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Scheidender Daimler-Chef : Weg frei für Zetsche im TUI-Konzern

  • -Aktualisiert am

Noch-Daimler-Chef Dieter Zetsche wechselt in den TUI-Aufsichtsrat. Bild: Reuters

Der Reisekonzern TUI will Dieter Zetsche nach dessen geplantem Rückzug aus der Führung von Daimler schon kommende Woche an die Spitze seines Aufsichtsrats wählen.

          Eigentlich sollte Dieter Zetsche schon im vergangenen Herbst an die Spitze des Aufsichtsrats der TUI AG rücken. Doch Stimmrechtsberater aus Großbritannien, sogenannte Proxy Advisors, die in dem Reisekonzern aus Hannover wegen seines großen Anteils britischer Aktionäre hohe Bedeutung haben, machten den Plan zunichte. Solange Zetsche der Vorstandsvorsitzende von Daimler sei, so ihr Argument, könne er nicht gleichzeitig den Aufsichtsrat eines großen Unternehmens leiten. Denn dann sei er durch zu viele Aufgaben überlastet. Am Ende musste TUI einlenken und den Wechsel auf eine Zeit verschieben, zu der „in Bezug auf Herrn Dr. Zetsche keine Konflikte mehr mit den Regeln der Stimmrechtsberater bestehen“, wie es damals hieß.

          Jetzt steht dieser Zeitpunkt kurz bevor. Nach der Hauptversammlung von Daimler am Mittwoch kommender Woche gibt der 66 Jahre alte Spitzenmanager, der seit 2006 an der Spitze des Autoherstellers aus Stuttgart steht, den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Ola Källenius ab. Dann will auch die TUI Group keine Zeit mehr verlieren. Nach Informationen der F.A.Z. soll ihr Aufsichtsrat schon am Tag darauf, am Donnerstag, dem 23. Mai, Zetsche, der schon seit vergangenem Jahr einfaches Mitglied in dem Gremium ist, zum neuen Vorsitzenden wählen. Er übernimmt den Posten von Klaus Mangold, 75 Jahre alt, der eigentlich schon die interne Altersgrenze für Aufsichtsräte überschritten hat, aber zuletzt eingewilligt hatte, so lange weiterzumachen, bis Zetsche an seine Stelle rücken kann.

          Dass es spätestens im Mai so weit sein würde, war allen klar. Deshalb haben sich viele interne Abläufe schon an Zetsche ausgerichtet. „Wenn der designierte Nachfolger schon im Haus ist, dann ändern sich schnell die Kommunikationskanäle“, sagt ein ranghoher TUI-Manager, der nicht genannt werden will. Es verstehe sich von selbst, dass Zetsche zuletzt immer in wichtige Entscheidungen eingebunden worden sei. Insofern sei der Wechsel – auch durch die erzwungene Übergangsphase – gut vorbereitet. Sein Amt als einfacher Aufsichtsrat hatte der Daimler-Chef schon im Februar 2018 angetreten. Damals wählten ihn die Aktionäre von TUI auf der Hauptversammlung in Hannover mit 96,68 Prozent der Stimmen. Mit dem Vorstandsvorsitzenden Fritz Joussen versteht er sich angeblich gut. Beiden arbeiteten im „engsten Einvernehmen“, heißt es.

          Hoffnung auf wichtige Impulse

          Das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender übernimmt Zetsche in einer Zeit, in der TUI mit Turbulenzen kämpft. Der Aktienkurs hat sich seit dem Frühjahr 2018, als der höchste Stand seit Jahren erreicht worden war, auf etwa 9,20 Euro fast halbiert. Den letzten großen Kursrutsch hatte es im Februar gegeben, als das Unternehmen wegen wachsenden Gegenwinds auf den Reisemärkten seine Geschäftsprognose reduzieren musste. Schleppende Buchungen nach dem Hitzesommer 2018, unerwartet starke Verschiebungen der Reiseziele, weg von Ländern wie Spanien hin zur Türkei, und wachsender Preisdruck treffen zwar einige Wettbewerber noch weit härter, wie zuvor schon bekanntgeworden war. Trotzdem zeigten sich die Märkte von der Schwächephase der TUI überrascht.

          Um unabhängiger von solchen Schwankungen zu werden, setzt der Vorstandsvorsitzende Joussen verstärkt auf eigene Hotels und Kreuzfahrtschiffe, die gegenüber dem klassischen Geschäft als Reisevermittler eine wachsende Bedeutung haben. Diese Strategie sei auf Kurs, heißt es im Unternehmen. Offene Fragen gebe es dagegen zur Digitalisierung, welche die ganze Reisebranche auf den Kopf stellt. Genau hier könne Zetsche wichtige Impulse geben, sagt ein Arbeitnehmervertreter. Schließlich kenne der Manager mit dem auffälligen Schnauzbart solche disruptiven Prozesse aus der Autobranche, wo Digitalisierung, Vernetzung und Elektrifizierung den Druck auf Fahrzeughersteller wie Daimler, BMW und VW erhöhten.

          Zwar treibt TUI die Digitalisierung seiner Prozesse schon mit Hochdruck voran und will unter anderem Buchungen über die Internetseite und mobile Apps hochtreiben. Es besteht aber die Sorge, dass vor allem die Tausenden Beschäftigten in den Reisebüros, die TUI im ganzen Land betreibt, auf der Strecke bleiben, wenn digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz einen wachsenden Teil der Aufgaben übernehmen. Um darauf zu reagieren, müsse TUI verstärkt in Um- und Weiterbildung investieren, heißt es.

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