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F.A.S. exklusiv : „Wer will ohne Not zu Thyssen gehen?“

  • Aktualisiert am

Thyssen ist auch für seine Rolltreppen bekannt. Bild: Reuters

Der deutsche Traditionskonzern Thyssen sucht einen neuen Chef. Warum das so schwer ist, erklärt Personalberater Heiner Thorborg in der F.A.S. eindrücklich.

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          In der Führungskrise von Thyssen-Krupp ist kein Ende abzusehen. Der Konzern sei momentan extrem unattraktiv für Spitzenmanager, sagte Personalberater Heiner Thorborg der Frankurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Ich würde mich dort nicht engagieren, so lange die Lage zwischen den Eigentümern so undurchsichtig ist.“

          Da spreche man als Headhunter 100 Leute an in der Hoffnung, dass einer zusagt. „Das macht keinen Spaß. Wer will sich ohne Not da hinein begeben?“ In dieser Gemengelage würde er niemandem dazu raten. Weder der Posten des Vorstandsvorsitzenden noch des Aufsichtsratsvorsitzenden sei „besonders prickelnd“, fügte Thorborg hinzu: „Ich spreche in der Regel Persönlichkeiten an, die erfolgreich unterwegs sind. Die schauen sich so etwas an und sagen: Was soll ich da? Warum soll ich dafür meine bisherige Position aufgeben?“

          Als „seltsam“ kritisiert der Personalberater im Rückblick den plötzlichen Rücktritt des Thyssen-Krupp-Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger und des Aufsichtsratschefs Ulrich Lehner. „Eigentlich geht das nicht“, sagte Thorborg der F.A.S. – „es gibt eine Verpflichtung gegenüber Unternehmen und Mitarbeitern“. Jetzt sei der Konzern „kopflos“.

          Headhunter Thorborg hält zudem für einen Fehler, den bisherigen Finanzvorstand Guido Kerkhoff zum Interims-CEO zu ernennen. „Zumindest nach außen hätte ich ihn zum festen Vorstandschef gemacht“, sagte der Headhunter.

          Nach innen sei dies es eine völlig andere Sache. „Mit ihm selbst hätte man eine Absprache treffen können, dass er geht, sobald jemand für den Posten gefunden ist. Das wäre allemal klüger gewesen, als ihn von vornherein zu schwächen, indem er als Mann des Übergangs eingeführt wird.“ Dadurch hätte Thyssen Zeit gewonnen, zunächst einen Vorsitzenden für den Aufsichtsrat zu finden.

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