https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/warum-uniper-einen-fluessiggas-terminal-in-wilhelmshaven-plant-15793567.html

Erster Standort in Deutschland : Warum Uniper einen Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven plant

  • Aktualisiert am

Wilhelmshaven möchte die erste deutsche Stadt mit LNG-Terminal werden. Bild: dpa

Flüssiggas gilt als wichtige Brückentechnologie zwischen Kohle und den erneuerbaren Energien – auch, weil es problemlos transportiert werden kann. Jetzt nennt ein Unternehmen Details zu seinen Plänen.

          2 Min.

          Der Energiekonzern Uniper steigt in das Rennen um einen ersten Terminal für verflüssigtes Gas (LNG) in Deutschland ein. „Wir sind in Gesprächen mit interessierten Parteien über die Entwicklung eines LNG-Import-Terminals in Wilhelmshaven“, sagte Uniper-Vorstandsmitglied Keith Martin. „Wir wollen das Projekt gemeinsam mit Partnerunternehmen entwickeln. Eine Beteiligung an den Investitionen ist derzeit nicht geplant. Unsere Rolle ist die eines Ankäufers und Weiterverteilers von LNG.“ Neben Wilhelmshaven bemühen sich auch Brunsbüttel und Stade als Standort für einen ersten LNG-Terminal hierzulande.

          Zu den Gesprächspartnern von Uniper für eine Anlage am Jadebusen gehören Martin zufolge Interessenten aus Katar und den Vereinigten Staaten. Uniper sei zuversichtlich, im vierten Quartal mehr sagen zu können. Präferenz habe eine schwimmende Anlage, die von Partnerunternehmen gebaut und betrieben werde, erläuterte der 50 Jahre alte Engländer, der auch schon für den Mineralölkonzern Shell und den russischen Gazprom-Konzern tätig war. Die Kosten dafür seien erheblich geringer als bei einer stationären Anlage an Land. Zudem könne die Anlage schneller gebaut werden. Der jährliche Durchsatz könne bei zehn Milliarden Kubikmetern liegen – dies entspricht in etwa einem Zehntel des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland.

          Europa hat zu wenige LNG-Terminals

          Flüssiggas (englisch Liquid Natural Gas, abgekürzt LNG) kann ohne Pipelines über große Entfernungen transportiert werden. Das Gas wird dabei stark heruntergekühlt und damit im Volumen verkleinert, mit Schiffen transportiert und am Anladepunkt wieder umgewandelt. Insbesondere in Asien ist die Nachfrage groß. Zu den Exporteuren gehört etwa Qatarpetroleum mit seiner Tochtergesellschaft Qatargas. Auch die Vereinigten Staaten streben wegen des Schiefergas-Booms auf die Weltmärkte. Uniper-Manager Martin zeigte sich überzeugt, dass Gas insgesamt eine große Rolle als Brücke von dem Kohlezeitalter zur Erneuerbaren Energie haben wird.

          Wilhelmshaven habe als Standort viele Vorteile, sagte Martin. „Es ist ein Tiefseehafen, der auch die Anlandung großer Schiffe erlaubt. Er bietet einen direkten Anschluss an das Pipelinenetz, zudem sind Gasspeicher in der Nähe und etliche Genehmigungsprozesse sind bereits abgeschlossen.“ Die Frage, wann das Terminal in Betrieb gehe, habe für seinen Konzern keine Priorität. „Es muss in erster Linie sichergestellt werden, dass alle Projektpartner ihre Ziele erreichen können. Als Lieferanten kommen grundsätzlich alle großen LNG-Exporteure in Frage.“

          Derzeit gebe es in Europa zwar eine Unterauslastung bei den LNG-Terminals. „Dies dürfte sich aber ändern und die Planung für die Zukunft müssen jetzt stattfinden.“ Wegen der schwindenden Fördermengen in der Nordsee und auch etwa in den Niederlanden müsse Deutschland den Bezug weiter auf eine breite Basis stellen.

          Vor wenigen Tagen hatte RWE die Pläne für eine Anlage in Brunsbüttel mit einer Buchungszusage befeuert. Der Konzern schloss mit der Firma German LNG Terminal einen Vertrag, der dem Versorger einen Zugang zu einem erheblichen Anteil an der jährlichen Kapazität des geplanten Terminals garantiere. Das Konsortium aus dem niederländischen Gasnetzbetreiber Gasunie und den Tanklagerunternehmen Oiltanking aus Hamburg sowie Vopak aus Rotterdam will Ende 2019 über die Finanzierung entscheiden und Ende 2022 den Terminal in Betrieb nehmen.

          Weitere Themen

          Am Lagerfeuer der Zukunft

          FAZ Plus Artikel: Hoffnungswert Metaverse : Am Lagerfeuer der Zukunft

          Spätestens seitdem Mark Zuckerberg Facebook umbenannt hat, ist das Metaverse in aller Munde. Konzerne und kleine Unternehmen tüfteln nun an ansprechenden virtuellen Welten, die das Internet über alle Sinne erfahrbar machen sollen. Dabei geht es nicht nur um den Massenmarkt.

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz hält eine Pressekonferenz mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall.

          Scholz in Afrika : Auf der Suche nach Gas und Verbündeten

          Die erste Afrikareise des Bundeskanzlers steht unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine. Es geht um Gas, das nicht aus Russland kommt, und um den Zusammenhalt gegen Moskau.
          Demonstranten verleihen ihrer Wut auf den tunesischen Präsidenten Saïed Ausdruck (Aufnahme vom 15. Mai in Tunis).

          Tunesien : Nationaler Dialog ohne Parteien

          Im letzten Hoffnungsland des Arabischen Frühlings verschärft sich die politische Konfrontation. Präsident Saïed schließt die Parteien vom nationalen Dialog aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement