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Geldhaus in der Krise : Die geplünderte Bank

Balanceakt für John Cryan: Die einst so stolze Deutsche Bank befindet sich nur noch in der Verteidigung. Bild: Reuters

Seit 20 Jahren schröpfen die Investmentbanker die Deutsche Bank. Auf hohe Gewinne folgten horrende Rechtskosten und Verluste. Was ist schiefgelaufen?

          8 Min.

          Die Deutsche Bank erinnert langsam an eine sehr schlechte Gymnasiastin. Immer wieder bringt sie Vieren und Fünfen nach Hause. Oft schon war die Versetzung gefährdet, einmal wäre sie fast von der Schule geflogen. Auch wenn man ihr vor bald drei Jahren in Person von John Cryan einen knochentrockenen Nachhilfelehrer zur Seite gestellt hat – die Noten wollen nicht besser werden. In der Klasse haben sie viele überholt. Und was die Gymnasiastin zu ihrer Verteidigung zu sagen hat, klingt mehr und mehr nach faulen Ausreden: So viele Altlasten, gemeine Drohungen aus Amerika, so lautete lange das Narrativ. In der vorigen Woche brachte Finanzvorstand James von Moltke dann einen neuen Grund vor, warum es auch in diesem Quartal wieder nichts werden dürfte mit der Trendwende: Jetzt ist der starke Euro daran Schuld, dass die schönen Einnahmen der Investmentbanker aus den Vereinigten Staaten plötzlich viel kleiner aussähen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Geduld. So lautet die Devise. Doch genau die ist nun offenbar am Ende. Den Aktienkurs schickte Moltke mit seinem Hinweis auf die hohe Abhängigkeit vom Dollarkurs mal wieder auf Talfahrt. Bei knapp über 11 Euro sind die Papier inzwischen so billig wie die der Commerzbank. Mit einem Börsenwert von 23 Milliarden Euro zählt die Deutsche Bank schon lange nicht mehr zu den Großen in der Welt; allein die wertvollste europäische Bank, die britische HSBC, ist inzwischen fast sieben Mal so viel wert. Noch schlimmer wird das Bild, wenn man einberechnet, dass die Bank durch die Ausgabe neuer Aktien in den vergangenen Jahren vier Mal zusätzliches Geld eingesammelt hat. Ohne die 30 Milliarden Euro aus diesen Kapitalerhöhungen wäre die Bank an der Börse heute keinen Cent mehr wert.

          Die einst so stolze Deutsche Bank befindet sich nur noch in der Verteidigung. Wie konnte es so weit kommen? War da nicht mal eine deutsche Bank, die sich anschickte, mit den Großen von der Wall Street mitzuspielen?

          Das Vertrauen schwindet weiter

          Es ist vor allem die Schwäche der Investmentbanker, die das Vertrauen der Anleger in die Bank immer weiter schwinden lässt. Mit der Begleitung von Unternehmen an den Anleihe- und Aktienmärkten, der Beratung zu Fusionen und Übernahmen und vor allem der Konstruktion und dem Handel komplizierter Finanzprodukte haben die Banker in guten Jahren zwei Drittel zu den Erträgen der Bank beigesteuert und den Löwenanteil zum Gewinn beigetragen. Wer heute in die Geschäftszahlen schaut, sieht ein anderes Bild: 2017 waren die Investmentbanker bei den Erträgen etwa gleichauf mit den Privat- und Firmenkundenberatern und den Vermögensverwaltern zusammen. Beim Gewinn lagen sie sogar etwas darunter. Unterm Strich blieb im Kapitalmarktgeschäft mit 840 Millionen Euro nur noch halb so viel übrig wie im Vorjahr.

          Nun war 2017 auch für andere Investmentbanken kein gute Jahr. Doch ein Blick auf die Marktanteile zeigt, dass die Deutsche Bank in vielen Segmenten noch ein bisschen stärker verloren hat als ihre Wettbewerber. Für Platz 8 reicht es im Vergleich der internationalen Investmentbanken, wie die Rangliste des Datendienstes Dealogic für das erste Quartal zeigt. 520 Millionen Dollar haben die Investmentbanker demnach eingenommen, rund 250 Millionen weniger als die beiden anderen europäischen Häuser Credit Suisse und Barclays. Die Spitzengruppe von JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley ist mit jeweils mehr als 1 Milliarde Dollar weit enteilt.

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