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Steakhaus-Kette : Nach Vapiano steht auch Maredo vor dem Aus

Geschlossenes Maredo-Restaurant auf der Düsseldorfer Einkaufsstraße Kö. Bild: Jonas Jansen

Die Gastronomie-Kette meldet Insolvenz an und begründet das mit dem Coronavirus. Doch wie bei den Pasta-Restaurants von Vapiano sind die Schwierigkeiten viel älter.

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          Die Steakhaus-Kette Maredo hat „vorsorglich“ einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Die Maredo-Gruppe betreibt 35 Restaurants in Deutschland und Österreich und beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. „Letztlich Auslöser waren die massiven Auswirkungen der Corona-Krise, die zuerst zu einem gravierenden Umsatzeinbruch und dann zur Schließung aller Restaurants geführt haben“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. „Damit kann das Unternehmen aktuell keine Einnahmen mehr erzielen, gleichzeitig müssen Mieten und Gehälter weiterbezahlt werden.“

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Mit der gleichen Argumentation hatte auch die Pasta-Kette Vapiano in der Vorwoche ihre Zahlungsunfähigkeit begründet. Ebenso wie Vapiano will auch Maredo prüfen, ob Geld vom Staat helfen kann. „Sollte Maredo die Voraussetzungen für Staatshilfe erfüllen, könnte das eingeleitete Verfahren wieder zurückgenommen werden“, heißt es von der Steakhaus-Kette. Ob es dazu kommt, ist aber unklar. Denn ebenso wie bei Vapiano gab es auch bei Maredo lange vor dem Ausbruch des Coronavirus schon gravierende Schwierigkeiten.

          Die teure Expansion misslang

          Denn die Steakhaus-Kette hatte sich auch mit der Expansion verhoben. Gegründet wurde die Marke schon vor 47 Jahren, der Name setzt sich zusammen aus jeweils zwei Buchstaben der drei Gründer Manfred Holl, Karl-Heinz Reinheimer und Udo Schlote. Die Gründer expandierten. Ende der achtziger Jahre eröffneten sie das 20. Maredo-Restaurant in Deutschland.

          Damit hatten sie damals sogar den Wettbewerber Eugen Block überholt. Der hatte schon 1968 mit seiner Kette Block-House in Deutschland angefangen. Mitte der Neunziger wurde das Unternehmen jedoch an den britischen Restaurantbetreiber Whitbread verkauft, der in Europa expandieren wollte.

          2005 gab es dann ein Management Buy Out, die damaligen Geschäftsführer taten sich mit dem Finanzinvestor ECM zusammen. Die Restaurants sollten eigentlich für höhere Umsätze bei niedrigeren Kosten sorgen, was allerdings misslang. Inzwischen gehört Maredo dem Münchner Finanzinvestor Persusa. Unter dessen Führung ist die Zahl der Restaurants nach der teuren Expansion wieder gesunken. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Umsatz mehr als halbiert, zuletzt lag er nur noch bei rund 50 Millionen Euro. Gleichzeitig liegt der Bilanzverlust der vergangenen Jahre in zweistelliger Millionenhöhe.

          „Unternehmen die so angeschlagen in die Krise rein gehen, werden diese wohl kaum aus eigenen Stücken überwinden“, sagt Michael Lidl, Partner der Hotel- und Gastronomieberatung Treugast, mit Blick auf Vapiano und Maredo. Das habe auch daran gelegen, dass mit zahlreichen Burgerketten starke Konkurrenz erwachsen sei. „Gleichzeitig sind auch einige neue, individuelle Steak-House Konzepte im Qualitätssegment neu entstanden“, sagt Lidl. Zudem haben es Wettbewerber wie Block House besser gemacht, die nicht nur eine eigene Fleischerei, sondern auch eine Zentralküche aufgebaut haben, aus der etwa Hotels beliefert werden.

          Außerdem wurde wenig in die Restaurants investiert. „Maredo hat in der gleichen Zeit versäumt ihr Auftreten und ihr Konzept weiterzuentwickeln. So fühlt sich der Gang in ein Maredo-Restaurant an wie eine Reise in die Vergangenheit“, sagt Lidl. Kunden wollen vermehrt beim Ausgehen noch etwas Show dazu haben, weshalb sich immer mehr Restaurants in Erlebnisgaststätten verwandeln. Steaks grillen können sie schließlich auch Zuhause.

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