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Affäre um Dax-Konzern : Was wusste das Finanzministerium in der Causa Wirecard?

Die Wirecard-Zentrale in Aschheim Bild: Frank Röth

In der Aufarbeitung des Skandals rückt die Rolle der Bundesregierung in den Fokus. Vor allem ein Gespräch von Finanz-Staatssekretär Kukies und dem ehemaligen Wirecard-Chef Braun hat die Opposition im Blick.

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          Je mehr Details zu den Bilanzmanipulationen des mittlerweile insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard publik werden, desto mehr richten sich die Blicke in Richtung Berlin. Dass es im vergangenen Herbst zwei Treffen zwischen dem Finanzstaatssekretär Jörg Kukies und dem früheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun gab, ist mittlerweile bekannt, nicht aber, worum es in diesen Gesprächen ging. Sie sind als „VS“ eingestuft, als vertrauliche Verschlusssache. Doch das Murren darüber wird in Berlin immer lauter.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Linke und Grüne haben ihren Unmut darüber schon kundgetan. Jetzt erhöhen auch andere Mitglieder des Finanzausschusses im Bundestag den Druck. „Wir erwarten vom Finanzministerium und von Staatssekretär Kukies eine lückenlose Aufklärung der Umstände im Fall Wirecard und dass den Abgeordneten hierfür alle erforderlichen Informationen zur Verfügung gestellt werden“, sagte Antje Tillmann, finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der F.A.Z.

          Sprecher des Finanzministeriums weist Vorwürfe zurück

          Auch Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP, drängt auf Aufklärung. Er will in der Geheimschutzstelle des Bundestags Einblick in die Gesprächsunterlagen nehmen, um sich selbst ein Bild zu machen, ob tatsächlich ein Geheimhaltungsinteresse besteht. „Die Rolle des Bundesfinanzministeriums in der Wirecard-Affäre muss lückenlos offengelegt werden. Da kann es keine Flucht aus der Verantwortung geben“, sagte Toncar.

          Man werde auch keine politischen Bauernopfer akzeptieren, sagte er mit Blick auf die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), der die Bundesregierung kürzlich gekündigt hat. „Ein Untersuchungsausschuss ist eine realistische Möglichkeit, wenn die Bundesregierung bei der Aufklärung nicht alle Karten auf den Tisch legt.“

          Ein Sprecher des Finanzministeriums wies am Montag die Vorwürfe gegen sein Haus zurück. Die entsprechenden Berichte seien „irreführend“, der Bundestag werde zügig informiert, das Ministerium werde alle fraglichen Punkte ausführlich erklären. Ob dem so ist, werden die Abgeordneten schon in Kürze erfahren. Sie haben dem Ministerium einen Fragenkatalog zur Causa Wirecard geschickt, mit der Bitte um Antwort bis Mittwoch dieser Woche.

          Fühlte sich Braun sicher?

          Interessant ist vor allem jenes Gespräch, das Kukies mit Wirecard-Chef Braun im November führte, genauer: am 5. November 2019, Brauns 50. Geburtstag. Einige Tage zuvor hatte Wirecard die Wirtschaftsprüfer von KPMG mit einem Sondergutachten beauftragt. Es sollte die Vorwürfe entkräften, der börsennotierte Zahlungsdienstleister habe Geschäfte erfunden und Bilanzen geschönt. Doch als das KPMG-Gutachten Ende April veröffentlicht wurde, vergrößerte es vielmehr die Zweifel.

          Schließlich verweigerten die angestammten Wirecard-Prüfer von EY der Bilanz das Testat. Es folgten die Insolvenz des Dax-Konzerns und Haftbefehle gegen den Wirecard-Vorstand. Seither wird gerätselt, warum Braun die KPMG-Sonderprüfung überhaupt zuließ. Er musste doch davon ausgehen, dass ein „forensisches Gutachten“ den Schwindel auffliegen lassen würde. Fühlte sich Braun sicher, weil er davon ausgehen konnte, eine höhere Instanz würde den Fall Wirecard decken?

          Ermittlungen wegen Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Geldwäsche

          Braun, der inzwischen einen Großteil seines einstigen Milliardenvermögens mit erzwungenen Verkäufen von Wirecard-Aktien wieder verloren hat, ist gegen Zahlung einer Kaution von 5 Millionen Euro auf freiem Fuß. Sein langjähriger Weggefährte und Vorstandskollege Jan Marsalek wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm werden gute Kontakte zur Geheimdienstszene nachgesagt.

          Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Geldwäsche. Braun steht der renommierte Strafverteidiger Alfred Dierlamm zur Seite. Zudem hat er die Medienanwältin Stephanie Vendt von der Hamburger Kanzlei Nesselhauf mandatiert. Im Umfeld von Wirecard wird geraunt, Braun wolle zu einem „medialen Gegenschlag“ ausholen. Was immer das auch heißen mag.

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