https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/was-machen-astronauten-im-all-mit-ihren-schmutzigen-anzuegen-17718842.html

CES in Las Vegas : Was Astronauten mit ihren schmutzigen Unterhosen machen

Der Dream Chaser-Raumgleiter und Astronautenkleidung von Sierra Space auf der CES in Las Vegas Bild: AFP

Der Weltraumtourismus ist keine Dystopie mehr. Waschmittel für Astronauten oder Medikamente aus dem 3-D-Drucker – neue Lösungen für ein Leben im All findet man auf der CES in Las Vegas.

          3 Min.

          Es gibt bislang keine praktikable Lösung zum Waschen schmutziger Bekleidung im Weltall – vor allem weil dafür nicht genug Wasser zur Verfügung steht. Das ist etwas, worüber sich der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble einige Gedanken macht. Astronauten auf der Raumstation ISS ziehen ihre Bekleidung mehrfach an, um sie dann nach einiger Zeit mit neuer Kluft auszuwechseln. Der Nachschub an Textilien kommt oft neben anderer Fracht an Bord diverser Versorgungsflüge von Raketen. Mangels Waschmöglichkeit wird derzeit je Besatzungsmitglied Bekleidung mit einem Gewicht von rund 70 Kilogramm im Jahr zur ISS befördert, rechnet P&G vor. Und das Liefern neuer sauberer Kleidung werde umso aufwendiger, wenn Astronauten weiter entfernte Ziele wie den Mond oder den Mars ansteuern.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Unlängst hat der Konzern daher für seine Waschmittelmarke Tide eine Allianz mit der US-Raumfahrtbehörde NASA geschlossen, über die er jetzt auch im Rahmen der CES gesprochen hat. Denn er testet bereits Möglichkeiten, Bekleidung in einem Umfeld mit begrenztem Wasser zu säubern. Das soll dann nicht nur bei künftigen Missionen im Weltraum helfen, sondern auch Ansätze für Waschmittelinnovationen liefern, die auf der Erde einen Nutzen bringen.

          Raumfahrt ist in diesem Jahr zum ersten Mal ein größeres Thema auf der CES, das Waschprojekt von P&G ist dafür nur eines von mehreren Beispielen. Es gibt auch erstmals eine kleine Sonderschau mit Unternehmen, die im Weltraum Geschäfte machen wollen. Auf dem zen­tralen Platz vor dem Kongresszentrum steht sogar ein lebensgroßes Modell eines Raumschiffs, das in Zukunft zur ISS und anderen Zielen im Weltall fliegt. Die Präsenz auf der CES kommt nach einem sehr ereignisreichen Jahr für die Raumfahrt.

          F+Newsletter – das Beste der Woche auf FAZ.NET

          Samstags um 9.00 Uhr

          ANMELDEN

          Ein bisschen All für Alle

          Multimilliardäre wie Jeff Bezos und Richard Branson machten mit ihren jeweiligen Weltraumunternehmen Blue Origin und Virgin Galactic selbst Trips ins All. Auch Elon Musks Unternehmen Space X absolvierte eine Privatreise in den Weltraum, wobei er nicht selbst an Bord war. All diese Missionen gelten als Türöffner für Weltraumtourismus und dürften dazu beigetragen haben, dass Raumfahrt für ein breiteres Publikum relevanter geworden ist.

          Das Raumschiff auf dem Platz vor dem Kongresszentrum heißt Dream Chaser und gehört Sierra Space. Das amerikanische Unternehmen plant, damit Versorgungsmissionen zur ISS zu machen, und hat auch einen entsprechenden Auftrag der NASA, ähnlich wie der Wettbewerber Space X, der solche Flüge schon seit Jahren absolviert. Der Dream Chaser soll nach jetziger Planung Ende dieses Jahres zum ersten Mal abheben. Sierra Space sieht die Flüge zur ISS aber nur als einen Baustein in einer viel breiteren Strategie, sagt John Roth, der als Vice President für Unternehmensentwicklung zuständig ist.

