https://www.faz.net/-gqe-7vt30

Kaffeehauskette : Wenn die App den Kaffee bei Starbucks vorbestellt

Bild: dpa

Der Kaffeehausbetreiber Starbucks will sein Geschäft stärker digitalisieren. Künftig sollen Kunden den Kaffee via App in der Filiale vorbestellen können. Auch eine Lieferung ins Büro soll möglich sein.

          3 Min.

          Schlange stehen bei Starbucks: Dieses morgendliche Ritual soll in Amerika künftig seltener werden. Dem Kaffeehausfilialisten geht es aber nicht darum, die Zahl seiner Kunden zu reduzieren. Im Gegenteil sollen dieselben zahlreicher werden und ihren Kaffee zum einen mit ihrem Smartphone und einer entsprechenden App zur termingerechten Abholung vorbestellen können. Zum anderen wird noch im kommenden Jahr ein Zustellservice getestet werden, der den Kaffee so frisch wie möglich zum Empfänger bringt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Um solche Projekte anzuschieben hat Starbucks, auf den ersten Blick ein eher langweiliger Betreiber von Kaffeemaschinen in Filialen, die auf der ganzen Welt gleich aussehen, sogar einen „Chief Digital Officer“. Das ist ein Posten, der auch für andere Unternehmen seine Berechtigung hat, wenn man daran denkt, wie sehr sich die Welt hin zu einem „Internet der Dinge“ entwickelt. Adam Brotman jedenfalls soll den Starbucks-Kaffee künftig deutlich stärker mit der Welt des Internets verbinden. Und die Stichworte „Pick-up“ und „Delivery“ spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

          Während das Angebot, den Kaffee in der jeweiligen Filiale vorzubestellen und mitzunehmen, dabei noch vergleichsweise leicht umzusetzen zu sein scheint, ist der Zustellservice schon erheblich ambitionierter. Zu Details wollte der Starbucks-Vorstand im Kontext der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen deshalb auch noch keine Stellung nehmen. Anberaumt ist aber eine eigenständige Analystenkonferenz im Dezember, auf der nun entsprechende Präzisierungen erwartet werden.

          Ambitionierter Zustellservice

          Vorstellbar sei die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Partnern, hieß es lediglich. Spekuliert wurde in Amerika danach über Partnerschaften mit dem Internetkonzern Google, dem ebenfalls in Seattle beheimateten Onlineversandhaus Amazon oder dem Auktionshaus Ebay. Denn alle drei Unternehmen haben ihrerseits schon damit begonnen, die Grundlage für Zustellungen am selben Tag zu legen. Eine andere Option könnte es sein, mit dem Taxidienst Uber zusammenzuarbeiten und dessen Fahrer zusätzlich mit der Zustellung von Kaffee zu beschäftigen. Denn schon heute ist das Uber-Angebot für Taxifahrten in die App von Starbucks integriert.

          Ein anderer möglicher Partner ist das amerikanische Unternehmen Deliv, das vor rund drei Jahren gegründet worden ist. Deliv arbeitet inzwischen mit dem Einzelhändler Williams Sonoma und einzelnen Einkaufszentren zusammen, um den dortigen Kunden einen Zustellservice für 5 Dollar je Fahrt anzubieten. Wie zu hören ist, prüft auch die Kaufhauskette Macy‘s für die Zustellung in Städten wie Chicago, Los Angeles, San Francisco oder Seattle eine Partnerschaft mit Deliv. Dass Starbucks eigene Angestellte für den Zustellservice einsetzen könnte, gilt als eher unwahrscheinlich, gehört das Unternehmen in den Vereinigten Staaten doch zu den Arbeitgebern, die sich durch eher überdurchschnittliche Löhne und Sozialleistungen auszeichnen.

