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Internationaler Vergleich : Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Containerschiffe liegen im Hafen von Singapur – im WCC-Ranking ist der Stadtstaat die stärkste Volkswirtschaft der Welt. Bild: Then Chih Wey/Xinhua/dpa

Eine Studie des World Competitive Center zeigt: Die Bundesrepublik rutscht bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern abermals ab – und auch Amerika wird vom ersten Platz der Rangliste verstoßen.

          Wie stark ist der Standort Deutschland im internationalen Vergleich? Diese Frage stellt sich jedes Jahr im Mai, wenn das IMD World Competitive Center (WCC) seine neueste Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt veröffentlicht. Dieses Institut gehört zu der privaten Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne. Wie schon in den Jahren zuvor fällt auch das diesjährige Ergebnis ernüchternd aus: Deutschland ist um zwei Plätze auf Rang 17 zurückgefallen und damit im zweiten Jahr in Folge hinter China (Platz 14) gelandet.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Den ersten Platz errang Singapur. Der Stadtstaat verdrängte die Vereinigten Staaten von der Spitzenposition. Amerika liegt nun hinter Hongkong und vor der Schweiz auf Platz drei unter den 63 untersuchten Ländern. Großbritannien und Frankreich sind jeweils um drei Positionen auf Rang 23 und 31 zurückgefallen. Italien rangiert nur noch auf Platz 44 und damit hinter Indien (43), aber noch vor Russland (45).

          Für die Ermittlung der Rangliste greifen die Wissenschaftler in Lausanne auf 235 Indikatoren zurück, die sie in vier Hauptfelder untergliedern: Wirtschaftsentwicklung, Infrastruktur sowie Regierungs- und Geschäftseffizienz. Dazu nutzen sie die Daten internationaler Organisationen wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds oder Euromonitor. Um neben derlei harten Fakten auch „weiche“ Faktoren aufzunehmen, flossen zusätzlich die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 6000 internationalen Spitzenmanagern in die Bewertung ein.

          So hat sich Singapur Rang 1 gesichert

          Vor fünf Jahren lag Deutschland in dem WCC-Ranking noch auf Platz sechs. Wer anhand der in der Studie aufgeführten Liste der Einzelkriterien den Hauptgrund für dieses Abrutschen sucht, wird schnell fündig: Es ist die Steuerpolitik. Hier liegt Deutschland weit abgeschlagen auf Platz 59. „Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Unternehmenssteuern zu hoch“, sagte der WCC-Chefökonom Christos Cabolis der F.A.Z. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, müssten die Steuern gesenkt werden. Allerdings hatte eine Auswertung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) erst kürzlich gezeigt, dass die ausländischen Investitionen in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hätten.

          Im Fall von Steuersenkungen müsse Deutschland aber gleichwohl darauf achten, die öffentlichen Investitionen in Bildung und Wissenschaft nicht zu vernachlässigen. Der gute Ausbildungsstand der Mitarbeiter gehöre gemäß der Umfrage unter den Managern zu den größten Standortvorteilen des Landes, sagte Cabolis. Mit Blick auf die demographische Entwicklung und den aus seiner Sicht zu schwachen Zuwachs an Erwerbstätigen rät der Ökonom, mehr Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu lotsen. Im internationalen Vergleich sehr gut positioniert sei Deutschland indes auf dem Feld der umweltorientierten Technologien sowie in der Gesundheitsversorgung.

          Singapur ist aufgrund folgender vier Stärken an die Spitze der Rangliste gerückt: der fortschrittlichen technologischen Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Fachkräften, der vorteilhaften Einwanderungsgesetze und der effizienten Ansiedlungsverfahren. Dass der autoritär geführte Stadtstaat die Vereinigten Staaten von Platz eins verdrängt hat, hängt auch mit Donald Trump zusammen.

          Der Handelskonflikt, den der amerikanische Präsident vom Zaun gebrochen hat, hat der größten Volkswirtschaft der Welt nach Ansicht der befragten Manager geschadet. Negativ wirkten überdies die gestiegenen Benzinpreise, die schrumpfenden Hightech-Exporte und der schwankende Dollarkurs. Dass Großbritannien auf Platz 23 abgerutscht ist, erklären die Autoren mit den Unsicherheiten rund um den Brexit.

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