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Fiat-Chrysler und Renault : Welche Rolle spielt Nissan in der geplatzten Fusion?

Renault-Aufsichtsrat Jean-Dominique Senard und Nissan-Chef Hiroto Saikawa im März 2019 in Yokohama Bild: AFP

Überraschend hat Fiat-Chrysler in den Fusionsgesprächen mit Renault den Stecker gezogen und dem französischen Staat die Schuld dafür gegeben. Dieser verweist auf Nissan – doch der japanische Konzern hüllt sich in Schweigen.

          Der japanische Autohersteller Nissan, der seit über 20 Jahren in einer Allianz mit Renault verbunden ist, reagierte auf die geplatzte Fusion mit Fiat-Chrysler am Donnerstag mit Schweigen. Das Unternehmen war zu keiner Stellungnahme bereit. Präsident und Operativ-Chef Hiroto Saikawa wurde am Morgen von japanischen Journalisten mit den Worten zitiert, er habe noch keine formale Nachricht erhalten. Der Aktienkurs Nissans an der Börse in Tokio gab zeitweise um 3,6 Prozent nach, schloss den Handel aber nur noch 1,7 Prozent im Minus mit 749,9 Yen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die beiden Vertreter Nissans im Verwaltungsrat von Renault sollen sich zuvor in den Diskussionen über Fusionsverhandlungen mit Fiat-Chrysler der Stimme enthalten haben. Ein Vertreter der Gewerkschaft CGT soll seinen Widerstand deutlich gemacht haben.

          Die französische Regierung hatte einen Aufschub der Entscheidung von Renault gewünscht und zur Begründung auf die fehlende Zustimmung Nissans zu dem Plan verwiesen. Es seien weitere Diskussionen notwendig. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire reist am Wochenende zum Treffen der G-20-Finanzminster in Japan und könnte die Gelegenheit nutzen, mit Nissan zu sprechen.

          Renault bedauerte am Dienstag in einer Pressemitteilung, dass es die Gespräche mit Fiat-Chrysler nicht weiterverfolgen könne. Ausdrücklich bedankte sich Renault bei Nissan für dessen „konstruktive Herangehensweise“. Italien machte indessen „politische Einmischung“ für das Scheitern der Fusion verantwortlich. „Wenn die Politik versucht, in wirtschaftliche Vorgänge einzugreifen, verhält sie sich nicht immer korrekt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen“, sagte der stellvertretende Regierungschef Luigi Di Maio am Donnerstag einem italienischen Radiosender. 

          Gerangel mit Renault geht weiter

          Nissan war vergangene Woche von dem Fusionsangebot Fiat-Chryslers für Renault anscheinend überrascht und auch vom französischen Partner nicht vorab eingeweiht worden. Eine klare Absage an eine solche Fusion gab es seither aus Yokohama, dem Stammsitz von Nissan, zwar nicht. Saikawa aber gab auch keine Zustimmung zu dem Projekt.

          Eine Stellungnahme von ihm vor den entscheidenden Sitzungen in Paris ist sehr differenziert zu lesen. Zum einen pries Saikawa darin die möglichen Vorteile einer erweiterten Kooperation, falls sich Fiat-Chrysler der bestehenden Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi Motors anschlösse. Zum anderen aber betonte der Nissan-Präsident, dass Nissan nach einer vollständigen Fusion von Renault mit Fiat-Chrysler mit einem signifikant anderen Unternehmen kooperieren würde. Das erfordere eine grundlegende Überprüfung der bestehenden Vertragsverhältnisse zwischen Nissan und Renault, verwies Saikawa auf den Schutz der Interessen Nissans.

          NISSAN MOTOR

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          In Kreisen Nissans wird die von Saikawa angemahnte Überprüfung der Verträge als simple Notwendigkeit dargestellt, weil der Vertragspartner sich wandeln würde. Man könnte es indes auch als Versuch interpretieren, in möglichen Gesprächen mehr für Nissan herauszuholen. In einer Allianz mit Fiat-Chrysler-Renault wäre Nissan Juniorpartner, obwohl es mit seinem Know-how über elektrische Autos viel Wert in die Kooperation einbringen würde.

          Schon einmal hatte Saikawa als Vize-Vorsitzender, damals noch unter Vorsitz und des früheren Chefs Carlos Ghosn, in Verhandlungen mit Renault Nissans Eigenständigkeit in der Allianz gestärkt. Das war 2015, als die französische Regierung ihren Einfluss auf Renault ausweitete und Nissan sich vehement dem zunehmenden Staatseinfluss widersetzte.

          Mit dem Ende der Fusionsgespräche zwischen Renault und Fiat-Chrysler rückt für Nissan wieder das Gerangel mit Renault um die künftige Form der Zusammenarbeit mit den Franzosen in den Vordergrund. Nissan hatte sich zuletzt dem Vorschlag Renaults, die bestehende Allianz der unabhängigen Partner unter einer Dachgesellschaft zusammenzufügen, widersetzt. Seitdem der frühere Chef der Autoallianz, Ghosn, in Japan inhaftiert und wegen Verstößen gegen börsliche Offenlegungspflichten und Veruntreuung angeklagt ist, ist das Verhältnis zwischen Renault und Nissan angespannt. Dass Renault Nissan vorab nicht in die Fusionspläne mit Fiat-Chrysler eingeweiht hatte, wird das Vertrauensverhältnis nicht gestärkt haben.

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