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Angst vor dem IS-Terror : Jetzt werden die Weihnachtsmärkte gesichert

  • -Aktualisiert am

Am Wochenende beginnt auch in Düsseldorf wieder der jährliche Weihnachtsmarkt. Bild: dpa

In wenigen Tagen beginnen viele Weihnachtsmärkte in Deutschland. Die Veranstalter warnen vor Panik. Aber Sorgen machen sie sich schon. Und nicht nur sie.

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          „Die Sicherheitsbehörden haben eine verantwortliche Entscheidung getroffen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade eben dazu, warum das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland schließlich doch nicht ausgetragen worden ist. Viele Deutsche dürften diese Entscheidung teilen. Denn überall dort, wo sich viele Menschen dicht an einem Ort versammeln, steigt in diesen Tagen - bewusst oder unbewusst - das Bedürfnis an Schutz und Sicherheit.

          Seitdem im Jahr 2000 vier algerische Islamisten auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt eine Bombe zünden wollten (und rechtzeitig gestoppt wurden), gelten auch Weihnachtsmärkte und Christkindlmärkte als mögliches Ziel terroristischer Anschläge. An diesem Wochenende beginnen die meisten von ihnen in Deutschland. Entsprechend überprüfen Stadtverwaltungen und Polizei gerade nach den brutalen Anschlägen in Paris die entsprechenden Sicherheitslagen und -konzepte. Eingangskontrollen, das ist eine wichtige Besonderheit, sind in dem dichten vorweihnachtlichen Treiben in den Innenstädten schließlich nicht möglich.

          „Wir werden uns jetzt aber nicht in Höhlen verkriechen“, warnt Roman von der Wiesche von der Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH (DMT) vor übertriebener Panikmache. Die DMT richtet die sieben quer über die Innenstadt verteilten Teilmärkte des großen Düsseldorfer Weihnachtsmarktes aus und hat sich in diesem Jahr eigentlich auf  einen neuen Besucherrekord in der als Einkaufsmetropole geschätzten nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt eingestellt.

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          Wie auch während anderer Großveranstaltungen vertraut er in den kommenden Wochen auf die Expertise und die enge Kooperation mit der Polizei. Die Sicherheitskonzepte würden eng mit den zuständigen Behörden abgestimmt, ist auch von Weihnachtsmarkt-Organisatoren in anderen großen Städten zu hören: In Köln beispielsweise wollen die Veranstalter mehr private Sicherheitskräfte über die Märkte schicken und die Buden-Betreiber aufrufen, wachsamer zu sein als in früheren Jahren.

          Auf dem größten hessischen Weihnachtsmarkt in Frankfurt installieren Polizei und Stadt in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Lautsprecheranlage, sagte Polizeisprecher Alexander Kießling. Darüber können Besucher in Sicherheitsfragen angesprochen und Verhaltensweisen empfohlen werden.

          Die Polizei werde zudem mit Streifen und Posten Präsenz zeigen. „Dies schließt offene und verdeckte Maßnahmen sowohl zur Gefahrenabwehr aber auch zur Kriminalitätsbekämpfung mit ein“, sagte Kießling: „Öffentliche Veranstaltungen sind vor dem Hintergrund einer abstrakt hohen islamistischen Bedrohungslage grundsätzlich gefährdet.“ Es lägen aber keine konkreten Erkenntnisse einer Gefährdung des Frankfurter Weihnachtsmarktes vor.

          Erfahrung mit Bombendrohungen

          Auch in den großen Einkaufszentren richten sich die Betreiber auf stärkere Sicherheitsmaßnahmen ein.  „Wir stehen grundsätzlich im intensiven Kontakt mit den Sicherheitsbehörden und stimmen uns entsprechend ab“, bestätigt der Sprecher der Hamburger ECE-Gruppe, dem größten Betreiber von Einkaufszentren in Deutschland. Sollte es Hinweise auf eine Gefahrenlage geben, könne man sofort reagieren. Der zur Hamburger Otto-Gruppe gehörende Spezialist verwaltet hierzulande rund einhundert Einkaufszentren, die täglich von mehreren Millionen Kunden besucht werden.

          In der Vergangenheit sind Warenhausunternehmen immer wieder mit anonymen Bombendrohungen konfrontiert worden. Meist blieb es bei Warnungen und Erpressungsversuchen ohne terroristischen Hintergrund. Eine gewisse Berühmtheit erlangte in diesem Zusammenhang Ende der achtziger Jahre „Dagobert“, der mehrere Sprengsätze und Brandsätze in Warenhäusern von Karstadt zündete und dessen Bombenserie Teil einer der größten Erpressungen in Deutschland wurde. Schon Ende der sechziger Jahre gab es Brandanschläge seitens der zur RAF gehörenden Baader-Meinhof-Bande auf Warenhäuser.

          „Die Einschläge kommen näher“

          Heute, im Jahr 2015, könnte die Angst vor weiteren Anschlägen auch dazu führen, dass das wichtige Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler schlechter ausfällt als von diesen erhofft. „Es ist vorstellbar, dass sich dies auf die Konsumstimmung niederschlägt", sagte Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

          „Das alles lässt uns nicht unberührt",  sagte auch der Präsident des Branchenverbandes HDE, Josef Sanktjohanser. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sprach von Risiken: „Das Segelboot kann auch schnell kippen.“ Und GfK-Beobachter Bürkl kommentierte wiederum: „Die Einschläge kommen jetzt näher", sagte Bürkl. „Es ist möglich, dass der eine oder andere die Innenstädte oder Weihnachtsmärkte meidet.“ Davon könne aber der Online-Handel profitieren.

          Im November und Dezember machen die Geschäfte rund ein Fünftel ihres Jahresumsatzes, Online-Händler sogar ein Viertel. Der HDE rechnet bislang mit einem Umsatzanstieg im Weihnachtsgeschäft von 2 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf knapp 87 Milliarden Euro.

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