          Starbucks ist es durch seine Ankündigungen in jedem Fall gelungen, den Blick weg vom reinen Zahlenwerk des vergangenen Schlussquartals des Geschäftsjahres 2013/14 (per Ende September) zu lenken. Denn dieses ist aus Sicht der Branchenbeobachter wenig erfreulich ausgefallen. Spannend ist es daher auch, die Telefonkonferenz nach der Vorlage der Quartalszahlen noch einmal nachzuhören. Dort hat es den Starbucks-Vorstandsvorsitzenden Schultz nach einer Weile wohl sehr gestört, dass sich die zugeschalteten Bankanalysten am Rückgang des um Neueröffnungen von Filialen bereinigten, vergleichbaren Umsatzes im Heimatland Vereinigte Staaten abarbeiteten. Zudem wurde über den Ausblick des Unternehmens geklagt, der nun schlechter ausfällt als noch drei Monate zuvor.

          Das ging Schultz angesichts eines Umsatzzuwachses im gesamten Konzern von 10 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Dollar und eines operativen Gewinns von 854 Millionen Dollar etwas zu weit – zumal im Vorjahr für die vergleichbare Zeitspanne nach einer Strafzahlung noch ein operativer Verlust von 2,1 Milliarden Dollar zu Buche gestanden hatte. Starbucks macht sich in der Welt zudem immer breiter und betreibt nun 21366 Geschäfte in 65 Ländern. Gleichwohl verlor die Aktie an Wert – und tatsächlich ist auch Starbucks nicht damit zufrieden, dass der Kundenzustrom in Amerika nur um verhaltene 1 Prozent zugelegt hat.

          Schultz wich vor diesem Hintergrund von seinen vorbereiteten Ausführungen ab: „Wir nehmen an keiner Stelle irgendeine Bedrohung durch einen Wettbewerber wahr“, sagte er – und es gebe trotz der Ausweitung des Produktangebots im Segment Speisen auch keine Schwierigkeiten, die Kunden zügig zu bedienen. Und dass der Gewinnausblick nun etwas verhaltener ausfalle, habe vor allem mit Investitionen zu tun, nicht zuletzt mit Blick auf die mobilen Bestell- und Bezahlmöglichkeiten.

          Starbucks macht sich mit seinem Kaffee auf in die Welt des Internets. Billig ist das nicht. Das dürfte später auch für den Kunden gelten, aber bequem könnte es werden. Das gilt auch mit Blick auf eine weitere Expansionsidee von Starbucks, die Wettbewerber im Auge behalten sollten. In immer mehr amerikanischen Städten bietet Starbucks Speisen auch am Abend an, um Arbeitnehmer auf ihrem Weg nach Hause versorgen zu können. Mehrere hundert Filialen sollen das Angebot in Kürze vorhalten.

          Weitere Themen

          Spotify muss um Marktanteile bangen

          FAZ Plus Artikel: Streamingdienste : Spotify muss um Marktanteile bangen

          In den Weltmarkt des Musikstreamings kommt Bewegung: Der Marktführer erhält neue Konkurrenz aus Nordamerika und aus China. Das wirft neue Fragen über den hohen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe auf.

          Topmeldungen

          Die israelische Siedlung Migron in der Westbank

          Israel und Palästina : Die Besetzung bleibt rechtswidrig

          Zumindest für den UN-Sicherheitsrat ist die Sache klar: Der Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten bleibt völkerrechtswidrig – und Israel ist aufgefordert, alle Siedlungsaktivitäten einzustellen.

          Johnson gegen Corbyn : Kaum Fehler, aber auch keine Vorstöße

          Vor der Wahl in Großbritannien sind Premierminister Johnson und sein Herausforderer Jeremy Corbyn im britischen Fernsehen aufeinandergetroffen. Doch den hohen Erwartungen der Vortage konnte das TV-Duell nicht standhalten.
          Mann des Abends: Serge Gnabry

          6:1 gegen Nordirland : Deutsches Schaulaufen zum Gruppensieg

          Zum Abschluss bereitet die EM-Qualifikation doch noch unbeschwerte Freude: Gegen Nordirland gibt es einen 6:1-Sieg. Gnabry trifft dreimal, Goretzka zweimal. Zur Belohnung gibt es im Sommer drei EM-Heimspiele.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.