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Zulieferer in der Eifel : Warum Grohmann für die Autohersteller so wichtig ist

Prototyp des Model 3 von Tesla. Bild: Reuters

Die Kündigung der Lieferverträge der Tesla-Tochtergesellschaft Grohmann sorgt für Ärger. Es geht vor allem um ein für die Autobranche ganz wichtiges Thema.

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          Die Übernahme des kleinen Eifler Maschinenbauers Grohmann durch den amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla schlägt hohe Wellen in der Autoindustrie. Nach dem Willen des neuen Eigentümers soll Grohmann  künftig nur noch für Tesla produzieren, Altkunden wie BMW und Daimler fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Amerikaner sind um Schadenbegrenzung bemüht. Wie eine Lösung aussehen könnte, ist allerdings offen. Schon heute werden offenbar alle Kapazitäten selbst gebraucht, um die geplante Serienproduktion des Massenmodells Modell 3 sicher zu stellen.

          Es geht um Batterien

          Was ist so wichtig an Grohmann-Anlagen? Warum der amerikanische Auto-Rebell den bis dato in der Öffentlichkeit kaum bekannten Maschinenbauer mit 700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt rund 120 Millionen Euro übernommen hat, erklärte Tesla-Chef Elon Musk in einer Mail an die Grohmann-Mitarbeiter selbst so: „In der Zukunft wird die Fertigungstechnologie eine größere Bedeutung haben als die Produkte, die durch sie hergestellt werden. Nur durch effizientere Produktion können wir das Gelingen unserer Mission sicherstellen.“

          Grohmann, im Jahr 1963 von Klaus Grohmann gegründet, fertigt vereinfacht gesagt Anlagen und Maschinen für Produktionsprozesse. Vor der Übernahme durch Tesla Anfang des Jahres baute Grohmann Anlagen für eine ganze Reihe von Anwendungen: Nicht nur die Automobilindustrie, auch Elektronikunternehmen, Halbleiterhersteller und Medizintechnikunternehmen zählten zu den Kunden.

          Zum hochspezialisierten Portfolio gehörten Maschinen zur Produktion von Mikroprozessoren und Speicherchips, Maschinen zur Herstellung von Airbagsensoren, Steuergeräten für Servolenkungen, aber auch Anlagen zur Herstellung von Tür- und Dachdichtungen. Für Tesla interessant ist vor allem das Knowhow der Eifeler in der Batterieproduktion: So baut Grohmann Anlagen zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriezellen und ganzen Batteriemodulen.

          Für die Produktion des BMW i8 lieferte Grohmann die Anlage zum Bau des Hochvoltspeichers und wurde dafür von den Münchner Autobauern sogar ausgezeichnet. Daimler baut mit Hilfe von Grohmann eine neue Batteriefabrik in Kamenz nahe Dresden auf.

          Der Stuttgarter Konzern investierte dort eine halbe Milliarde Euro in den neuen Produktionsverbund für Batterien, die vor allem in den reinen Elektrofahrzeugen der neuen Marke „EQ“ benötigt werden. Wie es mit diesen Verträgen weitergeht, steht in den Sternen. Denn Grohmann soll fortan nur noch für Tesla produzieren, um den geplanten Serienstart des neuen Modells 3 nicht zu gefährden. Schon heute, so heißt es aus der Eifel, fehlen Mitarbeiter, um alle Aufträge für Tesla fristgerecht ausführen zu können. Tesla findet offenbar nicht schnell genug neue Beschäftigte: Eigentlich, so die Planung von Tesla-Gründer Musk, soll die Belegschaft in den nächsten beiden Jahren von aktuell rund 700 um 1000 aufgestockt werden. Nach Angaben der IG Metall sind heute schon 300 Stellen unbesetzt.

          Die Entscheidung, sich von Kunden zu trennen, kam offenbar nicht nur für die Kunden überraschend. Auch innerhalb der Belegschaft hat sie für Unruhe gesorgt. Ohnehin schwelt seit Wochen eine Auseinandersetzung zwischen der IG Metall und dem neuen Eigentümer um die Anhebung der Gehälter zumindest auf Tarifniveau und Arbeitsplatzgarantien. Ob es deswegen zum Streit kommt, ist nach wie vor offen.

          Der Gründer ist gegangen

          Der Gründer Klaus Grohmann hat das Unternehmen in der Zwischenzeit überraschend verlassen, obwohl er zunächst ankündigte, dabei bleiben zu wollen. Beobachter vermuten, sein Rückzug hänge damit zusammen, dass Tesla die Bindung zu den Kunden kappte. Grohmann äußert sich dazu nicht, der Nachrichtenagentur Reuters sagte er lediglich: „Ich bin sicherlich nicht ausgeschieden, weil ich keine Lust mehr hatte.“

          Wie es weitergeht, das ist offen. Tesla beteuerte auf Nachfrage lediglich, man sei bereits seit Wochen mit allen Kunden im Gespräch, um individuelle Lösungen zu finden. BMW bestätigte zumindest die Gespräche. Mercedes-Produktionsvorstand Markus Schäfer äußerte sich in einem Gespräch im Münchner Presseclub am Donnerstagabend sehr zufrieden über den Lieferanten und glaubt an eine weitere gute Zusammenarbeit. „Wir gehen davon aus, dass Grohmann die Verträge erfüllt“, sagte er.

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