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Ausgerechnet in der Krise : Warum sich die Deutsche Bank einen Jahresgewinn zutraut

Das zweite Quartal lief für die Deutsche Bank besser als erwartet. Bild: Reuters

Das überraschend solide zweite Quartal lässt den Vorstand der Deutschen Bank mutiger werden. Reicht das zum ersten Gewinn nach fünf Jahren?

          5 Min.

          Nachdem die Deutsche Bank das zweite Quartal und damit auch das erste Halbjahr 2020 überraschend mit einem Gewinn vor Steuern abgeschlossen hat, wird der Vorstand mutiger. Auf die Frage, ob es nach fünf Verlustjahren ausgerechnet in der Corona-Krise mit einem Gewinn im Gesamtjahr 2020 klappen könnte, sagte Finanzvorstand James von Moltke am Mittwoch zu Journalisten: „Wir arbeiten daran.“

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Aktionären stellte von Moltke im Frühjahr 2022 eine Dividende für das Jahr 2021 in Aussicht, womit kaum ein Analyst bisher gerechnet hat. Zuletzt hatte die Deutsche Bank für das Jahr 2018 eine Mini-Dividende von 11 Cent je Aktie gezahlt.

          Wegen der schwachen Geschäftsentwicklung hat Vorstandschef Christian Sewing vor etwas mehr als einem Jahr eine tiefgreifende Sanierung angestoßen. Sewings Ziel lautet: Ein Nettogewinn im Jahr 2022, der einer Eigenkapitalrendite von 8 Prozent entspricht. Die Jahre bis dahin gelten als Übergangsjahre. 4000 Vollzeitstellen sind inzwischen verschwunden, weitere 14.000 sollen noch folgen. Ganze Geschäftsbereiche vor allem im schwankungsanfälligen Investmentbanking wie der Aktienhandel, in denen die Deutsche Bank nach Sewings Analyse keine Chancen auf eine führende Wettbewerbsposition hat, wurden eingestellt.

          4 Prozent Eigenkapitalrendite

          Für den Konzernumbau fallen mehr als 7 Milliarden Euro an Sanierungskosten an. Mehr als drei Viertel davon sind inzwischen gebucht, 300 Millionen Euro im zweiten Quartal 2020. Zusätzlich kommen jetzt durch die Corona-Pandemie hohe Kreditausfälle hinzu. Aktienanalysten hatten deshalb für das zweite Quartal 2020 und auch für das Gesamtjahr 2020 bisher mit einem Verlust der Deutschen Bank gerechnet.

          Doch nach einem Gewinn vor Steuern von 158 Millionen Euro im zweiten Quartal steht nach dem ersten Halbjahr 2020 nun ein Bruttogewinn von 364 Millionen Euro zu Buche. Das entspricht immerhin 4 Prozent Eigenkapitalrendite – allerdings vor Steuern. Nach Steuern weist die Deutsche Bank für das zweite Quartal einen kleinen Gewinn von 61 Millionen Euro aus, nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen steht für die Aktionäre der Deutschen Bank indes ein Quartalsverlust von 77 Millionen Euro. Finanzvorstand von Moltke beharrte darauf, die Deutsche Bank werde nach dem Vorsteuerergebnis gesteuert.

          Zum Vorsteuergewinn im zweiten Quartal 2020 trug das Investmentbanking mit 956 Millionen Euro mehr als viermal so viel bei wie im zweiten Quartal 2019. Dahinter verblassen die anderen Geschäftsfelder: Im Geschäft mit Unternehmen (Unternehmerbank) erreichte die Deutsche Bank nach einem Verlust im Vorjahresquartal diesmal einen Quartalsgewinn von 77 Millionen Euro, die Vermögensverwaltung (vor allem die Fondsgesellschaft DWS) trug 114 Millionen Euro Gewinn bei, 27 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

          „Normalisierung“ im zweiten Halbjahr

          Die größte Schwachstelle bleibt das Geschäft mit Privatkunden und kleinen Unternehmen, das wegen Umbaukosten und höherer Kreditrisikovorsorge wie im Vorjahresquartal einen Verlust lieferte, diesmal 241 Millionen Euro. Die drei „stabilen“ Geschäftsfeldern sind weit davon entfernt, wie ursprünglich geplant zwei Drittel zum Gewinn beizutragen. Die Vermögensverwaltung  verzeichnete zwar Mittelzuflüsse und das Privatkundengeschäft neue Kunden und ein Kreditwachstum. Aber es litt unter den niedrigen Zinsen. Dabei verlangt die Deutsche Bank nun auf Kundeneinlagen in Höhe von 60 Milliarden Euro negative Zinsen – davon liegen 90 Prozent in der Unternehmerbank. Aber auch an neue Privatkunden reicht die Deutsche Bank  – wohl zur Abschreckung – auf Einlagen ab 100.000 Euro die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank weiter. 

          Dagegen boomt das wegen seiner Rechtsrisiken umstrittene und schwankungsanfällige Investmentbanking. Analysten hatten befürchtet, dass unter der Einstellung des Aktienhandels andere Teile des Kapitalmarktgeschäfts leiden würden. Doch im zweiten Quartal wuchsen die Erträge der Deutschen Bank hier um satte 46 Prozent. „Unsere Entscheidung, die Deutsche Bank auf ihre Stärken zu konzentrieren, zahlt sich aus“, schrieb Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter. „Die Früchte dieses Umbaus werden mehr und mehr sichtbar.“

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