https://www.faz.net/-gqe-9l8t4

Commerzbank und Deutsche Bank : Warum Unternehmen die Bankenfusion kritisch sehen

  • -Aktualisiert am

Unternehmenszentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Commerzbank und Deutsche Bank sind kaum profitabel. Aber sie haben eine gute Marktposition unter exportierenden Unternehmen. Durch eine Fusion würde diesen einer von bisher zwei möglichen Finanziers verloren gehen.

          Als Treiber hinter den seit dem 17.März offiziell geführten Fusionsgesprächen von Deutscher Bank und Commerzbank gilt Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der SPD-Politiker, der als Hamburgs Oberbürgermeister schon Erfahrungen mit dem Aufstieg und Fall des einst größten Schiffsfinanzierers der Welt, der HSH Nordbank, und ihrer Rettung mit bis zu 14 Milliarden Euro Staatskapital gemacht hat, sagte schon im August 2018, es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche, dass die Banken „nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten“. Gemeint waren von Scholz Deutsche Bank und Commerzbank. Doch stimmt es wirklich, dass die hiesige Wirtschaft unter dem Mangel global agierender Banken leidet? Und würde eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank tatsächlich Abhilfe schaffen? Und wie sieht eigentlich die aktuelle Marktposition beider Banken aus?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon hinter Scholz’ erster Annahme fehlender Globalität deutscher Großbanken lässt sich ein Fragezeichen setzen, ist die Deutsche Bank doch zweifelsfrei eine stark international tätige Bank: Sie erzielt 65 Prozent ihrer Erträge im Ausland, 53.000 von 92.000 Mitarbeitern arbeiten dort, und 655 Niederlassungen liegen außerhalb Deutschlands. Die Commerzbank ist weniger international, nach einer Studie von Unternehmensberatern für Abgeordnete des Deutschen Bundestages fallen etwa 30 Prozent ihrer Erträge im Ausland an, knapp 13.000 von 49.000 Angestellten arbeiten außerhalb Deutschlands.

          In der Handelsfinanzierung für exportorientierte Unternehmen liegt die Deutsche Bank in der Marktdurchdringung unter den europäischen Banken nur hinter der französischen Bank BNP Paribas auf Rang zwei, die Commerzbank hinter Unicredit und HSBC immerhin noch auf Rang fünf. Mit automatischen internationalen Zahlungsverkehrs- und Liquiditätslösungen („Cash Management“) erreicht die Deutsche Bank hinter BNP Paribas und HSBC Rang drei der europäischen Banken, während die Commerzbank Nachholbedarf hat. Kurz gesagt, sind beide Banken schon getrennt in den wichtigsten Geschäftsfeldern für die Exportindustrie vorn dabei, aber gemeinsam wären sie vielleicht noch stärker. Wichtig wäre vor allem, dass die beiden Banken an ihrem Kernproblem arbeiten: Es mangelt ihnen an Effizienz und Profitabilität.

          Schlechtes Beispiel aus der Finanzkrise

          Aber deutsche Großunternehmen wollen sich nicht nur von einer starken Bank finanzieren lassen, sondern von mehreren. Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wäre also mindestens zweischneidig, wie auch eine Umfrage der F.A.Z. unter Unternehmen zeigt. Viele wollen zu dem Thema keine Stellung nehmen, wohl auch, weil oft Geschäftsbeziehungen zu mindestens einem der Institute bestehen. Und wenn, dann bleiben sie vage, wie etwa das Statement des Automobilzulieferers Continental zeigt. „Als global agierendes Unternehmen ist Continental auf ein internationales Bankenkonsortium angewiesen, das eine starke Präsenz in unseren Hauptmärkten vorweisen kann. Dies gilt selbstverständlich auch für unseren Stammsitz in Deutschland“, teilt das Unternehmen aus Hannover mit. Auch wenn sich daraus eine vorsichtig positive Haltung gegenüber der Fusion ablesen lässt, schwingt gleichzeitig mit: Ja, es ist schön, eine starke deutsche Bank an seiner Seite zu haben. Aber wir setzen ohnehin nicht alles auf eine Adresse, sondern streuen unsere Risiken auf mehrere Banken.

          Weitere Themen

          Wie teuer wird es für mich?

          FAZ Plus Artikel: Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.