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Volkswagens Lieferstreit : Nächste Runde im Auto-Machtkampf

Die Golf-Produktion in Wolfsburg steht fürs Erste still. Bild: dpa

Volkswagen und seine Zulieferer streiten, dass die Fetzen fliegen. Wenn die Gegner an diesem Montag miteinander verhandeln, steht noch mehr auf dem Spiel als die Produktion in Wolfsburg und Emden.

          An diesem Montag bleibt es ruhig in den Fabrikhallen von Wolfsburg und Zwickau, in denen der Volkswagen-Konzern sonst den Golf baut. Es fehlen die Getriebe aus dem VW-Werk in Kassel, die wiederum nicht produziert werden können, weil die Gehäuse fehlen. Normalerweise kommen sie von einer sächsischen Traditionsfirma, der ES Automobilguss mit Sitz in Schönheide bei Zwickau, gegründet als „Schönheider Hammer“ im 16. Jahrhundert.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ungefähr jeder zehnte Neuwagen auf der Welt hat ein Getriebegehäuse aus dem Erzgebirge. Aber nun, auf einmal, liefert die Firma nicht mehr, jedenfalls nicht an VW: Man habe offene Forderungen an den Konzern, heißt es aus Sachsen.

          Es ist ein Machtkampf zwischen einem Zulieferer und einem Autokonzern, wie es ihn in der Branche noch nie gegeben hat. Zumindest nicht aus diesem Grund. Vor vielen Jahren ruhte bei Ford in Köln die Produktion, weil Schlösser nicht geliefert wurden.

          70 Prozent der Wertschöpfung eines Autos von Lieferanten

          Der Grund war damals aber nicht ein Konflikt um Konditionen, sondern ein Streik im Zulieferbetrieb, der bis heute ganz gut im Geschäft ist. Unternehmerischer „Selbstmord“, wie jetzt oft zu hören ist, war der Lieferstopp damals nicht.

          Die deutschen Autokonzerne und ihre Zulieferer, das war immer eine konfliktreiche, am Ende aber doch symbiotische Beziehung. Man streitet sich um Preise und Lieferbedingungen, der Kostendruck ist hart, der Ton rauh, die Qualitätsanforderungen sind es auch. Ungefähr 70 Prozent der Wertschöpfung eines Autos stammen heute von den Lieferanten.

          Soll der Wagen preislich konkurrenzfähig sein, muss der Hersteller die Lieferanten der Vorprodukte unter Wettbewerbsdruck setzen. Das gilt erst recht in Wolfsburg, wo vor allem die Fahrzeuge der Kernmarke VW als überteuert gelten und der Dieselskandal die Bilanz belastet:

          Beschaffungsvorstand Francisco Sanz hat in der Branche einen ähnlich furchterregenden Ruf wie sein legendärer Vorgänger José Ignacio Lopez, mit dem er einst nach Wolfsburg gekommen war.

          Bis heute das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft

          Die Praktiken sind nicht viel anders als bei Lebensmitteln, wo Discounter wie Lidl oder Aldi gleichfalls mit harten Bandagen verhandeln. Bis jetzt war es am Ende stets so, dass niemand den Konflikt eskalieren ließ, zumal es in der Autobranche zuletzt gut lief:

          Umsatz- und Beschäftigtenzahlen sind seit dem Einbruch in der Weltfinanzkrise ungefähr im Gleichklang gestiegen. Hersteller und ihre Zulieferer sind bis heute das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft, und zumindest die großen Teileproduzenten wie Bosch oder Conti mag man sich nicht als geknechtete Erfüllungsgehilfen vorstellen.

          Zu den Größeren der Branche zählt auch ein Unternehmer aus Bosnien, mit dem VW seit Jahren lange kooperiert. Nijaz Hastor arbeitete schon für den Wolfsburger Konzern, als es das alte Jugoslawien noch gab und ein Werk in Sarajevo dafür sorgte, dass zwischen Laibach und Skopje nicht etwa ein klappriger Trabi oder Lada das Standardfahrzeug war, sondern ein Golf in westlicher Qualität.

          Mit der Beschaulichkeit ist es bei Prevent vorbei

          Als die bosnische Hauptstadt 1992 im Krieg versank, nutzte Hastor seine Kontakte in der Autobranche, um von Slowenien aus ein Netz von Zulieferfirmen aufzubauen.

          Heute herrscht die Familie über ein verschachteltes Konglomerat von Firmen, die Prevent-Gruppe. Neben Autoteilen wie Sitzbezügen oder Fensterscheiben produziert sie auch Möbel, Kleidung und Yachten. Seit 1992 sitzt der deutsche Ableger in Wolfsburg, in denkbar größter Nähe zum wichtigsten Kunden. Nach dem Ende des Bosnien-Krieges nahm 1998 auch „Volkswagen Sarajevo“ wieder den Betrieb auf, jetzt als Joint-Venture von VW und Prevent. Die Geschäftsbeziehung ist alt, eng und bislang allem Anschein nach vertrauensvoll.

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