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Wegen Abwrackprämie : Opel gewinnt Zeit im Überlebenskampf

  • -Aktualisiert am

Im Werk Rüsselsheim wird die Mittelklasselimousine Insignia hergestellt Bild:

Für Opel beginnt eine Woche wichtiger Entscheidungen: Am Montag gibt Barack Obama bekannt, ob er den Mutterkonzern General Motors mit Staatsgeldern am Leben halten will, am Dienstag kommt Angela Merkel nach Rüsselsheim. Infolge der Abwrackprämie hat Opel derweil einige Monate Zeit gewonnen.

          Opel ist nicht mehr unmittelbar von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Die Abwrackprämie hat dem Unternehmen kurzfristig viele Aufträge beschert. Dadurch stimme die bisherige Aussage, Anfang des zweiten Quartals werde Opel die Liquidität ausgehen, nicht mehr, heißt es aus Unternehmenskreisen. „Wir haben einige Monate Zeit gewonnen“, sagte eine Führungskraft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Allerdings sei das kein Grund, sich zurückzulehnen, denn noch immer bestehe kein die Politik überzeugendes Konzept für die Eigenständigkeit. Ohne Staatshilfe aber werde man den Schritt in die Selbständigkeit nicht schaffen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Für Opel und dessen Mutterkonzern General Motors beginnt eine Woche wichtiger Entscheidungen: Am Montag gibt Präsident Barack Obama bekannt, ob er General Motors und den Konkurrenten Chrysler mit Staatsgeldern am Leben halten will. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag vor 3000 Beschäftigten des Autoherstellers Opel in Rüsselsheim eine Rede hält, präsentiert etwa gleichzeitig das Mutterunternehmen General Motors Detroit sein Sanierungskonzept.

          Am Freitag will Merkel mit Obama über Opel sprechen

          Es wird damit gerechnet, dass der amerikanische Staat zusätzliche Kredite gibt. Präsident Barack Obama hatte in der vergangenen Woche bereits gesagt, er sei zu weiterer Hilfe bereit. General Motors hat seit Dezember schon 13,4 Milliarden Dollar von der Regierung bekommen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Chrysler wurde mit 4 Milliarden Dollar unterstützt. Beide Unternehmen haben mittlerweile aber mehr Geld angefordert: General Motors bat um bis zu 16,6 Milliarden Dollar und Chrysler um 5 Milliarden Dollar. Am 31. März läuft eine Frist ab, die General Motors und Chrysler zur Vorlage eines endgültigen Sanierungsplans von der Regierung auferlegt wurde. Obama sagte in der vergangenen Woche, er erwarte von den Unternehmen „drastische Veränderungen“. Er forderte Opfer von allen Interessengruppen, von den Aktionären über die Mitarbeiter, Gläubiger und Lieferanten bis zu den Händlern. Bis Dienstag könnte sich klären, ob General Motors die für Opel wichtigen Patente an die Regierung verpfändet hat. Am Freitag dieser Woche will Kanzlerin Merkel vor dem Nato-Gipfel in Baden-Baden Präsident Obama kurz treffen, um mit ihm unter anderem über Opel zu sprechen.

          Kurz vor dem Besuch der Bundeskanzlerin im Rüsselsheimer Opelwerk war sich indes am Wochenende die Berliner Regierungskoalition noch immer nicht einig darüber, wie der deutsche Autohersteller gerettet werden soll. Fest steht nur, dass die Kanzlerin - anders als von der SPD und von Gewerkschaftern gefordert - nicht das volle Risiko in Form eines staatlichen Einstiegs übernehmen will. Außenminister Frank-Walter Steinmeier dagegen schloss am Wochenende ein derartiges Engagement nicht aus.

          80.000 Bestellungen für die Mittelklasselimousine Insignia

          Die Beschäftigten erhoffen sich von Merkel eine eindeutige Zusage zum Erhalt des Unternehmens. Opel beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, wird aber gleichwohl nicht als systemrelevant für die deutsche Autobranche oder gar die deutsche Industrie insgesamt angesehen. Der Marktanteil ist inzwischen auf 8 Prozent geschrumpft. Deshalb wurde in Berlin schon vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. Die Kanzlerin besucht das Werk in Rüsselsheim für eineinhalb Stunden. Dort wird die vor vier Monaten neu eingeführte Mittelklasselimousine Insignia hergestellt. Für das Modell liegen nach Unternehmensangaben 80.000 Bestellungen vor, wobei unklar ist, wie viele davon nur der Ausstattung der Autosalons dienen und wie viele tatsächlich verkauft wurden.

          Zu Merkels Besuch würden mehr als hundert Journalisten erwartet, teilte das Unternehmen mit. Begleitet wird die Kanzlerin von Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sowie Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch, der der FDP angehört. Geplant ist eine Besprechung mit General-Motors-Europachef Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz. „Der Besuch der Kanzlerin sendet ein deutliches Signal, dass die Menschen bei Opel auf Solidarität zählen können“, sagte Franz am Sonntag. Der Betriebsratsvorsitzende des thüringischen Opel-Werks, Harald Lieske, will Merkel 5000 Unterschriften zur Rettung des Standortes Eisenach übergeben, der für einen eventuellen Verkauf an einen Konkurrenten vorgesehen ist. Am Samstag hatten bereits 3500 Opel-Anhänger mit rund 1000 Fahrzeugen auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses gegen den drohenden Untergang des Unternehmens protestiert. Frühmorgens waren die Liebhaber der Blitzmarke vom Nürburgring und anderen Treffpunkten zu einem Konvoi nach Rüsselsheim gestartet.


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