersteller Adidas. Im kommenden Jahr soll der mahnende Turnschuh laut Kassaei auf den Markt kommen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nach Ansicht des Kreativchefs werden Werber in Zukunft mehr Zeit darauf verwenden, sich solche Produktinnovationen auszudenken. Die Branche müsse aufhören, den Menschen mit Anzeigen und Fernsehspots Produkte anzupreisen, die keiner brauche. „Es geht hier nicht um funky Ads“, sagt er im üblichen Werbekauderwelsch. „Relevanz“ ist ein Stichwort, das Kassaei in diesem Zusammenhang gerne nennt, „kreative Unternehmensberatung“ ein anderes. Auf den einschlägigen Branchenveranstaltungen bekommt Kassaei für seine Appelle, ein neues Verständnis von Werbung zu schaffen, regelmäßig tosenden Applaus.

          Hochprozentiges Bier und ein essbares Kochbuch

          Nicht nur DDB hofft darauf, sich als Innovationsberater ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Die Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe verfügt schon seit einigen Jahren über einen Ableger namens Kolle Rebbe Form und Entwicklung, kurz Korefe, der Produktideen für Unternehmen entwickelt. Angefangen hat es in der Zusammenarbeit mit einer Brauerei. Für diese sollten die Werber eigentlich nur eine neue Kampagne entwerfen, doch nach einer - offenbar nicht ganz so überzeugenden - Verkostung schlugen sie vor, zunächst eine hochprozentigere Biersorte zu entwickeln. Später dachte sich Kolle Rebbe auch ohne Auftrag Produkte aus, etwa die Delikatessen-Reihe „Deli Garage“ und die Kosmetiklinie „Stop the water while using me“, die es mittlerweile auch im Ausland in Edelkaufhäusern gibt, sowie ein essbares Kochbuch. Zehn Mitarbeiter arbeiten für Korefe, über den Jahresumsatz schweigt Geschäftsführer Stefan Kolle.

          Den Auftrag, ein „Kundenerlebnis“ zu schaffen, bekam die New Yorker Werbeagentur R/GA vom Sportartikelhersteller Nike. Der hatte die Idee, ein Gerät zu entwickeln, das jede körperliche Aktivität eines Menschen misst - sei es während des Joggens oder während des gemütlichen Spaziergangs. Die Mitarbeiter der Agentur reisten daraufhin um die Welt, sprachen mit Verbrauchern, wie ein solches Gerät aussehen und was es können sollte. So entstand das „Fuelband“, ein Armband, das ähnlich wie eine Uhr aussieht und jede Bewegung seines Trägers in einen Punktwert umrechnet. Hat man das Tagesziel an „Fuel“ erreicht, wird die vorher rote Digitalanzeige grün. Über eine Internetseite haben die Nutzer die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vergleichen.

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