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Wein aus Neuseeland : Pazifische Tropfen

Von den blauen Bergen kommt der Wein: Weinanbaugebiet Central Otago auf der Südinsel Neuseelands. Bild: Peter Badenhop

Neuseeland ist ein Weinbau-Neuling, und die Produktion nimmt stetig zu. Der größte Teil der Weine wird exportiert. Im Niedrigpreisland Deutschland punkten die Kiwi-Winzer vor allem mit Qualität.

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          Der Blick auf die berühmte Cloudy Bay ist atemberaubend. Im Tiefflug geht die Maschine über die Marlborough Sounds, die faszinierende fjordartige Landschaft an der Nordspitze von Neuseelands Südinsel, und ein paar Minuten später können die Passagiere in aller Ruhe die endlosen Rebflächen rund um die Kleinstadt Blenheim betrachten: Marlborough ist das Herzstück des neuseeländischen Weinbaus und inzwischen in aller Welt als Heimat fruchtbetonter, frischer Sauvignon-Blanc-Weine bekannt. Bob Campbell, Neuseelands renommiertester Weinexperte, steht mit Pilotenmütze und Mikrofon vor der Cockpit-Tür, gibt einen Überblick über die Anbauregion und macht ein paar Bemerkungen zu den Weinen, die gerade – passend zum Ausblick – ausgeschenkt werden. Einige der Chinesen unter den gut 50 Gästen sind eingeschlafen, die anderen stellen Fragen und machen sich Notizen, bevor der Charterflieger Richtung Nordinsel abdreht.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          New Zealand Wine, der Verband der neuseeländischen Weinproduzenten, hat die Gruppe von Sommeliers, Händlern und Journalisten aus 14 Ländern zu dem außergewöhnlichen Flug über vier der zehn Weinregionen Neuseelands eingeladen. Die internationalen Gäste sollen ein Gefühl für die Vielfalt und Dynamik der Weinindustrie bekommen und die Tropfen von den beiden Pazifikinseln in ihrer Heimat bekanntmachen. Vor dem Flug haben sie deshalb schon zahlreiche Winzer und Güter besucht und an einer großen Pinot-Noir-Konferenz in der Hauptstadt Wellington mit mehr als 600 Delegierten teilgenommen.

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          Der Aufwand, den der Verband treibt, ist enorm – aber Neuseelands Weinmacher haben keine andere Wahl. Angesichts von nur 4,2 Millionen Einwohnern und einer sich langsam wandelnden, aber immer noch dominierenden Bier-Kultur, sind sie auf den Export angewiesen. Gut 80 Prozent ihrer Produktion verschiffen sie ins Ausland, die wichtigsten Märkte sind die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Kanada und immer stärker auch China inklusive Hongkong. Entsprechend groß ist der Anteil der Gäste aus diesen Ländern am „Wine-Flight“. Die schlafenden Weinexperten aus dem Reich der Mitte nehmen die Veranstalter dabei als Kollateralschaden in Kauf.

          In fünfzehn Jahren den Export verachtfacht

          Neuseeland ist im internationalen Vergleich ein Weinbau-Neuling. An einigen Orten auf der Nordinsel wurden zwar schon Anfang des 19. Jahrhunderts Rebstöcke gepflanzt und auch Weine gekeltert, modernen Weinbau gibt es aber erst seit knapp 40 Jahren. Die ersten für eine kommerzielle Produktion geeigneten Reben wurden in den siebziger Jahren importiert. Noch 1978 gab es auf der Nordinsel nur ein paar Dutzend Weinbaubetriebe und auf der gesamten Südinsel gerade einmal drei. Heute sind es insgesamt 675, davon mehr als die Hälfte auf der Südinsel.

          Im Jahr 1990 lag die Anbaufläche im ganzen Land noch unter 5000 Hektar, inzwischen sind es mehr als 36.000 Hektar mit einer jährlichen Produktionsmenge von etwa drei Millionen Hektolitern. Im Vergleich: In Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Weininstituts etwa 13.500 Winzer, die jeweils mehr als einen Hektar bewirtschaften, eine Gesamtrebfläche von mehr als 100.000 Hektar und eine Jahresproduktion von etwa neun Millionen Hektolitern. Der Export macht hierzulande nur etwas mehr als zehn Prozent aus – für die neuseeländischen Produzenten spielt er dagegen die zentrale Rolle – und wächst Jahr für Jahr mit zum Teil zweistelligen Raten. Während die Kiwi-Winzer im Jahr 2002 lediglich 230.000 Hektoliter Wein verschifften, sind es inzwischen jährlich mehr als zwei Millionen Hektoliter.

          Begonnen hat der Aufstieg Neuseelands mit der von der Loire stammenden Sauvignon-Blanc-Traube, und noch immer ist sie die mit Abstand wichtigste Rebsorte, die mehr als die Hälfte der Anbaufläche und fast 86 Prozent der Weinexporte ausmacht. Ausgelöst hat den Boom vor knapp 30 Jahren der Weinmacher Kevin Judd: Sein „Cloudy Bay“, benannt nach der langzogenen Bucht in Marlborough, sorgte mit seiner enormen Frische und überschwänglichen Aromen von Gras, Stachelbeeren und Melone überall für Furore. Noch heute gilt er vielen Kritikern als bester Sauvignon Blanc der Welt, und in Neuseeland hat sein internationaler Erfolg zur Entstehung einer regelrechten Sauvignon-Industrie geführt, die ihren Schwerpunkt nach wie vor in Marlborough hat. Die Region ist mit zwei Dritteln der Gesamt-Rebfläche das mit Abstand größte und wichtigste Anbaugebiet Neuseelands. Einige der Großkellereien dort wirken aus der Luft wie Fabriken inmitten des ausgedehnten Grüns, aber es gibt auch zahlreiche kleinere Betriebe, die sich auf hochwertige, charaktervolle Tropfen spezialisiert haben.

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