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Weniger Gewinn : Deutsche Bahn sieht ehrgeizige Ziele in Gefahr

Dieser ICE ist noch nicht fertig. Der Bahn fehlen noch zu viele davon. Bild: dpa

Nicht nur das aktuelle Hochwasser macht der Bahn Sorgen: Wegen der Konjunkturschwäche muss sie ihre Gewinnerwartungen revidieren.

          Die Deutsche Bahn spürt die konjunkturelle Abschwächung in Deutschland und im Ausland unerwartet heftig. Für das laufende Jahr muss der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube die Gewinnerwartung deutlich revidieren. Statt eines Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,9 Milliarden Euro rechnet der Bahnvorstand nur noch mir 2,6 Milliarden Euro - das sind rund 100 Millionen Euro weniger als 2012. Und das ist noch die optimistische Planung. Denn ein Ergebnisrückgang fast in diesem Umfang ist schon in den ersten Monaten dieses Jahres zu beklagen. Der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns wird sich am Donnerstag in einer Sondersitzung damit auseinandersetzen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Wie aus Unterlagen des Aufsichtsrats hervorgeht, sank das Betriebsergebnis in den ersten vier Monaten um mehr als 40 Prozent auf rund 470 Millionen Euro. Vorgenommen hatte sich das Unternehmen gut 660 Millionen Euro. Besondere Sorgen bereitet Grube wieder der Schienengüterverkehr. Nachdem die Güterbahn 2012 erstmals nach längerer Flaute wieder mit einem kleinen Plus in zweistelliger Millionenhöhe abgeschlossen hatte, macht die Sparte seit dem vierten Quartal 2012 wieder Verlust.

          Statt zu wachsen schrumpft das Geschäft um 5 bis 6 Prozent. Mit einer Erholung für die Güterbahn rechnet der Bahnvorstand erst im nächsten Jahr. Die Geschäftsführung der Güterbahn unter Leitung von Alexander Hedderich gerät damit noch stärker unter Druck, die Kosten zu verringern. Das internationale Logistikgeschäft ist wegen der andauernden Konjunkturschwäche in vielen Teilen der Welt nicht in der Lage, die Ausfälle zu kompensieren.

          Nur der Personenverkehr kann die Bahn zufriedenstellen

          Im Bahnkonzern will man die Zusammenkunft der Aufseher am 13. Juni - sechs Tage vor der turnusmäßigen Sitzung am 19. Juni, auf der etwa die Aufspaltung des Infrastruktur- und Technikressorts von Vorstand Volker Kefer beschlossen werden soll - nicht als Notsitzung verstanden wissen. Vielmehr soll künftig einmal im Jahr, losgelöst von den Tagesordnungen der üblichen Sitzungen, der Fortschritt der neuen Strategie 2020 diskutiert werden, die Grube dem Konzern verordnet hat. Darin ist vorgesehen, den Konzernumsatz bis 2020 von heute rund 40 Milliarden auf 70 Milliarden Euro zu steigern. Dieses Jahr könnte die Bahn deutlich hinter ihren Zielen zurückbleiben. In den ersten vier Monaten war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar stabil, die Planung sah aber 6 Prozent mehr vor.

          Zufrieden kann die Bahn-Führung derzeit nur mit der Entwicklung im Personenfernverkehr sein. Die Sparte übertrifft im Moment alle Erwartungen. Allerdings sind dem Wachstum hier auch Grenzen gesetzt, da die Bahn unter ihren Fahrzeugengpässen leidet, die durch die ICE-Lieferprobleme von Siemens weiter verschärft werden. Weil oft weniger Züge eingesetzt werden können, als es die Nachfrage auf beliebten Strecken erforderte, könnten sich enttäuschte Kunden von der Bahn wieder abwenden.

          Auch im Regionalverkehr kämpft der Konzern mit den Zugherstellern und dem Eisenbahnbundesamt um die Lieferung neuer Züge. In dieser Sparte, die bislang neben dem Netz den größten Beitrag zum Konzerngewinn leistet, häufen sich inzwischen die Schwierigkeiten.

          In den Ausschreibungen für den Regionalverkehr, den der Bund jährlich mit 7 Milliarden Euro finanziert, könnte die Bahn hinter ihre Wettbewerber zurückfallen. Diese - meist Tochterunternehmen ausländischer Staatsbahnen wie Keolis, Abellio und Netinera - nahmen der Bahn vergangenes Jahr fast die Hälfte der Aufträge ab. Im Jahr davor hatte der heimische Platzhirsch noch 72 Prozent der Vergaben für sich entschieden. Der Grund der Niederlage liegt für den Vorstand auf der Hand: Die anderen treten im Wettbewerb mit deutlich niedrigeren Löhnen an.

          Die dritte Akte auf dem Tisch der Aufseher trägt die Überschrift Infrastruktur - und ist unabhängig von aktuellen Sorgen durch Hochwasserschäden. Wie die Straße ist auch die Schiene unterfinanziert. Die Bahn spricht von 2 Milliarden Euro Lücke jährlich, das meiste davon für Erhalt. Mit dem Bund verhandelt der Konzern gerade über den Bundeszuschuss für die Ersatzinvestitionen. Die Bahn will mehr als die bisher jährlich zugesagten 2,5 Milliarden Euro, die Politik sträubt sich noch gegen eine Aufstockung.

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