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Ein Autoboss feiert : Wenn ich König von Frankreich wär …

Bild: L’Obs / Youtube

Im Zuge der Ermittlungen gegen Carlos Ghosn ist ein beeindruckendes Video aufgetaucht. Es zeigt, wie der frühere Renault-Chef seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hat. Ludwig, XIV. wäre neidisch gewesen.

          Es ist kein Werbefilm für Champagner oder Abendkleider, es ist ein Blick ins reale Leben der Hautevolee. Freilich war auch für die angeblich bessere Gesellschaft dieser Abend des 9. März 2014 etwas ganz Besonderes: Der Automanager Carlos Ghosn hatte ins Schloss von Versailles eingeladen – offiziell um das Jubiläum der Allianz von Renault und Nissan zu feiern, doch es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass das Datum gleichzeitig sein 60. Geburtstag war, während die Allianz-Gründung auf einen ganz anderen Tag fiel.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Video stand schon fünf Jahre lang bei Youtube im Netz, es war jedoch in keiner Liste aufgeführt und damit nur jenen Nutzern vorbehalten, welche die genaue Adresse kannten. Jetzt ist es im Zuge der Ermittlungen in Frankreich öffentlich geworden und wird in Frankreich debattiert.

          Die Pracht des Absolutismus

          Auf der Liste der 160 geladenen Gäste standen Persönlichkeiten wie der Amazon-Gründer Jeff Bezos, die Gattin des ehemaligen britischen Premierministers Cherie Blair, der französische Schauspieler François Cluzet oder der franko-libanesische Schriftsteller Amin Maalouf. Unternehmensvertreter von Renault und Nissan fanden sich kaum unter den Auserwählten, viele persönliche Freunde und Bekannte von Ghosn dafür schon.

          Als wollte er die ganze Pracht des französischen Absolutismus für einen Abend zurückbringen, ließ es der Automanager an nichts fehlen: Tänzer und Diener in Kostümen aus der Zeit von Ludwig, XIV., ein Gourmet-Menü vom französischen Starkoch Alain Ducasse und ein Feuerwerk im Garten von Versailles, das die Gäste vom Spiegelsaal aus genießen durften.

          Der Abend ist ebenso wie Ghosns Hochzeit im Jahr 2016, die er ebenfalls im Schloss von Versailles feierte, heute juristisch relevant. Denn die Kosten der Geburtstagsfeier von 634.000 Euro sollen nach Erkenntnissen französischer Ermittler die Unternehmen der Renault-Nissan-Allianz B.V. bezahlt haben.

          Der mittlerweile 65 Jahre alte Ghosn wurde im November vergangenen Jahres am Flughafen von Tokio festgenommen. Der Vorwurf lautete auf Verschleierung großer Teile seiner Vergütung bei Nissan. Später kamen andere Vorwürfe hinzu, besonders die Verwendung von Firmengeldern für private Zwecke. So soll der in Brasilien geborene und im Libanon aufgewachsene Manager sich teure Immobilien in Rio de Janeiro und in Beirut von seinen Unternehmen bezahlt haben lassen; die Mitgliedschaft im Yachtklub oder Besuche beim Karneval von Rio mit Bekannten gehören auch in dieses Kapitel.

          Ghosn saß monatelang in Japan in Haft, heute befindet er sich dort unter Hausarrest und wartet auf seinen Prozess. Seine Führungsposten bei Renault, Nissan und Mitsubishi hat er niedergelegt.

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