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F.A.Z. exklusiv : Warum sich Ausbildung für die Unternehmen auszahlt

Ein Airbus-Azubi demonstriert eine Datenbrille an einem Flugzeugbauteil. Bild: dpa

Auszubildende und Schulabgänger könnten zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie gehören. Dabei profitieren die meisten Unternehmen von der Ausbildung im eigenen Betrieb. Allerdings birgt die Investition in Lehrlinge für Kleinbetriebe auch erhebliche Risiken.

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          Zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie könnten Auszubildende und Schulabgänger gehören. 463.000 Ausbildungsstellen wurden der Bundesagentur für Arbeit bis Mai gemeldet, 9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Und die Sorgen sind groß, dass viele Plätze womöglich gar nicht besetzt werden. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Konjunkturpakets daher gerade einen Ausbildungsbonus beschlossen: Betriebe, die trotz der Krise Lehrlinge einstellen, sollen bis zu 3000 Euro Prämie je abgeschlossenem Vertrag erhalten.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dass die Unternehmen insbesondere aufgrund des enormen Fachkräftebedarfs selbst ein großes Interesse haben auszubilden, zeigt nun eine neue Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die der F.A.Z. vorab vorliegt. Demnach haben sich die Nettokosten für die Betriebe in den vergangenen Jahren kaum erhöht: Im Ausbildungsjahr 2017/18 beliefen sie sich auf durchschnittlich 6478 Euro je Auszubildendem und Jahr, 153 Euro mehr als fünf Jahre zuvor.

          Den größten Teil der Bruttokosten macht die Ausbildungsvergütung aus, hinzu kommen die Ausgaben für das Ausbildungspersonal, für Werkzeuge und Geräte, Lehrwerkstätten und Kammergebühren. Zwei Drittel der Kosten werden allerdings im Schnitt schon dadurch gedeckt, dass die Lehrlinge neben ihrer Ausbildung im Betrieb mitarbeiten und Erträge erwirtschaften. Naturgemäß variieren die Nettokosten je nach Branche, Betriebsgröße und Region stark.

          Fachkräfte von morgen

          Wird der Lehrling übernommen, kann ein großer Teil der Ausgaben zudem dadurch ausgeglichen werden, dass Geld für die externe Rekrutierung gespart wird. Je eingestelltem Mitarbeiter wenden die Betriebe im Durchschnitt 10.454 Euro auf, das entspricht zwei Drittel der gesamten Nettokosten einer durchschnittlichen dreijährigen Ausbildung. Der größte Anteil entfällt auf die Einarbeitung und die zunächst geringere Produktivität.

          Die nach Institutsangaben repräsentative Befragung unter mehr als 3000 ausbildenden und fast 1000 nicht ausbildenden Betrieben zeige, dass sich Ausbildung für einen Großteil von ihnen lohne, sagt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser – auch durch eine hohe Identifikation mit dem Betrieb und lange Zugehörigkeit. Esser appelliert an die Betriebe, ihr Engagement in der Corona-Krise aufrechtzuerhalten: „Die Auszubildenden von heute sind die so dringend benötigten Fachkräfte von morgen.“

          Dessen scheinen sich auch die Betriebe bewusst zu sein. 90 Prozent gaben an, zumindest einen Teil der Auszubildenden übernehmen zu wollen. Vor fünf Jahren waren es noch 83 Prozent. Vor allem kleine Betriebe tun sich immer schwerer, auf dem Arbeitsmarkt geeignete Fachkräfte zu finden. Gefragt, ob in einem bestimmten Ausbildungsberuf in ihrer Region Fachkräfte verfügbar sind, beurteilen sie die Situation deutlich schlechter als Großbetriebe. Dementsprechend brauchen sie länger, um eine offene Stelle zu besetzen: im Fall von Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern durchschnittlich 19 Wochen. Auch das verursacht Kosten, beispielsweise wenn Aufträge nicht bearbeitet werden können.

          Gerade für Klein- und Kleinstbetriebe bleiben Investitionen in Lehrlinge allerdings mit dem erheblichen Risiko verbunden, dass diese nach Abschluss der Ausbildung zu einem anderen Unternehmen wechseln. So gelingt es kleinen Betrieben der Befragung zufolge langfristig lediglich, ein Viertel der Auszubildenden zu halten. Große Unternehmen hingegen schaffen es, auch fünf Jahre nach Ende der Ausbildung noch 70Prozent ihrer Lehrlinge zu beschäftigen.

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