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Wegen 737 Max : Boeing macht so viel Verlust wie noch nie

Eine Boeing 737 Max wartet auf einem Parkplatz für Mitarbeiter des Unternehmens auf ein Ende des Flugverbots. Bild: AFP

Das Flugverbot trifft Boeing hart: Innerhalb von drei Monaten macht das Unternehmen fast 3 Milliarden Dollar Verlust. Doch die 737 Max ist nicht das einzige Modell, das Probleme macht.

          Das Flugverbot für die 737 Max hat Boeing den größten Quartalsverlust in seiner Geschichte beschert. Der amerikanische Flugzeughersteller meldete für die vergangenen drei Monate einen Nettoverlust von 2,9 Milliarden Dollar, vor einem Jahr hatte es noch einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar gegeben. Das Flugverbot und der damit verbundene Lieferstopp für das wichtigste Model aus Boeings Flotte haben auch dafür gesorgt, dass der Umsatz in der Zivilflugsparte dramatisch gesunken ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die schlechten Nachrichten gingen sogar über die 737 Max hinaus. Boeing teilte außerdem mit, dass sich der erste Flug des neuen Jets 777X wegen Schwierigkeiten mit den von General Electric gelieferten Triebwerken auf Anfang nächsten Jahres verzögern wird.

          Der Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg sprach in einer Mitteilung von „herausfordernden Zeiten“ und einem „definierenden Moment“ für Boeing. Die 737 Max wurde im März von Aufsichtsbehörden aus aller Welt aus dem Verkehr gezogen, nachdem innerhalb von weniger als einem halben Jahr zwei Maschinen des Typs abgestürzt waren. Fluggesellschaften mit dem Modell in ihrer Flotte sahen sich seither gezwungen, Tausende von Flügen zu streichen.

          Umsatzrückgang von 35 Prozent

          Der jetzt verkündete Verlust kam insofern nicht überraschend, weil Boeing schon in der vergangenen Woche finanzielle Belastungen rund um das Flugverbot konkretisiert hat. Der Konzern teilte mit, er werde für das vergangene Quartal allein 5,6 Milliarden Dollar vor Steuern als Entschädigung von Fluggesellschaften verbuchen, sowie weitere 1,7 Milliarden Dollar, die damit zu tun haben, dass die Produktionsraten für die Maschine gesenkt wurden. Schon für das erste Quartal hatte Boeing in diesem Zusammenhang einen Aufwand von einer Milliarde Dollar angesetzt. Boeing hat außerdem kürzlich bekanntgegeben, Angehörige von Opfern der Abstürze und betroffene Gemeinden mit 100 Millionen Dollar zu unterstützen.

          Für den ganzen Konzern meldete Boeing für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang um 35 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Im Geschäft mit Zivilflugzeugen wie der 737 Max gab es sogar ein Minus um 66 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar, im Rüstungsgeschäft stiegen die Umsätze dagegen. Wegen der Unsicherheit über die Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb sieht sich Boeing nicht in der Lage, eine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr abzugeben.

          Die Aufhebung des Flugverbots hängt vor allem von einer Software in der 737 Max ab, die nach vorläufigen Unfallberichten in beiden Abstürzen eine Rolle gespielt haben soll. Boeing hat die Software nachgebessert, und dieses Update muss von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Wie Muilenburg am Mittwoch sagte, hofft Boeing, die notwendigen Unterlagen für die Zertifizierung im September bei den Behörden einzureichen und damit einen Wiedereinsatz der Maschine im vierten Quartal zu ermöglichen. Die Rückkehr hat sich verzögert, unter anderem weil die amerikanische Flugaufsicht FAA im Juni bei Tests an Simulatoren ein neues Sicherheitsrisiko entdeckt hat.

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