https://www.faz.net/-gqe-8wbmm

Weihnachtsaktionen : Bei Kaufhof hängt der Haussegen schief

  • -Aktualisiert am

Der Advent ist für den Einzelhandel die wichtigste Zeit des Jahres. Bild: Amadeus Waldner

Im Weihnachtsgeschäft hatte Galeria Kaufhof seinen Kunden großzügig Rabatte spendiert. Doch jetzt bekommt das Unternehmen dafür Ärger mit seinem Eigentümer. Und es gibt noch mehr Streit.

          2 Min.

          Im Kölner Warenhausunternehmen Galeria Kaufhof scheint es hinter den Kulissen zwischen der Geschäftsleitung und dem kanadischen Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) zu knirschen. Dabei soll es unter anderem um die verschärften Rabattaktionen gehen, mit denen Kaufhof besonders im Weihnachtsgeschäft aufgefallen war, und um die Investitionspläne der Kanadier. Wie das Fachmedium „Textilwirtschaft“ berichtet, steht bei den Kölnern vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Don Watros im Mittelpunkt der Kritik. Der Amerikaner ist bei HBC für das internationale Geschäft verantwortlich und wird laut „Textilwirtschaft“ maßgeblich für die üppigen Rabatte verantwortlich gemacht, mit denen Kaufhof zuletzt auf den scharfen Preiswettbewerb speziell im Textileinzelhandel reagiert hatte. Er setze viele Projekte gegen den Kaufhof-Chef Olivier van den Bossche durch, heißt es weiter. Es ist von übertriebener Einmischung die Rede.

          Van den Bossche hatte jüngst in der Kaufhof-Mitarbeiterzeitung ein schwaches Weihnachtsgeschäft eingeräumt. Auf vergleichbarer Basis habe die Gruppe, zu der auch Filialen in Belgien und den Niederlanden gehören, im vierten Quartal 2 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Jahr zuvor. Entsprechend hatte van den Bossche angekündigt, dass das ursprünglich verkündete ehrgeizige Investitions- und Umbauprogramm in den Warenhäusern zeitlich gestreckt werden solle. Überdies seien die Geschäftsführer der Filialen gebeten worden, Maßnahmen zur Kosteneinsparung zu ergreifen.

          HBC: Vertrauen in die europäischen Manager

          Thema sind derzeit offenbar auch Überlegungen, sich aus dem Tarifvertrag zu verabschieden. Allerdings war anlässlich des Verkaufs der Kaufhof-Gruppe im Sommer vor zwei Jahren zwischen dem Verkäufer Metro und dem Käufer HBC eine Sozialcharta fest vereinbart worden, wonach die Tarifbindung auf fünf Jahre festgeschrieben wurde. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte am Wochenende einen Gedankenaustausch mit der Kaufhof-Geschäftsführung eingeräumt. Man erwarte, dass Kaufhof seiner sozialen Verantwortung gerecht werde und die Tarifbindung nicht in Frage stelle, betonte Verdi. Der Essener Wettbewerber Karstadt war vor Jahren aus dem Tarifvertrag ausgestiegen, hatte sich nach langen erbitterten Auseinandersetzungen mit Verdi vor einigen Monaten aber auf Modalitäten zur Rückkehr verständigt.

          Den Kölner Flurfunk um einen schief hängenden Haussegen wollte ein Kaufhof-Sprecher am Montag nicht kommentieren. Kaufhof und HBC hätten eine starke Partnerschaft und beide Parteien profitierten davon, heißt es in einem Statement des Unternehmens. Die Managementteams arbeiteten eng zusammen und bündelten ihre hohe Branchenexpertise diesseits und jenseits des Atlantiks. „HBC hat von Beginn der Übernahme an betont, dem europäischen Managementteam vollständig zu vertrauen.“ Zudem bekenne man sich zur Tarifbindung und zur Sozial- und Tarifpartnerschaft. Allerdings setze sich das Unternehmen seit vielen Jahren für moderne und wettbewerbsfähige Vereinbarungen ein, die den heutigen Arbeitswelten im Textileinzelhandel entsprächen, so wird betont. Dies werde man auch weiterhin tun.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Bodo Ramelow vor einer Regierungserklärung im Thüringer Landtag.

          Thüringen plant Lockerungen : Mutig oder falsch?

          Die Pläne der Thüringer Landesregierung, den allgemeinen Lockdown wegen der Corona-Pandemie vom 6. Juni an aufzuheben, stößt nicht nur bei Gesundheitsexperten auf scharfe Kritik. Doch in der Bevölkerung erfährt Bodo Ramelows Vorstoß auch Zustimmung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.