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Weltraumtourismus : Mit Boeing ins Weltall

Die Boeing-Raumkapsel CST-100 soll sieben Passagiere befördern können Bild: Boeing

Bisher fliegen nur die Russen private Touristen zur Internationalen Raumstation ISS. Boeing will folgen - und die amerikanische Weltraumbehörde Nasa sich als Gäste im Raumschiff Plätze buchen.

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          Fünf Jahre sind keine lange Zeitspanne. Jedenfalls nicht, wenn es darum geht, als Tourist zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen. Und wenn es nach dem amerikanischen Luftfahrtkonzern Boeing und seinem Partner Space Adventures geht, kann es tatsächlich schon im Jahr 2015 so weit sein: Einsteigen am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, Türen schließen - und andocken an der ISS.

          Der Hintergrund: Im April hatte der amerikanische Präsident Barack Obama die amerikanische Weltraumbehörde Nasa besucht - und dabei die gesamte Raumfahrtplanung für die kommenden Jahrzehnte verändert. Seither geht es für die Nasa zum Mars nicht mehr über die Zwischenstation Mond. Und den Transport von und zur Internationalen Raumstation sollen private Unternehmen für die Nasa organisieren. An dieser Stelle kommt Boeing ins Spiel. Das Unternehmen macht sich berechtigte Hoffnungen, diesen Transport übernehmen zu können, auch wenn es in Amerika über die Finanzierung und die Rolle der Nasa nach dem Auftritt Obamas noch Diskussionen auch unter den zuständigen Politikern in Washington gibt.

          Jedenfalls hat Boeing in diesem Jahr die Zusage erhalten, gemeinsam mit dem Unternehmen Bigelow Aerospace aus Las Vegas eine Weltraumkapsel mit dem Namen CST-100 entwickeln zu dürfen, die sieben Passagiere zur ISS befördern können soll. Da die Nasa bisher aber nur plant, mit einem Flug jeweils vier Astronauten zur Raumstation fliegen zu lassen, blieben drei Plätze für zahlende Touristen frei. Und diese könnte die Allianz von Boeing und Space Adventures ins All befördern.

          Einen Rückstand aufholen

          In dem Bündnis wird sich Space Adventures um die Vermarktung der Reisen kümmern, Boeing um die Technik. Einen Preis für das Flugticket ins All nannten die Unternehmen zur Vorstellung ihres Projekts in dieser Woche nicht. Bisherige Weltraumtouristen, die mit russischen Sojus-Fluggeräten ins All kamen, hatten jeweils etwa 40 Millionen Dollar bezahlt. Das gilt zum Beispiel für den Gründer des Cirque du Soleil, Guy Laliberté, der zu diesem Preis den Flug und einen Aufenthalt von acht Tagen in der Raumstation gebucht hatte. Hier wollen die Amerikaner mithalten: Ziel sei es, „Raumfahrt-Kunden einen sicheren und erschwinglichen Transport“ zu bieten, sagte der zuständige Boeing-Manager Brewster Shaw.

          Die traditionell wettbewerbsorientierten Amerikaner haben gegenüber Russland einen Rückstand aufzuholen: Vom Boden der Vereinigten Staaten ist bisher noch nie ein Tourist in den Weltraum geschossen worden; die Russen haben dies schon in acht Fällen getan. Zudem befindet sich die Raumschiff-Flotte der amerikanischen Spaceshuttles zurzeit auf einer Art Abschiedstournee: Im Mai war die Raumfähre Atlantis zum letzten Mal zur Internationalen Raumstation geflogen. Nur noch zwei Shuttle-Missionen sind geplant, je eine mit der Endeavour und der Discovery. Vielleicht wird es noch einen weiteren, dritten und dann wirklich letzten Flug geben - aber dann ist die Ära der Spaceshuttles endgültig zu Ende.

          Nasa: eine Behörde im Umbruch

          Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die stolze Nasa derzeit eine Behörde im Umbruch ist. Über ihre Zukunft wird derweil gestritten. Im Repräsentantenhaus liegt ein Budgetentwurf, der sich um die Rede Obamas im April wenig schert und weiterhin Geld für den Bau einer neuen Rakete, der Ares I, bereitstellt, an der die Nasa schon seit Jahren arbeitet. Obamas Vorschlag hingegen würde den Schwerpunkt auf die privaten Vorhaben wie das von Boeing legen. Die Nasa würde in diesen Raumschiffen fortan einfach Plätze buchen.

          Obamas Hintergedanke ist, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und Kosten senkt, eine neue, private Raumfahrtbranche mit vielen Arbeitsplätzen entsteht und so Geld für Nasa-Missionen übrig bleibt, das die Astronauten viel tiefer ins Weltall und bis zum Mars führen wird. Der Unterschied zwischen den beiden Budgetentwürfen ist für Boeing und andere private Unternehmen signifikant: Das Repräsentantenhaus plant für sie mit jeweils 150 Millionen Dollar in den kommenden drei Jahren. Obama hat insgesamt 6 Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren vorgesehen. Der Senat verfolgt eine Kompromisslinie, die sich näher an dem Vorschlag des Präsidenten bewegt; noch gibt es aber keine endgültige Entscheidung.

          Wer nicht auf die amerikanische Politik, also bis 2015 oder länger, warten will, könnte auch bei Richard Bransons Firma Virgin Galactic einen Flug buchen. Diese verspricht, Touristen schon ab 2011 in den Weltraum zu fliegen. Der zweistündige Ausflug, auf dem man allerdings nur sechs Minuten im All ist, soll 200.000 Dollar kosten. Auch der Amazon-Gründer Jeff Bezos baut unter dem Name Blue Origin einen Weltraumflughafen.

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