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Wegen Haushaltsdefizit : Frankreich prüft Verkauf seines Tafelsilbers

Frankreich will seine Beteiligung am Lufthartkonzern EADS verringern. Bild: dapd

Der französische Staat muss seine Schulden unter Kontrolle bekommen. Offenbar gibt es Pläne, Anteile an Unternehmen zu verkaufen - EADS ist nur ein Beispiel.

          2 Min.

          Die französische Regierung verhandelt derzeit mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, ihre Beteiligung von 15 Prozent zu verringern. Wie das Unternehmen bekanntgab, will die Regierung 1,56 Prozent ihrer Anteile abgeben. Damit würde sie sich ihrem Ziel nähern, ihre Beteiligung auf 12 Prozent zu senken.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die deutsche Bundesregierung und die französische Regierung waren im vergangenen Jahr übereingekommen, nach dem Einstieg des deutschen Staates ins EADS-Kapital beide jeweils 12 Prozent zu halten. Ein möglicher Preis könne bei 37,35 Euro je Aktie liegen, teilte EADS mit. Das entspricht ungefähr dem aktuellen Kurs. Mitte März lag er noch etwas höher, doch seither sank der Wert, weil auch der französische Großaktionär Lagardère in großem Stil Aktien abgegeben hat.

          Zusätzliche Einnahmen, um Haushalt zu sanieren

          Mit dem Aktienverkauf kommt die französische Regierung aber nicht nur einem Abkommen mit Deutschland nach, sondern versucht auch, aus Haushaltsgründen zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg sagte am Sonntag in einem Fernsehinterview, dass die Regierung einige Beteiligungen verringern könnte. „In einigen Unternehmen haben wir beispielsweise 36 Prozent. Wenn wir auf 33 Prozent gehen, was ändert das?“, fragte er.

          Der Minister nahm auch Bezug auf Unternehmen, an denen der Staat 85 Prozent halte. Damit war klar, dass er den Energieerzeuger Eléctricité de France (EdF) meinte, zudem dessen Konkurrenten GdF Suez, an dem Frankreich mit 36 Prozent beteiligt ist. Das Umfeld des Finanzministers Pierre Moscovici bestätigte, dass es in diesen Fragen kein Tabu gebe. Gleichzeitig verfolge die Regierung aber auch keinen gezielten Plan, ihre Beteiligung zu verringern. Bei EdF wäre ein Verkauf derzeit ungünstig, weil der Kurs nur halb so hoch notiert wie 2011. Bei GdF Suez ist die Lage ähnlich. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber Untergrenzen für diese beiden Beteiligungen eingezogen, die im Parlament geändert werden müssten.

          60 Milliarden Euro allein an Börsenunternehmen

          Den Verdacht auf gezielte Beteiligungsverkäufe kam schon auf, als die französische Regierung Ende März bekanntgab, Anteile am Luftfahrtzulieferer Safran zu verkaufen. Die Verringerung der Anteile um 3 Prozentpunkte auf 27 Prozent brachte 450 Millionen Euro, zumal der Safran-Kurs derzeit glänzend dasteht.

          Der französische Staat besitzt Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen in der geschätzten Höhe von mehr als 60 Milliarden Euro - rund 10 Prozent der Kapitalisierung des Börsenleitindex CAC-40. Im Jahr 2006 hat die Regierung 12 Milliarden Euro eingenommen, indem sie Autobahnbetreiber privatisierte. Seither gingen die Beträge deutlich zurück, denn Privatisierungen bleiben in Frankreich höchst umstritten. Zu den größten staatlichen Beteiligungen zählen noch Aéroports de Paris (55 Prozent), France Télécom (13 Prozent), Renault (15 Prozent), Thales (27 Prozent) und Air France-KLM (16 Prozent).

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