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Nach Impfaufruf der Wirtschaft : Werbeagentur schützt sich gegen Impfgegner

Einige Motive der Kampagne Bild: dpa

„Quadratisch. Praktisch. Geimpft.“ oder „Geimpft fühlt es sich besser an.“ – der Schokoladenproduzent Ritter Sport, die Kondommarke Durex und viele weitere Unternehmen rufen zum Impfen auf. Doch jetzt bekommen die Initiatoren wütende Anrufe.

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          Die Werbeagentur, die die gemeinsame Impfkampagne vieler Unternehmen initiiert hat, hat nach wütenden Anrufen von Impfgegnern die Sicherheitsmaßnahmen für ihr Büro erhöht. Das sagte Sven Dörrenbächer, Chef der Agentur Antoni und Initiator der Kampagne, im Gespräch mit der F.A.Z. „Ich wäre ein schlechter Chef, wenn ich keine Sorge hätte, ins Visier von Impfgegnern zu geraten“, sagte der Manager. Welche Maßnahmen er genau ergriffen hat, will er nicht öffentlich machen. Doch es gehöre schließlich schon einiges dazu, sich die Mühe zu machen, die Nummer der Agentur rauszusuchen und aufgebracht anzurufen.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Für die Kampagne, die seit dem 7. Dezember unter dem Hashtag #ZusammengegenCorona läuft, haben deutlich mehr als 1000 Unternehmen ihre Werbeslogans geändert. BMW hat nun „Freude am Impfen“, Ritter Sport wirbt mit „Quadratisch. Praktisch. Geimpft.“ und einer Schokoladenverpackung, die aussieht wie ein gelber Impfpass. „Wir impfen uns den Weg frei“ lautet der veränderte Spruch der Volksbanken. Beim Kondomhersteller Durex heißt es: „Geimpft fühlt es sich besser an.“

          „Es macht uns stolz“

          Der Aufruf bricht nach Angaben der Organisatoren alle Rekorde: Die Reichweite hat am Freitag die Marke von 500 Millionen überschritten, so oft wurden die Motive insgesamt angeschaut. Laut einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von Appinio hatte zwei Tagen nach Kampagnenstart mehr als die Hälfte der Deutschen die Aktion wahrgenommen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) begrüßte diese kurz vor seiner Amtsübernahme und nannte sie ein „herausragendes Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung und Eigenin­itiative“.

          „Es macht mich stolz, es macht uns stolz“, sagte Dörrenbächer über die Kampagne, die außer dem Arbeitseinsatz nichts gekostet habe. Er verwies unter anderem auf die ZDF-„heute-show“, in der die Aktion erwähnt wurde. Sie sei Stammtisch- und Pausenhofthema. „Ich hätte nie geglaubt, dass das so eine Resonanz bekommt.“

          Vorbild Frankreich

          Gleichzeitig hält er die Impfwerbung der Regierung für schlechter als in Frankreich: „Die französische Kampagne war smart, emotional, großartig. Die Motive waren stärker als die in Deutschland.“ Frankreich zeigte ein verliebtes Paar, das sich über die Impfnebenwirkung – die wieder mögliche körperliche Nähe – freute. „Es ist ein Unterschied, ob ich ein verliebtes Paar sehe oder Uschi Glas und Günther Jauch“, sagte Dörrenbächer. Inwieweit die von ihm angestoßene Kampagne ungeimpfte Menschen überzeugt, weiß er noch nicht. Eine entsprechende Umfrage sei geplant.

          Die Werbeaktion der Wirtschaft kommt ein knappes Jahr nach Beginn der Impfungen. Dörrenbächer glaubt jedoch, dass die Aktion viel früher gar nicht erfolgreich gewesen wäre. Erst durch den Druck der vierten Welle habe der Kontext gepasst.

          Dörrenbächer ist einer der etabliertesten Manager der deutschen Werbebranche. Nach der Jahrtausendwende baute er die digitale Werbung von Mercedes auf, die heute zu den erfolgreichsten in Deutschland zählt. Von dort wechselte er als Geschäftsführer Beratung zur Großagentur Jung von Matt. 2015 gründete er die Agentur Antoni, die laut Dörrenbächer 170 Mitarbeiter hat und seit einigen Monaten zu Omnicom gehört, einem der weltgrößten Werbekonzerne. Antoni ist vor allem für die Arbeit für Mercedes bekannt.

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