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Nach Insolvenz : Was Germania-Passagiere jetzt tun können

  • Aktualisiert am

Ein Airbus A319 der deutschen Fluggesellschaft Germania hebt vom Flughafen Stuttgart ab. Bild: dpa

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania bieten Lufthansa und Condor betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Was Fluggäste jetzt wissen müssen.

          Nach dem Insolvenzantrag hat die Berliner Fluggesellschaft Germania erklärt, dass von der Einstellung des Flugbetriebs betroffene Fluggäste, die ihren Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hätten, sich zur „Organisation einer Ersatzbeförderung“ direkt an ihren jeweiligen Reiseveranstalter wenden sollen. Dieser ist dafür verantwortlich, ihre Kunden ans Ziel zu bringen. Für Passagiere, die ihr Flugticket direkt bei Germania gekauft hätten, bestehe dagegen aufgrund der Gesetzeslage „bedauerlicherweise kein Anspruch auf Ersatzbeförderung“.

          Lufthansa hat indes Sonderkonditionen für betroffene Passagiere der Airline angekündigt. Durch die Insolvenz sei „erneut eine Sondersituation für die Luftfahrtindustrie in Deutschland“ eingetreten, erklärte der Konzern am Dienstag zur Begründung. Für die Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines sollen betroffene Germania-Fluggästen deshalb vergünstigte Tickets bekommen.

          Die Fluglinien wollen den Betroffenen demnach bei Verfügbarkeit für Flüge von und nach Deutschland innerhalb Europas Tickets für 50 Euro zuzüglich Steuern anbieten, für Flüge zwischen Deutschland und dem Nahen Osten für 200 Euro zuzüglich Steuern. 

          Kein Insolvenzschutz für Flugtickets

          „Dieser Sondertarif gilt bis Ende Februar für Fluggäste, die ursprünglich über eine Germania-Buchung verfügt haben“, erklärte die Lufthansa. Die Tickets werden demnach „in den kommenden Tagen buchbar sein“. Über das genaue Verfahren zur Buchung dieser Sonderkonditionen werde „zeitnah“ auf der Website lh.com informiert.

          Zudem biete die Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings aktuell im Ausland gestrandeten Germania-Passagieren „mit sofortiger Wirkung stark rabattierte Konditionen für Rückflüge nach Deutschland mit Eurowings in der Zeit bis Ende Februar 2019 an“. Betroffene Germania-Kunden können sich demnach auf eurowings.com einen neuen Flug nach Deutschland buchen und erhalten „im Nachgang 50 Prozent Rabatt auf den Preis, wenn sie entsprechende Unterlagen einreichen“. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind. 

          Besonders Individualreisende sind von der Pleite bei Germania betroffen. Fluggäste, die direkt bei Germania gebucht haben, können zwar im Insolvenzverfahren als Gläubiger ihre Ansprüche anmelden. Um neue Flüge müssen sie sich aber selbst kümmern. Passagiere können zudem für Buchungen vor einer Insolvenz grundsätzlich nur Entschädigungen in der Höhe erwarten, in der die Fluglinie auch ihre anderen Verpflichtungen zum Beispiel gegenüber Banken erfüllt. Das sind meist nicht mehr als 20 Prozent. Für Buchungen nach dem Insolvenzantrag müssen die Entschädigungen voll bezahlt werden.

          Kritik von Verbraucherschützern

          Entschädigungsanträge müssen Betroffene innerhalb von drei Jahren direkt an die Airline richten und die Forderungen dabei auflisten. Man sollte dabei eine Frist von nicht mehr als drei Wochen setzen. Weigert sich die Fluglinie, kann eine Schlichtungsstelle eingeschaltet werden.

          Angesichts der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania fordern Verbraucherschützer eine bessere Absicherung der Kunden. Eine Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften, die bei einer Pleite Kunden helfe, sei noch immer nicht beschlossen, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, und appellierte an die Politik, endlich zu handeln. „Trotz der Erfahrungen mit der Insolvenz von Air Berlin haben Bundesregierung und EU nichts unternommen. Das rächt sich nun.“ Den Germania-Kunden drohe nun „immenser Schaden“.

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