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Kaufland sagt ab : Wendlers Fall

„Der“ Wendler als Werbeträger für die Supermarktkette Kaufland Bild: Departd/Kaufland

Der Schlagerstar hat sich mit umstrittenen Aussagen zu Corona ins Abseits katapultiert. Das ist nicht nur eine menschliche, sondern auch eine ökonomische Tragödie - mit erheblicher Tragweite.

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          Das Telefon von Markus Krampe steht am Freitagmorgen nicht still. Krampe ist Geschäftsführer von Pro Event Entertainment, nach eigener Einschätzung eine der erfolgreichsten Veranstaltungsagenturen Deutschlands. Krampe vermittelt „Live-Acts“ von Promis wie Lukas Podolski oder Lothar Matthäus, um Veranstaltungen „aufzuwerten“; über ihn lassen sich Künstler aus den Bereichen Schlager, Pop und neunziger Jahre buchen – sogar „Corona“, das damals noch kein pandemisches Virus, sondern eine italienische Band war.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer seiner Topkunden bereitet Krampe derzeit allerdings große Sorgen: der „König des Pop-Schlagers“, Michael Wendler. Ob Wendler künftig, wie Pro Event bislang formulierte, „nach wie vor bei jedem Auftritt für absolute Begeisterung“ sorgt, ist nach seinen jüngsten Äußerungen mehr als zweifelhaft. Der Sänger von Gassenhauern wie „Sie liebt den DJ“, „Egal“ oder „Ein Zelt auf Westerland“ hat sich nämlich in kürzester Zeit quasi selbst ökonomisch und sozial ins Abseits geschossen.

          Am Donnerstagabend ließ der 48 Jahre alte gelernte Speditionskaufmann die Fans über das soziale Netzwerk Instagram wissen, dass er als Juror aus der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ aussteige. Seinen Entschluss begründete Wendler mit ernster Miene mit der Corona-Krise. Der Bundesregierung warf er in diesem Zusammenhang „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz“ vor. Und die Fernsehsender, darunter auch seinen Haussender RTL, beschuldigte er, „gleichgeschaltet“ und „politisch gesteuert“ zu sein.

          Eine ökonomische Tragödie

          Ein Aufreger für viele in Deutschland und „ein Schock“ für Krampe, wie dieser in Oliver Pochers RTL-Show „Gefährlich ehrlich“ sagte: „Für mich ist er krank.“ Dort erörterte der Manager noch am selben Abend ausführlich und publikumswirksam die „menschliche Tragödie“ des Mannes mit der „Karriere, die nicht klein war“, die aber wohl mit Blick auf 15 Anwälte, die Verträge auflösen wollten, „mit sofortiger Wirkung“ beendet sei.

          Tatsächlich ist es nicht nur eine „menschliche“, sondern auch eine ökonomische Tragödie mit erheblicher Tragweite. Es sind Auftritte, die wahrscheinlich künftig entfallen, da der in den Vereinigten Staaten weilende Wendler nach Krampes Angaben nicht mehr nach Deutschland zurückkehren will. Auch mit seiner TV-Präsenz dürfte erst einmal Schluss sein. Für RTL oder Sat.1 war der ebenso umtriebige wie umstrittene Sänger seit vielen Jahren ein Quotenbringer im Reality-TV-Umfeld. Als Teilnehmer in Formaten wie „Dschungelcamp“, „Promi Big Brother“ oder „Das Sommerhaus der Stars“, zuletzt als Juror für „DSDS“. Wendler verkaufte sich mit Haut und Haaren, inklusive Trauung: Die Doku-Soap „Laura und der Wendler: Jetzt wird geheiratet!“ lief noch im Sommer über die Sender und den Online-Kanal der RTL-Gruppe.

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