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Wellenkraftwerke : Die Steckdose im Meer

Potentieller Energiespender: Die Pelamis P2 vor der Küste von Großbritannien Bild: Pelamis

Deutsche Unternehmen investieren in britische Wellen- und Gezeitenkraftwerke. Die Meeresenergie ist heute da, wo die Windkraftbranche vor 40 Jahren stand: Am Anfang.

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          Das schwimmende Kraftwerk sieht aus, wie ein im Wasser treibender riesiger Wurm. 180 Meter lang ist die feuerrot lackierte Pelamis P2, eine stählerne Röhre mit einem Durchmesser von vier Metern. Das technisch Ungetüm ist in mehrere Segmente unterteilt, die über Gelenke verbunden sind. Auf die kommt es an, denn zu Wasser gelassen sollen die einzelnen Glieder der Pelamis (griechisch für Seeschlange) durch die Meereswellen in Bewegung gesetzt werden. Generatoren im Innern des Geräts erzeugen daraus Elektrizität, die über eine Unterwasser-Kabelverbindung ans Festland geleitet wird.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Hersteller, ein schottischer Mittelständler mit 70 Mitarbeitern, verspricht, dass die Konstruktion genug Strom für 500 Haushalte liefere. Das Interesse ist groß. Am Wochenende besuchte der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Li Keqiang die kleine Fabrik in Edinburgh, um sich das Gerät anzuschauen. "Die Meeresenergie ist die nächste große Herausforderung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien", sagt Amaan Lafayette. Der Brite leitet beim europaweit aktiven größten deutschen Energiekonzern Eon ein kleines Team von fünf Mitarbeitern, die in den nächsten Jahren herausfinden sollen, ob mit Wellen und Gezeiten in Zukunft einmal Geld zu verdienen sein wird. Vergangenen Sommer hat Eon die Pelamis-Seeschlange in der rauen See vor den schottischen Orkney-Inseln getestet.

          Zeit der Pioniere

          Es ist die Zeit der Pioniere. Die Meeresenergie ist heute da, wo die Windkraftbranche vor 40 Jahren stand: Am Anfang. Über den Wellen investieren die Energieversorger inzwischen kräftig - vor Europas Küsten sind Windparks geplant. Die Stromgewinnung im Meer selbst ist für die Energieriesen neues Terrain. Bisher weiß niemand so recht, welches Potential wirklich in der Meeresenergie steckt. Aber fast alle großen europäischen Versorger und ihre Lieferanten loten den Markt aus. Deutsche Großkonzerne sind mit dabei.

          Die Pelamis-Seeschlange in der kleinen Fabrik im schottischen Edinburgh

          Noch ist der finanzielle Einsatz gering. Siemens hat sich mit einem einstelligen Millionenbetrag beim englischen Anlagenbauer Marine Current Turbines (MCT) eingekauft. Das Unternehmen will Unterwasser-Propeller ins Meer pflanzen, um Strom aus dem Gezeitenwechsel zu erzeugen. Der Siemens-Konkurrent ABB investierte in ein Unternehmen namens Aquamarine Power, einen schottischen Hersteller, der ein Gerät namens Oyster (Auster) baut, ein auf dem Meeresboden verankertes riesiges stählernes Paddel, das von den Wellen in Bewegung gesetzt wird. Der Eon-Rivale RWE hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem schwäbischen Anlagenbauer Voith gegründet, das auf Meeresenergie spezialisiert ist. Der schwedische Energieriese Vattenfall und die spanische Iberdrola sind ebenfalls aktiv.

          Der Vorteil der Meereskraftwerke: Ihre Stromausbeute ist vergleichsweise gut planbar. Offshore-Windräder drehen sich nur, wenn der Wind weht. Zumindest der Gezeitenstrom ist exakt prognostizierbar. Optimisten sagen dem Meeresstrom eine große Zukunft voraus, theoretisch sei vor allem bei der Wellenenergie die Zahl der möglichen Standorte nahezu unbegrenzt.

          Riesenpaddel, Seeschlangen, Rotoren

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