          Das Crew Dragon-Raumschiff von Space X
          Das Crew Dragon-Raumschiff von Space X : Bild: AFP

          Zukunftsvisionen werden konkreter

          Zusammen mit Blue Origin arbeitet das Unternehmen an einer kommerziellen Raumstation namens Orbital Reef, die eine Art Industriepark im Weltall werden soll. Dort könnten dann eines Tages Pharmaunternehmen Arzneimittel herstellen oder Dinge mit 3-D-Druck gefertigt werden. Es gebe viele Produktionsprozesse, die von der Schwerelosigkeit im Weltraum profitieren könnten, sagt Roth, und es werde an weiteren Anwendungen geforscht. „Da wird es noch etliche technische Durchbrüche geben.“

          All das passt auch zur Vision von Jeff Bezos, dem Partner von Sierra Space, der oft von einer Zukunft gesprochen hat, in der viele Menschen im Weltall leben und arbeiten. Teil der Raumstation sollen auch von Sierra Space entwickelte Kon­struktionen sein, die als Wohn- und Arbeitsräume vorgesehen sind. Sie sollen aufblasbar sein und sich über drei Stockwerke erstrecken. Die Station soll nach Roths Worten von Industriekunden genutzt werden, aber auch von der NASA. Die US-Raumfahrtbehörde sucht nach kommerziellen Alternativen für die ISS, die Ende des Jahrzehnts ausrangiert werden soll. Sie hat dazu auch Aufträge an Blue Origin und Sierra Space sowie einige andere Anbieter vergeben. Orbital Reef soll Roth zufolge einsatzbereit sein, bevor das Ende der ISS kommt. Der ­Dream Chaser soll für den Transport zu der Raumstation genutzt werden. Roth kann sich vorstellen, damit auch Weltraumtouristen zu befördern.

           Auch der deutsche Bosch-Konzern zeigt in Las Vegas ein Produkt, das im Weltraum zum Einsatz kommt. Es handelt sich um ein Sensorensystem mit dem Namen „Sound See“, das auf der ISS genutzt wird. Mithilfe Künstlicher Intelligenz analysiert es Geräusche und versucht, Anomalien zu finden, die ein Hinweis auf Wartungsbedarf sein könnten. Diese Technologie wird auch anderswo eingesetzt, etwa zur Diagnose von Atemwegserkrankungen mittels der Analyse von Atemgeräuschen.

          Ein Kartendienst für Satelliten

          Ein anderer Aussteller aus dem Raumfahrtsegment ist das koreanische Unternehmen Spacemap, dessen Geschäft an der rasant zunehmenden Zahl von Satelliten im All ansetzt. Space X ist zum Beispiel mit seinem Projekt „Starlink“ dabei, etliche Tausend Satelliten in den Weltraum zu bringen, um von dort aus die Erde mit Internetzugängen zu versorgen. Ähnliche Pläne, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen, verfolgt auch der Onlinehändler Amazon.

          Spacemap bietet Satellitenbetreibern Landkartendienste an. „Wir sind so etwas wie Google Maps für Satelliten“, sagt Peter JH Ryu, der als Forschungsingenieur für die Koreaner arbeitet. Unter anderem soll die Technologie von Spacemap helfen, Kollisionen von Satelliten zu vermeiden. Ryu sieht die CES als Chance, das Interesse möglicher amerikanischer Kunden auf sich zu ziehen. Und er sagt, er hoffe, dass dazu künftig auch Space X und Amazon gehören.

          Weitere Themen

          Kein Wort zur Musk-Übernahme

          Twitter-Hauptversammlung : Kein Wort zur Musk-Übernahme

          Wie angekündigt war eine mögliche Übernahme von Twitter durch Tesla-Chef Elon Musk am Mittwoch kein Thema bei der jährlichen Hauptversammlung des Online-Dienstes. Eine kleine Überraschung gab es auf dem Aktionärstreffen trotzdem.

          Topmeldungen

          Pro-russische Kräfte auf einem Panzer mit der Aufschrift „Russland“ in der Region Donezk

          Krieg in der Ukraine : Wie Russland seine Strategie im Donbass ändert

          Statt durch eine große Zangenbewegung versucht das russische Militär in der Ostukraine nun die Verteidiger in kleinen Kesseln zu binden. Dazu setzt Moskau laut Angaben Kiews auf eine erdrückende Übermacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement