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Weleda hat Probleme : Kosmetik und Salben aus dem Waldorf-Garten

Das heißt nicht, dass der Manager firm ist in der Lehre der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Oder sich im Heilpflanzengarten auskennt. Hier haben die Profis das Sagen, die wissen viel zu erzählen über die Kräfte der Pflanzen. Über das Johanniskraut zum Beispiel erläutert ein Agraringenieur: „Die Pflanze bringt Licht dorthin, wo der Mensch im seelischen Dunkel lebt.“ Deshalb werden die Produkte häufig bei Depressionen angewendet.

Der Weg durch den Garten führt vorbei an Brennnesseln, Spitzwegerich und Rosen, wo sich etliche Enten tummeln, damit sie die Schnecken fressen. Das entspricht der natürlichen Art der Schädlingsbekämpfung, die chemische Keule ist bei Weleda untersagt.

Anthroposophischer Hintergrund oft nicht bekannt

Die Enten zwischen den Kräutern, die blumige Sprache vom seelischen Dunkel, die kosmischen Rhythmen des Mondes, das alles gehört zu Steiner und damit zu Weleda. Steiner hat Weleda 1923 zusammen mit Ita Wegman gegründet, bis heute halten die Anthroposophische Gesellschaft und die Ita Wegman Klinik die Mehrheit der Anteile. Die wenigsten Kunden wissen um den anthroposophischen Hintergrund – wie bei vielen anderen Unternehmen der Steiner-Anhänger. Die zahlreichen Waldorf-Schulen und -Kindergärten (momentan ein Exportschlager in Amerika und China) zählen dazu. Dr. Hauschka und Wala, die GLS-Bank, die Software AG in Darmstadt und natürlich alle Demeter-Betriebe und deren Produkte. Für die Anhänger sind die Marken heute meist einfach bio, cool und hip. Etliche Popstars und Hollywood-Sternchen haben sich als Anhänger der Weleda-Kosmetik geoutet. Rihanna, Adele und Victoria Beckham schwören auf die Bodylotion „Skin Food“. Für diese Gratiswerbung blättern andere Unternehmen oft Millionen hin. Weleda zahlt gar nichts.

Die Marke profitiert vom Vertrauen, das die Kunden in sie haben. Doch wurde dieses 2012 kurz erschüttert, als publik wurde, dass Weleda mit anderen Heilmittel-Herstellern einen dubiosen Blog finanzierte (mit insgesamt 43.000 Euro im Jahr), der, so schrieb eine Zeitung, „die Kritiker ihrer Produkte anschwärzt – bei jedem herkömmlichen Pharmakonzern wäre dies ein Skandal“. Weleda trennte sich umgehend von dem Blogger, bevor die Geschichte einen bleibenden Schatten hinterließ. Der Blog wurde eingestellt. Das tragische Ende: Der 41-Jährige nahm sich Anfang dieses Jahres das Leben.

Der Fall zeigt: Schulmedizin oder Globuli, das ist heute noch eine Glaubensfrage. Bei Weleda begegnet man dieser sachlich. Das entspricht dem Naturell der neuen Geschäftsführung, die viel geändert hat, um Weleda auf Kurs zu bringen. Seither verdienen sie wieder Geld, der Gewinn hat sich 2013 verdreifacht auf 33 Millionen Euro. Die Schulden schrumpfen, der Umsatz wächst. Der Turnaround ist geschafft. Manche Anhänger fürchten allerdings um die Wurzeln der Firma, wenn Heinisch gar so begeistert über Schuldenabbau, Evaluationen und Stakeholder spricht. Da fehlt das Blumige.

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