https://www.faz.net/-gqe-af5fh

Tech-Unternehmer zieht um : Nichts wie raus aus der nervigen Metropole

Phil Libin kehrt der Großstadt den Rücken Bild: privat

Evernote-Gründer Phil Libin hatte genug von der pulsierenden Westküstenmetropole San Francisco. Heute lebt er in der amerikanischen Provinz – und will künftig ganz ohne Zentrale auskommen.

          5 Min.

          Bentonville ist vor allem als Heimat des Handelsgiganten Walmart bekannt. Ein Ort, der die Tech-Elite von der amerikanischen Westküste anzieht, ist die 50.000-Einwohner-Stadt im ländlichen Bundesstaat Arkansas dagegen nicht. Und doch hat es Phil Libin genau hierher verschlagen. Wenige Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres setzte sich der Unternehmer, der sich als Mitgründer der Notiz-App Evernote einen Namen gemacht hat, mit seiner Freundin ins Auto und fuhr die mehr als 3.000 Kilometer von San Francisco nach Bentonville. Nach 14 Jahren hatte er genug von der kalifornischen Metropole, die ihm „schlimmer und schlimmer“ vorkam, und Freunde, die bei Walmart angeheuert hatten, hatten in höchsten Tönen von Bentonville gesprochen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Von hier aus führt er nun sein heutiges Unternehmen, eine Plattform für Videokommunikation mit dem eigenwilligen Namen Mmhmm, und er sieht zumindest keinen beruflichen Grund, nach Kalifornien zurückzukehren. Er hat seine drei Bürostandorte nicht nur vorübergehend pandemiebedingt geschlossen, sondern ganz aufgegeben. Er hat damit einen radikalen Ansatz gewählt: Es soll keine Zentrale mehr geben, alle Beschäftigten sind im Homeoffice oder wo auch immer sie sonst arbeiten wollen. Das erlaubt keine Mittelwege, in denen zwischen Homeoffice und Büro abgewechselt wird. Der 49 Jahre alte Libin geht damit viel weiter als die meisten anderen Technologieunternehmen. Facebook und Twitter etwa wollen zwar dauerhaft einem großen Teil ihrer Belegschaft die Wahl lassen, ganz von zu Hause aus zu arbeiten, werden aber nicht auf Büros verzichten. Apple plant nach der Wiedereröffnung seiner Büros ein Hybridmodell, bei dem die Beschäftigten drei Tage in der Woche vor Ort sein sollen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Leif Eriksson war hier gewesen. Diese Gebäude der Wikingersiedlung an der Bucht L’Anse aux Meadows auf Neufundland sind allerdings rekonstruiert.

          Wikinger in Nordamerika : Tausend Jahre Einsamkeit

          Die Wikinger kamen bis nach Kanada. Aber wann? Jetzt ist es endlich gelungen, ihre Hinterlassenschaft dort exakt zu datieren.
          Forschung im Unterdruck-Labor: Viren werden in einer Nährlösung zur Vermehrung angeregt.

          Versuche mit dem Coronavirus : Außer Kontrolle

          Forscher haben am Wuhan-Institut mit amerikanischem Geld gefährliche Coronavirus-Experimente vorgenommen. Die „Gain-of-Function-Forschung“ muss dringend in ihre Schranken verwiesen werden. Ein Gastkommentar.